Neubau in Charlottenburg : Wohnen auf Zeit mit Gleisanschluss

Hinter dem Bahnhof Charlottenburg entstehen 115 Mikroapartments für solvente Mieter.

An der Gervinusstraße wird das Projekt „B.Loved“ vorbereitet.
An der Gervinusstraße wird das Projekt „B.Loved“ vorbereitet.Foto: Gerd W. Seidemann

Die Baugrube hat bereits erhebliche Ausmaße, und ein Bagger frisst sich in diesen Tagen weiter voran. Auf einem schmalen Grünstreifen an der Gervinusstraße in Charlottenburg – zwischen Lewisham- und Wilmersdorfer Straße, parallel zur Bahntrasse – wird ein Neubau vorbereitet. In dem siebengeschossigen Projekt „B.Loved“ sollen 115 sogenannte Mikroapartments entstehen. Also fix und fertig ausgestattete Kleinwohnungen für solvente Mieter, die lediglich wenige Monate eine Bleibe in der Hauptstadt benötigen. Die Fertigstellung ist für 2019 geplant. Bauherr ist die Pro Urban AG, ein inhabergeführtes Unternehmensgeflecht aus dem emsländischen Meppen, das unter anderem für Investoren „Konzeptimmobilien“ baut und betreibt, darunter vornehmlich Seniorenzentren und -wohnheime.

Zielgruppe der zwischen 22,94 und 41,18 Quadratmeter großen Wohnungen sind gemäß Exposé „entsandte Arbeitnehmer, Schauspieler, Botschaftsangehörige, Stipendiaten und Unternehmensberater“. Der Bedarf an „temporären Wohnformen“ sei in Berlin durchaus vorhanden, das belege die hohe Nachfrage. Objekte dieser Art wiesen zudem eine durchschnittliche Auslastungsquote von 90 bis 95 Prozent auf. Kapitalanleger könnten also mit dauerhaften Einkünften rechnen, nicht zuletzt auch „aufgrund eines durchdachten Mietpoolkonzepts“, wirbt das Unternehmen. Wie dieses Konzept im Detail funktioniert, mochte Pro Urban dieser Zeitung nicht erläutern. „Das Vermietungskonzept, welches hinter dem ,B.Loved‘ steht, ist sehr individuell und damit erklärungsbedürftig“, ließ die Geschäftsführung über Sprecherin Carina Jakob ausrichten. Einzelne Fragen zu Preisen oder Konditionen zu beantworten, reiche nicht aus.

Das Mietmanagement gehört zum Service

Dabei wird das Prinzip auf der Homepage des 1973 gegründeten Unternehmens recht einfach dargestellt: Die Summe der gesamten Mieteinnahmen wird unter den Eigentümern aller Wohnungen des Mietpools aufgeteilt, der Verteilungsschlüssel richtet sich anteilig nach den erworbenen Quadratmetern pro Apartment. „So fallen selbst Übergangszeiten bei Mieterwechsel so gut wie nicht ins Gewicht“, der Eigentümer erhalte Monat für Monat seine anteiligen Mieteinnahmen. Die Frage, ob die offenbar strikt vorgesehene kurze Verweildauer der Mieter in Zusammenhang mit einem irgendwie gearteten Steuersparmodell steht, bleibt unbeantwortet.

Auf den ersten Blick bestechend ist, dass anders als bei einer herkömmlichen Vermietung nach Aussage von Pro Urban für Anleger nur „ein niedriger Aufwand“ entsteht. Die Pro Immoservice GmbH aus dem Unternehmensverbund der Gruppe übernimmt das Mietmanagement. „Dazu gehören neben der Sondereigentumsverwaltung die Vermietung der Wohnung mit Bonitätsprüfung des Mieters, Aufsetzen eines Mietvertrages, Neuvermietung bei Auszug und die Koordination notwendiger Reparaturen“, heißt es im Exposé. Wie praktisch, alles aus einer Hand. Ein Service, den allerdings auch jemand bezahlen muss. Ob Anleger oder Mieter – keine Auskunft.

Neben der verkehrsgünstigen Lage und einer „hochwertigen, aber robusten Möblierung“ der Wohnungen wird den künftigen Mietern einiges geboten. Das Gebäude bekommt eine Tiefgarage mit Zufahrt von der Lewishamstraße (kurz vor der Bahnunterführung), es soll ein hauseigenes Fitnessstudio entstehen sowie ein gastronomischer Betrieb im Erdgeschoss. Fragen zu Details – unerwünscht.

In dem aufwendig gestalteten, umfangreichen Prospekt werden zwar wissenswerte Details wie Dreifachverglasung genannt, kaum weniger interessante Fakten jedoch nicht erwähnt. Etwa die unmittelbare Nachbarschaft zu viel befahrenen S-, Regional- und Fernbahngleisen. Einen direkten Zugang der Mieter zum Bahnsteig soll es allerdings nicht geben.

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