Immobilien : Der König der Pflanzen

Dem Schweden Carl von Linné ist die berühmte Blumenschau in Holland gewidmet

Waltraud Hennig-Krebs

Es gibt wohl kaum einen Garten oder Park, der den Frühling mit all seiner Farben- und Blütenpracht so großartig präsentiert wie der niederländische Keukenhof. Im Mittelpunkt der alljährlich stattfindenden weltgrößten blühenden Blumenzwiebel-Schau, die vom 22. März bis zum 20. Mai geöffnet ist, steht in diesem Jahr Schweden. Unter dem Motto „Linnaeus, 300 Jahre King of Flowers“ wird des schwedischen Arztes und Naturforschers Carl von Linné gedacht, der bis zur Erhebung in den Adelsstand im Jahr 1757 Carl Linneaus hieß und dessen Geburtstag sich am 23. Mai zum 300. Mal jährt.

Die Besucher erwartet nicht nur ein Farbenmeer in Blau und Gelb, sondern auch ein 16 mal 11 Meter großes Tulpenbeet, das ein Porträt von Pippi Langstrumpf zeigt und zu den Höhepunkten auf der 32 Hektar großen Ausstellungsfläche zählen dürfte, auf der sieben Millionen Blumenzwiebeln gepflanzt wurden. Der Keukenhof unterstreicht mit der Wahl des Themas die große Bedeutung, die Linné auch für die Blumenzwiebelkultur hatte. Nach wie vor werden Tulpen nach der Klassifikation benannt, die der Botaniker im 18. Jahrhundert entwickelt hat.

Carl von Linné gilt als Begründer der modernen Pflanzensystematik. Denn ihm gelang es, die Vielfalt der Pflanzenarten durch eine neue Bestimmungsmethode, geordnet nach der Struktur der Blütenorgane (Blütenblätter, Staubblätter, Stempel) in ein natürliches System zu bringen und somit die fast 18 000 Pflanzennamen auf etwa 3000 zu senken. Es verschwanden die oft umständlichen, fast endlosen Artbezeichnungen. Sie wurden konsequent durch die heute noch gebräuchlichen Doppelnamen ersetzt. Dieses Prinzip wird „Binäre Nomenklatur“ genannt. Dabei erhält jede Art einen Doppelnamen. Das erste Wort gibt die Gattung an, das zweite charakterisiert zusammen mit dem ersten die Art (Beispiel: Ranunculus repens = Hahnenfuß kriechend). Mit der Zeit dehnte Linné sein System auch auf die damalige Tierwelt (Menschen zählte er auch dazu) und auf Minerale aus und ergänzte dementsprechend sein Hauptwerk „Systema naturae“ (System der Natur). In der 12. Auflage stellt er zum ersten Mal den Menschen als Homo sapiens in der Ordnung „Herrentiere“ neben Schimpansen und Orang-Utan vor.

Bereits in der Kindheit begeisterte sich Carl von Linné für die Pflanzenwelt, die ihm sein Vater, ein Landpfarrer, selbst leidenschaftlicher Botaniker, nahe brachte. Dennoch sah er für seinen Sohn die theologische Laufbahn vor. Doch dank des Arztes und Gymnasiallehrers Johann Rothmann, der die naturkundliche Begabung Linnés erkannte, durfte der junge Carl Medizin studieren. Und so ging er aus seinem Heimatort Råshult in der südschwedischen Provinz Småland zum Studium zuerst an die Universität in Lund, später nach Uppsala, wo ihn bedeutende Leute, wie beispielsweise der Botaniker Rudbeck d. J., förderten. Er war es auch, der das herausragende Talent des angehenden Naturwissenschaftlers erkannte. Linné war noch Student, als ihm Rudbeck einen Lehrauftrag als stellvertretender Dozent am botanischen Garten der Universität gab. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte Carl von Linné herausgefunden, dass sich die Fortpflanzungsorgane der Pflanzen als Grundlage für deren Klassifikation eignen. Auch die Erkenntnis, dass Pflanzen trotz unterschiedlicher äußerer Erscheinungsform dennoch zu ein und derselben Art gehören können, verdanken wir seinem Forscherdrang. Außerdem führte Linné die Symbole für männlich und weiblich ein.

Die wichtigste Zeit seines Lebens dürften von 1735 an die drei Jahre in Holland, ein damals in den Naturwissenschaften führendes Land, gewesen sein. An der Universität von Harderwijk promovierte er zum Doktor der Medizin. Hier lernte er bedeutende Gelehrte kennen, betreute und beschrieb den privaten botanischen Garten des reichen Kaufmanns George Clifford und traf auf den Botaniker Jan Frederik Gronovius, der übrigens als erster die Gerbera bestimmte und benannte. Diese Begegnung hatte weitreichende Folgen. Linné zeigte ihm seinen frühen Entwurf über die Einordnung von Lebewesen in ein biologisches System. Der Gelehrte war begeistert und finanzierte dem jungen Wissenschaftler den Druck der „Systema naturae“. Ganze zehn Folioseiten umfasste die Erstausgabe des Werks, das Linné berühmt machte. Bis an sein Lebensende ergänzte, verbesserte und erweiterte er sein Hauptwerk, dessen einzelne Ausgaben im Linné-Museum in Uppsala stehen. So bestand die letzte, die 13. Auflage im Jahr 1770, dann aus mehr als 3000 Seiten. Ohne Unterstützung anderer Forscher in aller Welt, mit denen er ständig korrespondierte und deren Erkenntnisse und Forschungsergebnisse er verwertete, wäre das sicher nicht möglich gewesen.

1738 zog es ihn nach Schweden zurück. Er war verlobt und wollte einen Hausstand gründen. In Stockholm praktizierte er als Mediziner und wurde Leibarzt des Königs. Gemeinsam mit einem Kreis von Gelehrten gründete er 1739 die schwedische Akademie der Wissenschaften, deren erster Präsident er wurde. Noch im selben Jahr heiratete er.

Seine Berufung an die Universität Uppsala 1741 als Professor der Medizin und vor allem der Botanik, dem Gebiet, das ihn am meisten interessierte, war ein weiterer Karrieresprung. Der Zulauf zu seinen Vorlesungen war enorm. So entstanden beispielsweise unter seinem Vorsitz über 180 Dissertationen, die eine große thematische Vielfalt aufwiesen. Neben seiner Lehrtätigkeit betreute er den dortigen botanischen Garten und leitete mehrere Expeditionen. Auf einem Landgut nördlich der Stadt gelegen, auf dem er mit seiner Frau und den vier Kindern lebte, konnte er in Ruhe seinen wissenschaftlichen Arbeiten nachgehen. So schuf er unter anderem ein naturhistorisches Museum und legte ein großes privates Herbarium an. 1778 verstarb er nach langem Leiden an den Folgen eines Schlaganfalls und wurde im Dom von Uppsala beigesetzt.

An den großen schwedischen Naturwissenschaftler wird natürlich nicht nur im Keukenhof bei Lisse erinnert. Auch in seinem Heimatland sind an den Orten, an denen Carl von Linné weilte, zahlreiche Veranstaltungen geplant. Und auf der Chelsea Flower Show in London wird vom 22. bis 26. Mai ein sogenannter „Linné-Garten“ zu sehen sein. Anschließend geht die Ausstellung mit Exponaten des „Königs der Pflanzen“ nach Göteborg.

Weiteres im Internet:

www.linne2007.se

www.keukenhof.nl

Park . 58. internationale Schau von Zwiebelblühern unter dem Motto „Linnaeus, 300 Jahre King of Flowers“ im Park des Keukenhofs,Lisse (Holland), Stationsweg 166 a. 32 Hektar, bepflanzt mit rund sieben Millionen Zwiebelblühern von rund 90 Lieferanten.

Öffnungszeiten. 22. März bis 20. Mai täglich von 8 bis 19 Uhr 30.

Preise. Erwachsene 13 Euro, ab 65 Jahre 12 Euro, Kinder von vier bis elf Jahren sechs Euro,

Anreise. Öffentliche Verkehrsmittel: Vom Bahnhof Leiden mit der Buslinie 54, vom Flughafen Schiphol mit der Buslinie 58 direkt erreichbar.

Informationen. E-Mail: sales@keukenhof.nl oder Rufnummer: +31 (0)252 465 537. W.H.

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