Potsdam auf dem Weg zu neuer Pracht : Wo Familien ihr Heim finden können

In Brandenburgs Landeshauptstadt sind Bauträger willkommen – und schaffen auf dem Lande Bezahlbares.

Die Stadtsilhouette Potsdams wie sie Anfang der 1940er Jahre von Lotar Müller gesehen wurde.
Die Stadtsilhouette Potsdams wie sie Anfang der 1940er Jahre von Lotar Müller gesehen wurde.Aquarell: Lotar Müller

Wo Städte wachsen, nehmen auch die Verkehrsprobleme zu. Das ist nicht nur in Berlin zu beobachten. 173 078 Menschen lebten Ende Juni 2017 in Potsdam, ein Plus von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, bedingt durch einen positiven Wanderungssaldo und Geburtenüberschuss. Das Wachstum verschärft die Lage auf dem Potsdamer Wohnungsmarkt. Doch nicht nur dort: Das heißeste Thema ist wohl die Verkehrssituation. In der Zeppelinstraße (B 1 aus Richtung Werder in die Stadt) werden seit einigen Jahren die von der EU vorgeschriebenen Stickoxid-Grenzwerte überschritten.

Die Stadtverwaltung hat einen halbjährigen Großversuch durchgesetzt, bei dem die Zahl der Fahrspuren stadteinwärts auf eine Spur nebst speziellen Linksabbiegespuren beschränkt wurde. Man will erreichen, dass viele Pendler auf ihre Kfz verzichten und die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Mehr öffentliche Verkehrsmittel gibt es aber noch nicht. Auch eine geplante Extrafahrbahn entlang der B 1 von Geltow nach Potsdam ist erst noch in der Planung. Und so sieht es auch beim Thema Wohnen aus. Im Ortsteil Golm, dem Wissenschaftsstandort, gibt es derzeit so gut wie kein Angebot. Doch das soll sich ändern (siehe dazu die übernächste Seite). Die Mietpreise für Bestandswohnungen sind hier innerhalb eines Jahres um 5,26 Prozent gestiegen.

Projektentwickler reagieren auf die Signale aus Potsdam

Die Brandenburger Politik eint das Ziel, so schnell wie möglich Wohnungen für alle Einkommensgruppen zur Verfügung zu stellen. Die Städte und Gemeinden bieten unseren mittelständischen Mitgliedsunternehmen Verlässlichkeit und Planungssicherheit, die für ihre Investitionen unerlässlich sind!“ In seiner Eröffnungsrede zum 6. BFW-Neubauforum in Potsdam betonte Thomas Groth, Vorstandsvorsitzender des BFW Landesverbandes Berlin/Brandenburg, am 7. November die Willkommenskultur für den Wohnungsneubau in Brandenburg. Wer will, der darf – nein: muss – diese Worte als deutliche Kritik an der Wohnungsbaupolitik Berlins verstehen.

Zumal der BFW Bundesverband und der Landesverband Berlin/Brandenburg die gemeinsame Veranstaltung erstmals nicht in Berlin, sondern im benachbarten Brandenburg ausgerichtet haben. „Die Grundstückspreisentwicklung in Berlin, aber auch zeitlich nicht mehr kalkulierbare Bebauungsplanverfahren und langwierige Verwaltungsabläufe wirken auf die künftigen Kauf- und Mietpreise ein. Viele seriös kalkulierende Unternehmen, die Grundstücke am Markt erwerben müssen, können hier kaum noch Wohnungsangebote für mittlere Einkommensgruppen schaffen“, sagte Bauunternehmer Groth für den Landesverband der privaten Immobilienwirtschaft, der die Interessen der Vertreter der mittelständischen Immobilienbranche artikuliert. Projektentwickler wie Bonava reagieren auf die Signale aus Potsdam, nicht nur am Standort Golm. Im Berliner Speckgürtel plant Bonava ab 2018 auch den Bau von rund 70 Eigentumswohnungen in der Gemeinde Stahnsdorf bei Potsdam. Auf einem gut 10 000 Quadratmeter großen Areal an der Wilhelm-Külz-Straße 58 soll bis 2020 ein Neubauquartier aus sechs Mehrfamilienhäusern entstehen.

Noch entwickelt sich der Markt preislich moderat

Die Nachfrage verlagert sich zunehmend aus Berlin heraus in die Region – vor allem junge Familien suchen hier ihr Glück. Nach Einschätzung von Hans Jürgen Volkerding aus dem Landesamt für Bau und Verkehr Brandenburg steigen zwar auch im sogenannten Speckgürtel und in den Städten der 2. Reihe die Grundstückspreise und Baukosten. Dennoch sei der Wohnungsbau für die mittleren Einkommensgruppen noch gut darstellbar, sagte er auf dem BFW-Forum.

Dies wird durch die Zahlen des Landesverbandes des Immobilienverbandes Deutschland IVD untermauert:  Noch entwickelt sich der Immobilienmarkt in Potsdam vergleichsweise moderat.

Das Niveau der Eigentumswohnungspreise bleibt mit 1500 Euro pro Quadratmeter (qm) in einfachen, 2700 Euro/qm in mittleren bis guten und 3900 Euro/qm Wohnfläche in guten bis sehr guten Lagen weiter stabil. Leichte Steigerungen waren bei den Mieten und Baulandpreisen für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie den Wohn- und Geschäftshäusern in mittleren bis sehr guten Lagen zu verzeichnen, so der IVD in Brandenburg.

Deutliche Preiszuwächse von 12 bis 15 Prozent waren für freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser abzuleiten, die Preise für Reihen- und Doppelhaushälften blieben hingegen nach Steigerungen von zirka 5,8 bis 12,5 Prozent im Vorjahr stabil. Im Schwerpunkt kosten freistehende Häuser zwischen 230 000 Euro in einfachen und 480 000 Euro in guten bis sehr guten Lagen, Doppel- und Reihenhäuser zwischen 180 000 Euro in einfachen und 350 000 Euro in guten bis sehr guten Lagen.

Brandenburg birgt große Wohnungsbaupotenziale

Grundlegend ist auch in Potsdam eine weiter hohe Nachfrage bei begrenztem Angebot besonders in den besseren Wohnlagen zu beobachten. Als integraler Bestandteil der Hauptstadtregion bergen Teile Brandenburgs große Wohnungsbaupotenziale. Das gilt natürlich nicht nur für Potsdam.

Dass private Immobilienunternehmer auch als Teil der Lösung und nicht als Teil eines Problems oder als Bittsteller angesehen werden können, bezeugen auf Nachfrage gerne der Bernauer Bürgermeisters André Stahl (Linke) und die Bürgermeisterin von Luckenwalde, Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD).