IAA geht nach München : Berlin wäre der bessere Ort für die Automesse gewesen

München hat den Zuschlag für die IAA bekommen, weil die Stadt glänzt und als sicher gilt. Dennoch gab es gewichtige Gründe für Berlin. Ein Kommentar.

Hier ist es sicher: Ein Polizist auf dem Marienplatz in München.
Hier ist es sicher: Ein Polizist auf dem Marienplatz in München.Foto: DPA

Es ist immer bitter, wenn der Favorit nicht gewinnt. Vor allem für den Favoriten selbst, der den zweiten Platz erklären muss: Warum hat Berlin die IAA nicht bekommen, obgleich Berlin beim Casting Ende Januar das beste Konzept vorgelegt hat und mit Vorsprung in die Endrunde ging gegen München und Hamburg?

Wie immer im Spiel hängt das Ergebnis von der Leistung aller Beteiligten ab. Der Gewinner München hat zuletzt zugelegt und der Verlierer konnte das Misstrauen gegen Berlin nicht reduzieren.

Bayern hat Geld

Markus Söder stellte aus dem Landeshaushalt 15 Millionen für die IAA bereit und verpasste damit der Bewerbung der Messe München einen Schub. Berlins Regierender Bürgermeister hatte keinen Cent für die Messe Berlin. Andernfalls hätte Michael Müller in der rot-rot-grünen Koalition Probleme bekommen. Zumal mit der grünen Wirtschaftssenatorin, die sich über Wochen mit dröhnender Indifferenz zum Thema IAA geäußert hat.

Weil Pop nicht wollte, musste aus Südafrika die IHK-Präsidentin eingeflogen werden, um die Berliner Bewerbungsmannschaft zu komplettieren. Was ist das für eine Wirtschaftssenatorin, die die Bedeutung der größten deutschen Messe nicht einschätzen kann? Die politische und finanzielle Unterstützung war in München erheblich höher als in Berlin.

München ist sicher

Sicherheit und Organisationsfähigkeit waren gefragt – und obgleich die Messe Berlin mit Fanmeile und Silvesterparty bewiesen hat, große Veranstaltungen mitten in der Stadt sicher durchführen zu können, geht die Industrie in die „sicherste Großstadt der Welt“, wie der Chef der Münchener Messe sagt.

Dazu kommt das Umfeld: Die Region München ist so reich wie keine zweite in Deutschland, und da Messen Marketingveranstaltungen sind, ist der bayerische Markt für BMW und Mercedes, Porsche und Audi attraktiver als der Berliner.

IAA: Die Entscheidung für München ist überraschend

Und trotzdem: München als Standort bleibt überraschend. Dass Mercedes kein Veto gegen die BMW-Stadt eingelegt hat, hängt womöglich mit dem Zwang der Zusammenarbeit zusammen, der die beiden Oberklassenmarken in der tiefgehenden Transformation der Branche künftig noch stärker verbindet.

Berlin als „neutraler“ Ort, in dem kein deutscher Hersteller ansässig ist, aber die Bundesregierung, wäre aus politischen Gründen der richtige Ort gewesen. Denn die Geschäftsbedingungen der Branche hängen zunehmend ab von Regulierungen.

Deshalb hat der Autoverband VDA seinen Sitz in Berlin, deshalb wäre die Hauptstadt auch der richtige Platz für die IAA gewesen. Am Ende ist die Industrie auf Nummer sicher gegangen. In München weiß man, was man hat, in Berlin will die Verkehrssenatorin den Verkehr auf Fahrrädern abwickeln.

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