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Mit der Rückbesinnung zum Wildobst gerät auch die Mispel wieder stärker ins Blickfeld

Tassilo Wengel

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Mispel eine recht häufig anzutreffende Obstart. Ihre angenehm säuerlich schmeckenden Früchte wurden zu Marmelade verarbeitet und auch zur Verbesserung der Haltbarkeit dem Wein oder Most zugefügt. Inzwischen gehört das Gehölz zu den Raritäten. Denn andere Obstarten bestimmten mittlerweile das Angebot. Nur in Südeuropa wird die Mispel noch auf großen Flächen angebaut. Hier ist auch eine natürliche Verbreitung der Art zu finden, die zu Beginn unserer Zeitrechnung in Germanien noch unbekannt war. Wahrscheinlich fand die Mispel erst durch die Märsche römischer Legionäre den Weg zu uns über die Alpen, die sie im Gepäck als Wegzehrung hatten. Das Wildobst fand Einzug in Klostergärten und breitete sich in Bauerngärten und in der Natur aus.

Mit der gegenwärtigen „Rückbesinnung“ zum Wildobst rückt auch die Mispel wieder stärker ins Blickfeld. Man kann die Früchte roh verzehren. Allerdings nicht gleich nach der Reife im September/Oktober, dann sind sie steinhart. Erst nach mehrwöchiger Lagerung im Kühlschrank oder durch Einwirken von Nachtfrösten am Strauch werden sie weich und schmackhaft. Wegen des hohen Pektingehalts eignen sich die Früchte hervorragend als Kompott und zur Herstellung von Gelee oder Marmelade. Auch als Saft oder Obstwein sollen sie sehr bekömmlich sein. Interessiert man sich nur für den unbestrittenen Zierwert der Mispel und lässt die Früchte an der Pflanze, danken es Vögel und Kleintiere.

Die Echte Mispel (Mespilus germanica) gehört zu den Rosengewächsen (Rosaceae) und ist vom nördlichen Persien, dem Kaukasusgebiet und Kleinasien bis nach Südeuropa natürlich verbreitet. In Mitteleuropa ist sie verwildert und in der Natur meist an Waldrändern und zwischen Gebüschen anzutreffen.

Für kleine und mittelgroße Gärten ist die Mispel ein wertvolles Ziergehölz. Sie wird in der Regel drei bis sechs Meter hoch und entwickelt sich zu Bäumen oder Sträuchern. Auffällig ist der sparrige und unregelmäßige Wuchs, die Kronen laden weit aus und haben oft drehwüchsige bis krumme Äste. Sehr dekorativ sind die bis zu zwölf Zentimeter langen, lanzettlichen, dunkelgrünen Blätter. Sie sind auf der Unterseite filzig behaart und leuchten im Herbst in Gelb oder Orange. Im Mai und Juni entfalten sich an den Kurztrieben einzeln stehende, weiße Blüten mit einem Durchmesser von fünf Zentimetern. Bis zum Oktober reifen die walnussgroßen, braunen, grün punktierten Früchte. Ihre eigentümliche Gestalt erhalten sie durch den offenen Blütenkelch mit fünf bleibenden, länglichen Kelchzipfeln.

Da die Mispel ihre Heimat in südlichen Gefilden hat, gedeiht sie am besten in nicht zu winterkalten Gegenden. Sie ist wärmebedürftig und auch gut hitzeverträglich, bevorzugt durchlässige, nicht zu feuchte Böden und gedeiht auf sonnigen Standorten ebenso gut wie im Halbschatten.

Da die Mispel bezüglich des pH-Werts recht anpassungsfähig ist, verträgt sie eine Bodenreaktion, die von schwach sauer bis alkalisch reicht. Die Böden sollten jedoch nicht zu schwer und durch Staunässe zu feucht sein. Dann besteht die Gefahr, dass Frostschäden auftreten. Allerdings muss man bei Temperaturen unter minus 20 Grad Celsius mit Schäden am Holz rechnen. Die Spätfrostgefahr bei den Blüten ist in unseren Gegenden nicht zu befürchten, weil sich die Blüten erst nach den Eisheiligen öffnen.

Wer Mispeln als Zierpflanze verwenden will, findet die Wildart Mespilus germanica gelegentlich in Baumschulen. Da das Heranziehen aus Samen mühsam ist, werden sie vor allem vegetativ vermehrt, indem man auf Birnen- oder Quittenunterlagen Mispelknospen oder -reiser veredelt. Diese Art der Vermehrung ist besonders wichtig, wenn man sortenechte Pflanzen heranziehen will.

Sorten gibt es eine größere Anzahl, die bereits Anfang des 19. Jahrhunderts teilweise bekannt waren. So nannte der Obstbaupfarrer Christ bereits 1802 unter anderem „Königliche“ und „Nottingham“, die heute noch erhältlich sind. Neuere Sorten sind „Macrocarpa“, „Monstrosus“ oder „Westerfeld“. Geschmacklich unterscheiden sich die Sorten von der Wildart wohl kaum, nur sind die Früchte der Sorten größer.

Bezugsquelle. Baumschulen Demmel, Baumschulenstraße 3, 82402 Seeshaupt, Tel. 08801/10 55, Fax 08801/90 72 22, E-Mail: info@demmel-seeshaupt.de.

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