Für den Stadtteil bieten sich Entwicklungschancen

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Neues Center in Moabit : Ehemalige Schultheiss-Brauerei wird Shopping-Quartier
Im Sommer 2018 soll das Schultheiss-Quartier in Moabit eröffnet werden.
Im Sommer 2018 soll das Schultheiss-Quartier in Moabit eröffnet werden.Grafik: HGHI Holding GmbH

In den Altbauten – etwa im Kesselhaus – könnten auch Künstler und Kreative in kleinen Ateliers unterkommen. Nachdem noch Mängel an der Bausubstanz festgestellt wurden, wird das Gebäude aktuell aufwendig saniert. Dem Projektentwickler liegen bereits Anfragen aus den Kunstgattungen Fotografie und Malerei vor. Angeboten werden Flächen ab 25 Quadratmeter.

Wie die HGHI Holding weiter mitteilt, sind im Gewerbeteil bereits achtzig Prozent der Flächen vermietet. Die Shopping-Möglichkeiten im Schultheiss-Quartier reichen von Modeboutiquen über Schuhgeschäfte bis zum großen Ankermieter Kaufland an der Perleberger Straße. Unter den Anbietern tummeln sich die bekannten Namen in der Branche wie Intersport, Woolworth, Thalia, Deichmann, Mediamarkt oder Alnatura. Für das Segment Entertainment sollen Angebote wie Fitnessstudios und Erlebnisgastronomie sorgen.

Für den Stadtteil bieten sich mit dem neuen Shoppingcenter Entwicklungschancen. Denn nach der Schließung des Hertie-Kaufhauses 2009 – gleich gegenüber dem alten Brauereistandort – gab es kaum noch nennenswerten Einzelhandel in Moabit. Backshops, Telefonläden, Express-Reinigung und Spielsalons prägten zuletzt das Viertel. Das Späti-Image dürfte der Kiez vom kommenden Sommer an nun verlieren.

Dazu trägt schon mal die optische Aufwertung an Turm- und Stromstraße bei. Die Ecke war über Jahrzehnte alles andere als ansehnlich. Mit den schmucken Neubauten und der Fassadengestaltung durch den Schweizer Architekten Max Dudler wird nun die Straßenfront in ihrer Gesamtlänge an die charakteristischen Altbaufassaden der Brauerei angepasst. Von diesem aus Backsteinen geformten Ambiente erhoffen sich die Investoren eine Ausstrahlung, die über den Bezirk Mitte hinausreicht. Das Hotel, direkt an der Turmstraße gelegen, setzt Akzente, die man dort bisher nicht kannte.

Der Verkehr könnte für Probleme sorgen

Die Verkehrsströme hin zum neuen Einkaufsquartier könnten aber noch für Probleme sorgen. Die HGHI Holding bietet 400 Parkplätze in einer doppelstöckigen Tiefgarage an. Der Bezirk Mitte will aber auch den öffentlichen Nahverkehr für die Kunden des Einkaufspalastes stärken. Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel verweist auf die geplante Verlängerung der Straßenbahn vom Hauptbahnhof bis zum U-Bahnhof Turmstraße. An der Lübecker Straße ist ein Halt mit direktem Weg in das Schultheiss-Quartier geplant. „Somit wird auch die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs erhöht“, sagt Stephan von Dassel.

Die Gesamtanlage steht unter Denkmalschutz. Die solide Architektur von Friedrich Koch gilt als typisch deutsch.
Die Gesamtanlage steht unter Denkmalschutz. Die solide Architektur von Friedrich Koch gilt als typisch deutsch.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Das Straßen- und Grünflächenamt nimmt darüber hinaus derzeit die Parksituation unter die Lupe. „Damit soll die Einführung der Parkraumbewirtschaftung in diesem Bereich geprüft werden“, kündigt der Bezirksbürgermeister an. Es scheint so, also ob für die Turmstraße bald eine neue Ära beginnt. Ein prominenter Nachbar des Quartiers freut sich bestimmt schon auf das Ende der Bauarbeiten, die Botschaft der Republik Tadschikistan. Die Vertretung befindet sich direkt neben der Auffahrt für die Baufahrzeuge in der Perleberger Straße.

Das Schultheiss-Quartier in Moabit ist für die HGHI Holding das derzeit größte Projekt. Daneben modernisiert man das „Tegel-Center“ in der Gorkistraße. Mit Shoppingcentern ist das Unternehmen in Berlin groß geworden. Als weitere Referenzen dienen das Einkaufszentrum „Das Schloss“ in Steglitz und auch die „Gropius-Passagen“ im Süden der Stadt.

Der gut erhaltene Gebäudekomplex der Schultheiss-Brauerei in Moabit „dokumentiert die Entwicklung des Brauereiwesens in Berlin und verweist auf das Wachstum der Großstadt im 19. Jahrhundert, das die Ansiedlung von Brauereien dieser Größe erst ermöglichte“, heißt es in der Denkmaldatenbank des Landes Berlin. Gleiches lässt sich vielleicht auch einmal über die Ansiedlung des neuen Shoppingcenters sagen: Von denen kann Berlin offenbar auch nicht genug bekommen.

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