Im Herbst wird aufgeforstet : Wie geht es Berlins Wäldern?

Der Berliner Wald ist auf den Klimawandel schon recht gut vorbereitet. Aber Neupflanzungen scheitern an der Dürre.

Grüne Blätter, aber verdächtig viele Früchte: Berliner Eichen im Trockenstress.
Grüne Blätter, aber verdächtig viele Früchte: Berliner Eichen im Trockenstress.Foto: Thilo Rückeis

Nur wenige Waldbesitzer stehen so unter Beobachtung wie das Land Berlin mit seinen fast 29.000 Hektar Forsten. Rund 60 Prozent davon befinden sich im Stadtgebiet, der Rest im Umland der Fast-Vier-Millionen-Stadt. Aus dieser Lage ergibt sich die wichtigste Funktion der Hauptstadtwälder: Sie dienen in erster Linie als Ausflugs- und Erholungsorte sowie als Luftfilter, Klimaanlage und Grundwasserspeicher für die Metropole. Gewinne erwirtschaften müssen und können sie nicht.

Das gilt erst recht in diesen Zeiten, in denen nach zwei aufeinanderfolgenden Rekordsommern und mehreren Stürmen viele Waldbesitzer ihr Holz um jeden Preis loswerden müssen. „Auch wir spüren in unseren Bilanzen die wechselnden Marktpreise“, sagt Marc Franusch, Sprecher der zur Senatsumweltverwaltung gehörenden Berliner Forsten.

„Da der Faktor Rohstoff für uns nachrangig ist, entscheiden wir im Zweifel, dass wir uns für die anstehende Einschlagsaison aufs Notwendigste beschränken.“ Deshalb werden im kommenden Winter wohl weniger Forstmaschinen in den Berliner Wäldern wüten. Die absehbaren Mindereinnahmen muss das Land ausgleichen, wobei die jährlichen Erlöse nach Auskunft von Franusch meist um zwei bis drei Millionen Euro liegen.

Statt viel zu roden, soll in diesem Spätherbst in möglichst großem Stil aufgeforstet werden – sofern es bis dahin endlich kräftig geregnet hat. „Im vergangenen Herbst haben wir gar nicht gepflanzt, weil die Bedingungen immer noch so ungünstig waren“, berichtet Franusch. Eine weise Entscheidung angesichts des erneut trockenheißen Sommers 2019.

Der dürfte nach der 2018er-Dürre weitere Setzlinge aus den Vorjahren dahingerafft haben. Frühjahrspflanzungen wie in vergangenen Zeiten haben die Berliner Forsten schon vor Jahren abgeschafft, weil die Frühlingsmonate immer trockener und wärmer wurden. Nun warten mindestens 200 000 Setzlinge auf ihren Startplatz in hoffentlich gut durchfeuchtetem Boden.

2003 gab es kaum noch gesunde Eichen

Wie es den Alten geht, wird wohl im Advent verraten – bei der Präsentation des Waldzustandsberichtes. Für den wurden im Sommer knapp 1000 Bäume begutachtet; Kriterium für die Einstufung ist das Ausmaß der Kronenverlichtung. „Wir warten sorgenvoll-gespannt auf die Ergebnisse“, sagt Franusch.

Wobei sich bei einem öffentlichen Begutachtungstermin im August im Grunewald zumindest die schlimmsten Befürchtungen nicht bestätigt hatten. Die kamen nicht von ungefähr: Nach dem – im Vergleich zu 2018 und 2019 beinahe harmlosen – Jahrhundertsommer 2003 gab es vor allem bei den Eichen kaum noch gesunde Exemplare.

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Erst nach etwa zehn Jahren hatten sich die Bäume von den dürre- und hitzebedingten Schäden erholt. Im vergangenen Jahr galten 27 Prozent aller Berliner Forstbäume als gesund, 58 Prozent als leicht und 15 Prozent als deutlich geschädigt. Nun rechnen Fachleute damit, dass es mit etwas Verzögerung richtig schlimm kommen könnte.

Die Kiefer ist Berlins häufigster Waldbaum

Allerdings ist der Berliner Wald schon relativ gut auf den Klimawandel vorbereitet: Zwar dominieren vor allem in Grune- und Müggelwald noch immer Kiefern, aber insgesamt ist der Umbau zum Mischwald schon weit vorangekommen.

Mischwälder sind resistenter gegen massenhaften Schädlingsbefall, verbessern die Bodenqualität und trocknen nicht so schnell aus wie Kiefern-Monokulturen. Insgesamt machen Kiefern 60 Prozent der Berliner Waldbäume aus, gefolgt von Eichen mit 21 Prozent. Andere Baumarten spielen nur Nebenrollen. Und alle stehen unter dem Schutz von FSC- und Naturland-Zertifikaten, die nachhaltige Bewirtschaftung garantieren sollen.

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