Rigaer Straße: Widerstandsnest oder Erlebnispark für Reiche?

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Smart Homing : Erschwinglich, einladend und energieeffizient
Der Wohnkomplex Li01 besteht aus sechs Wohnhäusern.
Der Wohnkomplex Li01 besteht aus sechs Wohnhäusern.Foto: Zanderroth / Simon Menges

Das Ziel von Smart Homing lautet, „ambitionierte Architektur zu erschwinglichen Preisen“ anzubieten. Als Sascha Zander und sein Büropartner Christian Roth nach dem Architekturstudium auf der Suche nach Aufträgen waren, kamen sie auf die Idee, sich ihre Projekte selbst zu schaffen. Sie sicherten sich die Option auf ein freies Baugrundstück und suchten Interessenten, die darauf als Baugruppe mit ihnen als Architekten bauen wollten. Das von Zanderroth gegründete Projektentwicklungsbüro Smart Homing koordiniert jetzt die Baugruppen. 144 Parteien wie bei „li01“ sind sich eben nicht immer sofort einig. Inzwischen haben Zanderroth Architekten und Smart Homing Baugruppenprojekte in Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg realisiert. Viele davon bekamen Architekturpreise verliehen.

Mit „li01“ gewannen Zanderroth Architekten und Smart Homing jetzt bei den „Mipim Awards“, die in diesem Jahr zum 27. Mal verliehen wurden, den Preis für das beste Wohnprojekt. Im Rennen um den internationalen Immobilienpreis waren die Berliner zusammen mit Häusern in Prag, Sao Paulo und Asnières-sur-Seine in Frankreich nominiert. Im Projekttext heißt es unter anderem, dass sich das Hausprojekt ideal in seine Umgebung einfüge.

Linksautonomen sind solche Projekte ein Dorn im Auge

Das sehen nicht alle so. Im Kiez werden Neubauten wie „li01“ mit gemischten Gefühlen wahrgenommen. Die Rigaer Straße und zahlreiche alternative Hausprojekte sind nur einen Steinwurf entfernt – und das ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen.

„Rigaer Straße: Widerstandsnest oder Erlebnispark für Reiche?“ titelte eine linksautonome Website, als die Bagger anrollten, und bedrohte die neuen Kiez-Bewohner. Das an die Liebigstraße 1 angrenzende und in der Fertigstellung begriffene Baugruppenprojekt Rigaer Straße, das ebenfalls von Smart Homing realisiert wird, wurde immer wieder attackiert. Mehrere Scheiben sind zersprungen und die weiße Fassade durch Farbbeutel verunziert.

„In der Rigaer Straße ist alleine bei unserem Projekt ein Schaden von einer halben Million Euro durch Vandalismus entstanden“, sagt Sascha Zander. Er würde dieses Geld gerne sinnvoller einsetzen. „Unser Büro arbeitet seit Jahren an Lösungen zur Querfinanzierung sozialer Infrastruktur. Leider sind solche Projekte in Berlin sehr schwer zu etablieren.“

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