1500 Euro reine Baukosten pro Quadratmeter sind das Minimum

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Wohnungsnot : Schritt für Schritt zu mehr Wohnungen
Eins der aktuellen Motive der Kampagne für mehr Energieeffizienz.
Eins der aktuellen Motive der Kampagne für mehr Energieeffizienz.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Baukosten

„Angesichts des immensen Wohnraumbedarfs ist es in keiner Weise zielführend, wenn politische Akteure den Eindruck erwecken, man könne generell zu Kosten von 1500 Euro pro Quadratmeter Wohnraum in der benötigten Größenordnung schaffen“, sagte BFW-Präsident Andreas Ibel auf der Veranstaltung mit Blick auf Äußerungen von Bundesbauministerin Barbara Hendricks. Möglich sei dies lediglich „im untersten Standard“ und in besonderen Situationen, sagte Ibel. Bei den 1500 Euro pro Quadratmeter könne es lediglich um die reinen Baukosten gehen: „Beim zusätzlichen Bau eines Kellers, einer Tiefgarage und Einbau eines Fahrstuhls ergeben sich Kosten von 2422 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche“,

Vor diesem Hintergrund forderten die Verbände auf dem Wohnungsbau-Tag, dass kostensteigernde Auswirkungen von Gesetzgebung und Normung kritisch geprüft werden sollten.

Energieffizienz

„Gerade bei der Energieeffizienz ist das wirtschaftlich vertretbare Niveau lange erreicht. Statt weiterer Verschärfungen sollten die Energieeinsparverordnung EnEV und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz EEWärmeG stärker auf die Einsparung von CO2 und Endenergie sowie strikt am Wirtschaftlichkeitsgebot ausgerichtet werden“, sagte Andreas Ibel

Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) stützte diese Forderung mit einer Forsa-Umfrage. „Energieeffizienz bei Wohn- und Wirtschaftsimmobilien ist wichtig, doch darf sie nicht zulasten der Bezahlbarkeit gehen. 79 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, bei der Wohnungssuche auf eine hohe Energieeffizienz der Immobilie zu achten, 98 Prozent schauen jedoch zeitgleich auf die Bezahlbarkeit. 82 Prozent erklären, dass beim Klimaschutz auf die Verhältnismäßigkeit zwischen Wirtschaftlichkeit und Kostenaufwand geschaut werden muss. 67 Prozent meinen, dass der Klimaschutz Deutschland als Wirtschaftsstandort nicht gefährden darf.“ Für die Umfrage wurden Ende Mai 1205 Männer und Frauen zwischen 18 und 60 Jahren befragt.

Mit ihren Forderungen rennen die Verbände bei Bauministerin Hendricks offene Türen ein. „Wenn Wände immer dicker werden, hilft das nicht wirklich weiter“, sagte sie beim Wohnungsbau-Tag. Gebraucht würden innovative Ansätze, zu denen es gehöre, erneuerbare Energien auch in die Wärmeerzeugung einzubeziehen. Um das zu erreichen, sollen Energieeinsparverordnung und das Erneuerbare-Wärme-Gesetz zusammengelegt werden. Dazu werde zurzeit ein Vorschlag gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium erarbeitet.

Unter zustimmendem Kopfnicken der Zuhörer sagte Hendricks zum Thema Baukostensenkung: „Die Bundesländer sollten möglichst die Musterbauordnung übernehmen. Es gibt wirklich keinen Grund, dass wir 16 verschiedene Bauordnungen haben.“ Die Idee zu einer einheitlichen Bauordnung gehört zu den 70 Vorschlägen, die die Baukostensenkungskommission Ende 2015 gemacht hatte.

Stadtplanung und Stadterweiterung

Mit Blick auf die Größenordnungen des benötigten Wohnungsneubaus und die Prognosen, die sich durch die Flüchtlingsbewegungen in Richtung Deutschland ergeben, bzw. bereits ergeben haben, forderte Michael Voigtländer, Leiter Kompetenzfeld Finanz- und Immobilienmärkte des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in Berlin, das Thema „größer zu denken: Es sind neue Stadtviertel zu gründen.“ Mit der Bebauung von Lücken und Stadtverdichtung allein komme man nicht voran: „Warum nicht zum Beispiel an der S-Bahn-Strecke zwischen München-Hauptbahnhof und dem Flughafen neue Stadtviertel bauen?“

Auch dies könne ein Weg sein, die Baupreise zu senken: „Den Markt mit Bauland fluten“, regte Voigtländer an. Viele Stadtplaner seien indes auf Innenstadtflächen „getrimmt“. Für viele Kommunen seien auch die Folgekosten des Wohnungsbaus mit Blick auf die städtische Infrastruktur – Straßen, Schulen, Kitas – ein Thema, das Wohnungsneubau behindere.

Beim Wohnungsbau-Tag wies Hendricks darauf hin, dass für die Stadtentwicklung in den kommenden vier Jahren 300 Millionen Euro zusätzliche Mittel zur Verfügung stehen. In die Stadtentwicklung zu investieren sei das beste Mittel, um Ghettobildung zu vermeiden.

Förderprogramme

Noch nicht ausgeschöpft ist das Vario-Programm zum Bau kleiner Studentenwohnungen mit einer Größe von 22 bis 24 Quadratmetern, informierte Hendricks. 500 Euro Zuschuss pro Quadratmeter können Bauherren aus diesem Programm bekommen. Trotz Förderung darf die Miete mehr als zehn Euro pro Quadratmeter betragen. Noch bis 30. Juni können Anträge gestellt werden.

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