Hochhäuser in Berlin : Kommt das Museum of Modern Art an den Alex?

Neben der Shopping Mall Alexa entsteht ein 150-Meter-Wohn-Turm. Im Sockel könnte eine Nebenstelle des Museum of Modern Art Platz finden.

Neue Nachbarn: Nur der Fernsehturm ist noch höher als das geplante Wohnhochhaus "Alexander".
Neue Nachbarn: Nur der Fernsehturm ist noch höher als das geplante Wohnhochhaus "Alexander".Foto: Promo/Manuel Frauendorf/Finest-Images/Ortner & Ortner

"Wer nicht fragt, hat das Nein schon gehört." Karl Zeller, Gründer und Geschäftsführer der Bewocon Berliner Wohnbau Consult GmbH, die das neue Wohnhochhaus „Alexander“ exklusiv vermarktet, hat in diesen Tagen dringend auf eine positive Nachricht aus dem Bezirksamt Mitte gewartet. Im vergangenen Jahr hatte er die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gemeinsam mit dem russischen Investor MonArch gefragt, ob er in sein spektakulärstes Vermarktungsprojekt noch 6500 Quadratmeter mehr Wohnraum unterbringen könne. Und ein Nein gehört. So reichten sie am 17. Oktober 2017 einen neuen Bauantrag ein, einen, der der im Bebauungsplan festgesetzten Geschossfläche (42.000 Quadratmeter) entspricht. Ende dieser Woche kam auf Anfrage des Tagesspiegel das „Go“ aus dem Bezirksamt Mitte: „Herr Bezirksstadtrat Gothe lässt ausrichten, dass die Baugenehmigung soeben freigegeben wurde. Nach Eingang der Gebühr und nach Unterzeichnung des öffentlich rechtlichen Vertrages kann diese ausgereicht werden.“

Eine dreimonatige Entscheidungsfrist gemäß der Bauordnung für Berlin, die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher auf eine entsprechende Anfrage des Landespolitikers Stefan Evers (CDU) im Berliner Abgeordnetenhaus im vergangenen Dezember genannt hatte, war zu diesem Zeitpunkt lange abgelaufen. „Nicht ungewöhnlich für Berliner Verhältnisse“, wie ein Sprecher der Baukammer Berlin dieser Zeitung sagte. Woran hakte es also so lange?

Die Höhe von 150 Metern stellte keine Hürde dar

An der geplanten Höhe – immerhin 150 Meter, die an anderer Stelle, neben dem Park Inn auf dem Alexanderplatz, nicht genehmigt werden – kann es nicht liegen. Sie stelle keine Hürde da, sagte eine Sprecherin der Stadtentwicklungssenatorin auf Anfrage: „Der B-Plan für den MonArch-Hochhaus-Standort ist seit 2006 rechtsgültig und somit sind die 150 Meter Höhe genehmigungsfähig.“

Hätte man vielleicht gerne mietpreisgebundene Wohnungen in dem Tower? Immerhin hatte die MonArch Gruppe nach Zellers Darstellung Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) vorgeschlagen, entsprechende Einheiten – und zwar über das Gebäude verteilt – einzubauen. Allerdings unter einer Voraussetzung: Man wollte 6500 Quadratmeter mehr Geschossfläche, die innerhalb des bereits vorgelegten Baukörpers durch Änderungen der Deckenhöhen untergebracht werden sollten. Dreißig Prozent der 6500 Quadratmeter sollten für Räume mietpreisgebundener Sozialwohnungen vorgesehen werden. Dazu gab es nach Tagesspiegel-Informationen mit den Investoren ein Gespräch am 18. April 2017, in dem Lompscher eine Prüfung zusagte.

Zuvor soll Amtsvorgänger Andreas Geisel (SPD), heute Innensenator, ebenfalls Zustimmung hinsichtlich der von den „MonArchisten“ beantragten 48.500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche signalisiert haben. Auf der führenden internationalen Fachmesse der Immobilienbranche MIPIM sei das gewesen, erinnert sich Zeller. Und verweist auf das Jahr 2016.

Vorgesehen sind 377 Wohnungen

Die Stadtentwicklungssenatorin bestätigt über ihre Pressestelle, dass es Gespräche über Sozialwohnungen im „Alexander“-Wohnhochhaus gab. Aber von der einmal festgesetzten Geschossfläche von 42.000 Quadratmeter wollte man auch um diesen Preis offenbar nicht lassen. „Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen hat eine Befreiung abgelehnt, da eine Überschreitung der Geschossfläche die Grundzüge der Planung berühren würde“, heißt es dazu aus der Pressestelle. Auch befürchtete man, dass anderen Investoren ein schlechtes Beispiel gegeben werde, wenn Planungsgrundlagen nach entsprechenden Deals einfach verändert würden.

Zeller und die MonArch-Gruppe jedenfalls warteten. Und trieben ihre Planungen voran. 377 Wohnungen sind aktuell vorgesehen. „Die Möglichkeit eines Teilerwerbs von Wohnungen durch landeseigene Wohnungsbaugesellschaften wurde nicht erörtert“, erinnert sich Lüscher. Im Sockel des Turms ist viel Platz für Gewerbe. Es gibt jede Menge Anfragen. Auch Union Investment, Eigentümerin des benachbarten Kaufhauses Alexa, bemüht sich um Einzelhandelsflächen im „Alexander“-Tower. Lidl hat auch schon angeklopft. Doch den Discounter sieht Zeller dort eher nicht am richtigen Platz. Zeller schwebt Höheres vor. Er ist nach eigenen Angaben im Gespräch mit dem Museum of Modern Art (New York) über die Einrichtung einer ersten Nebenstelle des MoMA. Und zwar in Berlin. Das höchste Wohngebäude Berlins soll auch mit Blick auf die Mieter top sein.

Hohe Nachfrage bei den oberen Etagen

Die unteren Turmabschnitte sind für Mitarbeiterwohnungen vorgesehen – Anbieter hochpreisiger Kleinapartments („Boarding Homes“) für ein Wohnen auf Zeit kommen hier nicht zum Zuge. Dieses wäre eine gewerbliche Nutzung und diese ist hier nicht zulässig. 18 Apartments pro Etage soll es geben, davon zehn Einheiten à dreißig Quadratmeter. In 36 Metern Höhe geht es über den für das Gewerbe vorgesehenen Sockelgeschossen ab 6000 Euro pro Quadratmeter zügig aufwärts.

Fünfzig bis sechzig Millionen Euro hat MonArch nach Zellers Angaben inzwischen investiert. Es sind nun 29 Wohnetagen vorgesehen – nachdem 34 nicht durchsetzbar waren. Und so werden die Deckenhöhen der höchst gelegenen Etagen eben deutlich höher – dort lässt die Preisgestaltung viel Luft nach oben. Gleich zwei hochgeschossige Etagen sind nun zum Abschluss des Towers geplant. „Es gibt etliche Interessenten, die nach oben wollen“, sagt Zeller, „der Preis spielt bei ihnen eine untergeordnete Rolle. Da hat man auch schon über Maisonetten nachgedacht.“ Ihre Autos dürften dann im vierten Untergeschoss des Alexa stehen – unter dem Kaufhaus sind schon einmal 96 Stellplätze für „Alexander“ reserviert.

Karl Zeller zeigte sich hoch erfreut, als ihm der Tagesspiegel die Baugenehmigung übermittelte: „In vier bis sechs Wochen können wir mit dem Tiefbau beginnen.“

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