Neubau in Potsdam : Kritiker befürchten „Augenkrebs“

Die historische Wagenhalle am Potsdamer Hauptbahnhof soll in einen Hotelneubau integriert werden.

Dieser Gebäuderiegel könnte gestützt auf Stahlträgern über einem Teil der alten Wagenhalle errichtet werden.
Dieser Gebäuderiegel könnte gestützt auf Stahlträgern über einem Teil der alten Wagenhalle errichtet werden.Grafik: Stadtverwaltung Potsdam

„Wir sind ein Unternehmen, das sich in der Nische wohlfühlt“, sagt Nedeljko Prodanovic, Geschäftsführer der Beteiligungsfirma Stonehedge, einem Bauträger für Immobilien mit Sitz am Berliner Kurfürstendamm. Er hat in Potsdam Großes vor. An einer zentralen Stelle der Stadt – am Hauptbahnhof nämlich – will Stonehedge die historische Wagenhalle um einen Hotelneubau ergänzen.

Aus einem Architekturwettbewerb zur Neugestaltung der denkmalgeschützten Immobilie – geplant sind an diesem Standort auch Serviced Apartments – gingen die Architekten Tchoban Voss siegreich hervor. „Der Entwurf ist noch nicht final“, sagt Prodanovic. Der kommt nicht nur den Stadtvätern noch zu wuchtig daher – Kritiker befürchten schon „Augenkrebs“.

Geplant ist eine teilweise Überbauung der denkmalgeschützten Halle mit einem L-förmigen Gebäuderiegel. Vor einem Jahr sei man mit der Stadt in die Gespräche gegangen und diskutiere nun mit den Denkmalschützern. „Die Gespräche über die Größe des Projektes sind noch nicht abgeschlossen“, sagt der Bauträger. Fest steht immerhin, dass es ein Drei- bis Vier-Sterne-Hotel werden soll und derzeit ein internationaler Betreiber gesucht wird.

Am Voltaireweg sollen neue Eigentumswohnungen entstehen

Innenansichten der historischen Wagenhalle und wie sie einmal aussehen soll, möchte man noch nicht zur Schau stellen, um im Genehmigungsprozess nicht zu weit vorzupreschen. Immerhin gibt es die Idee, in die Lobby ein Gleisbett zu legen. „Das kam auch ganz gut an“, sagt Prodanovic. Gesucht werden allerdings noch Waggons, die hier stehen könnten. 

Zwei Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt entwickelt Stonehedge ein zweites Nischenprodukt. Es heißt „Vis a vis“ und wird aus Crowdfundingmitteln finanziert. Die ehemalige Gewerbeimmobilie am Voltaireweg war tatsächlich an Hässlichkeit kaum zu übertreffen. Nun aber soll das Grundstück Voltaireweg 12/Schlegelstraße 6 zu einer ersten Adresse werden. In die Bestandsimmobilie sollen Wohneinheiten mit Flächen von zirka 50 bis zu zirka 147 Quadratmetern eingebaut werden. Die Umgebung ist geprägt von Alleen, Gründerzeitbauten, freistehenden Villen und Mehrfamilienhäusern. Insgesamt entstehen in der Potsdamer Jägervorstadt an diesem Standort 19 Wohnungen.

„Wir haben festgestellt, dass mit den Verantwortlichen in Potsdam sehr gute Gespräche über architektonische Ansätze möglich sind“, sagt Prodanovic. Im Speckgürtel habe sich sein inhabergeführtes Unternehmen vor zweieinhalb Jahren für Potsdam entschieden, weil Faktoren wie „Anbindung, Lebensqualität, Bevölkerungsentwicklung und historische Architektur“ einfach für ein Engagement sprächen. Andere Wettbewerber seien nach Leipzig und Dresden gegangen. Dort ist es ja auch schön.