Urlaub in Brandenburg : "Make Fürstenberg great again"

Thomas und Kerstin Bill bauen in Fürstenberg/Havel mit EU-Mitteln ein Ferienparadies auf. Die Oberhavel lockt Wassersportler, Radfahrer und Wanderer.

Thomas und Kerstin Bill sind Gastgeber am Schwedtsee in Fürstenberg an der Havel.
Thomas und Kerstin Bill sind Gastgeber am Schwedtsee in Fürstenberg an der Havel.Foto: promo

„Make Fürstenberg great again“. Während sich das amerikanische Original mit der markanten Fönfrisur gleich an mehreren Staaten versucht, geht es Thomas Bill im nördlichen Brandenburg erstmal eine Nummer kleiner an. Die Stadt Fürstenberg habe großes Potential, sei ein Paradies für Wassersportler, Wanderer und Radfahrer. „Schließlich waren wir nicht umsonst mal Luftkurort“, betont der Unternehmer. Das war Anfang des 20. Jahrhunderts. Heute wirkt der Ort im Landkreis Oberhavel eher etwas verschlafen, liegt etwas im Schatten des bekannteren Nachbarn Rheinsberg,

Wäre die DDR nicht gewesen, sähe es bei uns vielleicht auch schon aus wie am Chiemsee“, lacht Thomas Bill. Eines seiner selbstgebauten Aluminiumboote hat der Wahlbrandenburger nämlich vor einigen Tagen nach Bayern verkauft.

Auferstanden mit EU-Mitteln

Der Heimathafen des gebürtigen Schwaben ist heute der brandenburgische Schwedtsee. Im Frühjahr 2012 hat Thomas Bill hier mit seiner Frau Kerstin ein Wassergrundstück mit Haus gekauft. Drei Jahre später konnten sie mit der Vermietung ihrer drei Ferienwohnungen und mit dem Bootsverleih starten. Das war im Mai 2015. Das Anwesen gehörte zuvor einem Rechtsanwalt aus Berlin. Der hatte geerbt. „Ich glaube, er wusste gar nicht, was er da für ein Schmuckstück hergibt“, sagt der heute 50-Jährige.

Natürlich musste am Haus erstmal viel gemacht werden, schließlich habe es die Zeit seit der Wende im Tiefschlaf verbracht. Das Haus sollte sich selbst finanzieren – und mit Ferienvermietung sei hier in Brandenburg einfach mehr Geld zu verdienen, als bei den niedrigen Quadratmeterpreisen mit Wohnungsvermietungen. Das ältere Ehepaar in der Erdgeschosswohnung haben sie samt Mietvertrag auch übernommen. Die Mieter zahlen unter 400 Euro warm für 70 Quadratmeter.

Die Bills wohnen im Dachgeschoss. Sie sind pfiffig. Um den Ausbau zu finanzieren, hat das Ehepaar EU-Fördermittel beantragt. Rund 45 Prozent der Gesamtkosten haben sie aus dem LEADER-Programm der Europäischen Union bekommen. LEADER steht seit 1991 für „Liaison Entre Actions de Développement de l'Économie Rurale“ und ist Teil des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). „Damit muss man sich gut auskennen“, schmunzelt Thomas Bill. „Lampen werden zum Beispiel nur gefördert, wenn sie an der Wand angebracht sind. Hätte ich das vorher gewusst, gäbe es jetzt in unseren Wohnungen keine Stehlämpchen auf den Nachttischen.“

Von Prenzelauerberg bis Amerika

Aber auch mit der freistehenden Variante gehen die drei Ferienwohnungen für zwei bis vier Personen mit den klangvollen Namen „Sommerwind“, „Abendsonne“ und „Zitronenfalter“ gut – wenn auch nur in der Sommersaison. Die Bills kalkulieren mit 100 Vermietungstagen im Jahr, aktuell sei die Nachfrage aber viel größer. Ihre Ferienwohnungen sind zu 130 Prozent ausgelastet. Eine Nacht im Havel-Quartier ist in der Hauptsaison von Juni bis September für zwei Personen ab 69 Euro zu haben – inklusive der Boots- und Gartennutzung. Die meisten Gäste werden über die gängigen Online-Portale und über die eigene Homepage (havel-quartier.de) auf das Kleinod im Norden Berlins aufmerksam.

Nah am Wasser gebaut. Die Brandenburger Seenlandschaft lockt im Sommer auch internationale Wasserfreunde an.
Nah am Wasser gebaut. Die Brandenburger Seenlandschaft lockt im Sommer auch internationale Wasserfreunde an.Foto: promo

Viele kommen aus der Hauptstadt, nicht wenige aus der Schweiz und auch einige US-Amerikaner hätten schon den Weg nach Fürstenberg gefunden. Warum sie ausgerechnet nach Brandenburg kommen, weiß Thomas Bill aber auch nicht. Eigentlich sei ihr Klientel die „typische Prenzelbergfamilie, die mal raus muss aus ihrem Kiezleben“, scherzt er. „Bio wollen sie natürlich trotzdem, aber davon haben wir ja jede Menge.“

Das Vermietungsbusiness macht ihm jedenfalls Freude und negative Erfahrungen habe er in den letzten Jahren nur eine einzige gemacht. Ein Gast reiste ab, ohne seine Rechnung zu begleichen. Ansonsten sind vielleicht ein paar Gläser zu Bruch gegangen, mehr aber auch nicht. Auch das sei wohl dem Klientel geschuldet, vermutet Bill, schließlich seien seine Gäste keine Billigurlauber, sondern eher solche, die den Wannsee vor lauten Booten nicht mehr sehen können.

Eine Frage der Anbindung

Natürlich muss man es einfach mögen, Fremde im eigenen Garten zu treffen. Er und seine Frau seien neuen Leuten gegenüber aber immer sehr offen. „Es kommen fast ausschließlich nette Menschen zu uns“, so Bill. „Die einen reden etwas mehr, die anderen weniger. Aber ich selbst rede ja schon immer viel, wenn man mich lässt.“ Und er dafür Zeit hat. Schließlich haben beide ja auch noch ihre anderen Jobs. Kerstin Bill ist Sonderpädagogin und unterrichtet an der Grundschule in Fürstenberg. Thomas Bill baut Boote, dieses Geschäft sei im letzten Jahr richtig groß geworden.

Und dann trifft man ihn dreimal im Jahr am Berliner Alexanderplatz. Dort betreibt der Allrounder nämlich noch einen Stand mit ungarischem Baumkuchen – auf dem Weihnachtsmarkt, am Tag der Deutschen Einheit und zum Ostermarkt. Zu diesen Zeiten pendelt er mit der Regionalbahn 5 nach Berlin. „Fürstenberg ist optimal angebunden. In einer Stunde ist man mit der Bahn in Berlin. Wir haben mehrere Supermärkte und sogar einen eigenen Baumarkt.“

Arbeitskräfte sind in Fürstenberg rar. In Berlin sei es kein Problem für seine Stände Personal zu finden, so Bill, „Leute, die auch mal 60 Stunden durchprügeln“. Doch solche Aussichten schrecken die wenigen Bewerber ab. Weil es in der Hauptstadt genügend Jobs gibt, kommen auch keine Pendler aus Berlin hierher. Bills Fürstenberg-Mission muss dieses Jahr einen weiteren kleinen Dämpfer hinnehmen: Die ausgerechnet vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg veranstalteten Ausflugstage „48 Stunden Oberhavel 2019“ wurden abgesagt: Die Bahn baut an diesen zwei Tagen im August ihren Bahnhof um.