Immobilien : Berlin sonnt sich an der Côte d’Azur

Auf der Messe in Cannes werden Immobilien gezeigt und prämiert – zwei Objekte von der Spree haben Chancen

Kai Kolwitz

Das Areal um den Hauptbahnhof, der neue Großflughafen in Schönefeld oder die Anschutz-Arena am Ostbahnhof – wie eine Hitliste von Berlins größten Bau- und Entwicklungsvorhaben liest sich das, was die Hauptstadt bei ihrem Auftritt auf der Mipim in Cannes präsentiert.

Mit mehr als 20 000 Besuchern und gut 2000 Ausstellern ist die Schau Europas größte und wichtigste Immobilienmesse. Und die Hauptstadt hat in diesem Jahr Grund, mit breiter Brust aufzutreten: Von den 15 für einen der Mipim-Awards präsentierten Bauprojekten stehen gleich zwei in Berlin: Das Hotel de Rome am Bebelplatz sowie der Römische Hof schräg gegenüber Unter den Linden 10.

Für Berlin geht es aber nicht nur darum, Preise abzuräumen: 22 Unternehmen und Institutionen mit Sitz in Berlin und Brandenburg teilen sich vom 13. bis 16. März den Standbereich im Palais des Festivals und werben für ihre Projekte. Unter ihnen die Adlershof Projekt GmbH, die Degewo, die drei Vorhaben am Alexanderplatz präsentiert, und die Köbis Dreieck Development, die in Cannes Investoren für die letzten noch nicht vergebenen Baugrundstücke im Dreieck zwischen Klingelhöfer-, Von-der-Heydt- und Köbisstraße in Tiergarten interessieren will.

Currywurst und Buletten gibt es dabei am Stand jeden Mittag als Anreiz für Interessenten. Wie wichtig die Schau im Werben um Investoren ist, unterstreicht aber eher die Tatsache, dass Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer sich gleich zwei Tage Zeit für einen Besuch in Cannes genommen hat. Auch dabei im Fokus: Der geplante Großflughafen Berlin-Brandenburg International sowie die Entwicklungsflächen am neuen Hauptbahnhof. So wird die Senatorin auf der Messe bei diversen Diskussionsveranstaltungen für die Hauptstadt werben, teilweise gemeinsam mit Potsdams Oberbürgermeister Jann, der der Schau ebenfalls seine Aufwartung macht.

Junge-Reyer gibt auf der Mipim außerdem noch den Startschuss zum Bieterverfahren für eine Fläche, die sich nach der Vision des Vermarkters Liegenschaftsfonds zur größten innerstädtischen Baustelle der kommenden Jahre entwickeln soll: den Humboldthafen gleich neben dem Bahnhof.

Als Erstes will man Gebote für ein Baufeld am südöstlichen Hafenende einsammeln, als Nutzungsmöglichkeiten für die 6000 Quadratmeter große Fläche am Wasser wären Geschäfte, Büros, Wohnungen, Gastronomie oder auch ein Hotel denkbar. Zwei weitere Wettbewerbe sollen bis 2008 folgen – Ergebnis soll dann ein durchlässig umbautes Hafenbecken mit urbanem Flair sein, in dem auch Anlegeplätze für Schiffe Platz finden.

Ebenfalls vom Sog durch den neuen Bahnhof will Vivico mit seiner Planung für das Lehrter Stadtquartier profitieren. Knapp 120 000 Quadratmeter Büro- und Handelsfläche sowie gut 26 000 Quadratmeter Wohnraum sollen hier entstehen, mit einen knapp 100 Meter hohen Hochhaus als weithin sichtbarer Landmarke. Auf der Mipim stellt das Unternehmen das Projekt potenziellen Nutzern vor.

Ob die Macher der für die Awards nominierten Berliner Umbauten mit einem Preis nach Hause gehen können, wird sich übrigens am Abend des 15. März herausstellen. Die Entscheidung treffen die Besucher der Messe, die über den Immobilien-Oscar abstimmen.

Denkbar wären dabei sogar noch mehr deutsche Preisträger. Denn nominiert sind außerdem noch die Hamburger Europa-Passage, für deren 30 000 Quadratmeter Ladenfläche die Innenstadt gravierend umgestaltet wurde, sowie die Stuttgarter Königsbau-Passagen, die sich in der dortigen Einkaufsmeile an den historischen Königsbau anfügt.

DER BAU

Das heutige Hotel de Rome am Bebelplatz ist das Stammhaus der Dresdner Bank. Diese nutzte den Bau bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, danach beherbergte er die Staatsbank der DDR. Nach der Wende wurden Ausstellungen und Partys improvisiert, zum größten Teil stand der Bau leer.

DAS KONZEPT

Beim Umbau zum Luxushotel wurde darauf geachtet, die Geschichte des Gebäudes weiter sichtbar zu halten. So befinden sich im Untergeschoss neben dem Spa-Bereich immer noch Tresor und Schließfächer,die ehemaligen Büros der Bankvorstände wurden zu Suiten. 150 Millionen Euro kosteten Umbau und Einrichtung – bei der Mipim ist das Hotel de Rome für einen Preis in der Kategorie „Hotels und Freizeitanlagen“ nominiert.

DER MACHER

Das Hotel de Rome trägt die Handschrift seines Betreibers Sir Rocco Forte. Der Brite betreibt 14 Luxushotels in ganz Europa – ein Preis bei der Mipim 2007 wäre bereits sein zweiter: Fortes edle Frankfurter Villa Kennedy wurde im vergangenen Jahr ausgezeichnet.

DER BAU

Der Römische Hof, Unter den Linden 10, stammt von 1910. Ehemalige Nutzer: eine Bank, die Reichsbahn - und der Club „Cookies“

DAS KONZEPT

Die Mipim-Jury würdigte die Umgestaltung zum Bürobau. Ein Kriegsschaden in der Fassade wurde durch einen Glaseinschub behoben, der Innenhof überdacht

DIE MACHER

Projekt-Entwickler ist Vivico Real Estate, die Planung stammt von Axthelm Architekten, Potsdam kko

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