Wolkenkratzer in Berlin : Pläne für neue Türme am Alex nehmen Gestalt an

Drei auf einen Streich: Investor sieht zwei neue Wohntürme mit dem Park Inn auf einer Höhe. Doch dabei soll es nicht bleiben.

Nicht zu übersehen. Das Park Inn soll auf dem Alexanderplatz auch künftig das Maß aller neuen Hochhausdinge sein.
Nicht zu übersehen. Das Park Inn soll auf dem Alexanderplatz auch künftig das Maß aller neuen Hochhausdinge sein.Grafik: Sauerbruch Hutton

Wohnen zur Miete im Hochhaus direkt am Alexanderplatz gleich am Park Inn Hotel – so könnte schon bald die Zukunft an diesem zentralen Platz in der Berliner Mitte aussehen. Der Investor Immeo SE will in einem Turmneubau an der Ecke Alexanderstraße/Alexanderplatz unter anderem auch 200 bis 300 Wohnungen unterbringen. Das Unternehmen plant ein zweites Hochhaus an der Ecke Karl-Liebknecht-Straße/Alexanderplatz.

Derzeit wird der Bebauungsplan für den Bereich um das Park Inn Hotel überarbeitet. Zielsetzung ist, so die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, „Grundsätze einer am Bestand orientierten baulichen Entwicklung umzusetzen“. Damit soll sicher gestellt werden, dass der 130 Meter hohe Hotelturm aus dem Jahre 1970 – das seither am Alexanderplatz dominierende Gebäude – auch an dem geplanten künftigen Hochhausstandort eine unübersehbare Rolle spielt. Auf der Internetseite des Park Inn wird die Höhe sogar mit 150 Metern angegeben. Dabei sind allerdings Dachterrasse und Antennen berücksichtigt.

Das Hotel selbst und die umgebenden Flächen gehören dem französischen Unternehmen Foncière des Régions (FdR), das mit seinem deutschen Tochterunternehmen Immeo jetzt auf einen raschen Baubeginn zusteuert. Anfang Dezember 2017 waren erste Planungsideen im Berliner Baukollegium, einem Expertengremium unter Leitung von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, vorgestellt worden. Jetzt soll es schnell weitergehen. „Beim Bereich Alexanderstraße/Alexanderplatz arbeiten wir aktuell an der Vorbereitung eines Architektenwettbewerbes, der bis Mitte des Jahres abgeschlossen werden soll“, sagte Marcus Bartenstein, Vorstandsmitglied von Immeo, dem Tagesspiegel.

Die Türme sollen nicht über die 130-Meter-Marke hinausragen

Nach fast 25 Jahren der Ruhe um die schon seit 1993 vorliegenden Hochhauspläne für den Alex kommt jetzt Bewegung in die Planungen. Bei Immeo hat man bereits weitere Termine im Auge, was den Turm an der Alexanderstraße betrifft. „Mit einem Baubeginn rechnen wir frühestens Mitte 2019“, sagt Marcus Bartenstein. Mit dem Angebot von 200 bis 300 Wohnungen folgt der Investor den Vorstellungen der Berliner Senatsverwaltung, die sich am Standort „eine stärkere urbane Mischung von Arbeiten, Wohnen und kerngebietstypischen Nutzungen“ wünscht. Mit der Änderung der bisherigen Planung sollten „mehr Baupotenziale für die Errichtung von Wohnungen geschaffen werden“.

Haus der Statistik - Ruine am Alex
Am Alexanderplatz vergammelt ein riesiger Gebäudekomplex - das ehemalige Haus der Statistik. Das Land Berlin hat den Plattenbau vom Bund gekauft und will ihn für 125 Millionen Euro sanieren. - Foto: Chris Alban Hansen (CC: BY-SA 2.0)Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Fotos von verlorenen Orten in Berlin und dem Umland an leserbilder@tagesspiegel.de!Weitere Bilder anzeigen
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Wichtig ist aber offenbar auch, dass die Höhenvorgabe durch das 37-geschossige Park Inn Hotel nicht überschritten wird. So soll jetzt auch das östlich gelegene Immeo-Hochhaus nicht über die 130-Meter-Marke hinausragen. Für dieses Gebäude war schon mal eine Höhe von 150 Metern im Gespräch. Der nordwestlich vom Hotel vorgesehene Turm hatte sich bereits im Frühstadium der Planung mit 130 Metern als Zwillingsgebäude präsentiert. Damit würden alle drei Türme nach jetzigem Stand auf gleichem Höhenniveau abschließen. Kritiker bemängeln, dass dies zur Monotonie führen könnte.

Das Hochhaus an der Karl-Liebknecht- Straße muss jetzt in der Planung räumlich noch etwas umgesetzt werden, wie Immeo-Vorstand Bartenstein mitteilt. Dies gelte ebenso für die neue Sockelbebauung, die eine Verbindung zum bestehenden Hotel schaffen soll. Erste Planungsideen für das Areal hatte das Architektenbüro Sauerbruch/Hutton entwickelt, das mit dem Alea 101 gegenüber des Cubix-Kinos schon einen Neubau für Gastronomie, Büros und Wohnen am Alexanderplatz neben der Stadtbahntrasse realisieren konnte.

Weitere Wolkenkratzer sind in Vorbereitung

Die vorhandenen Flachbauten im östlichen Bereich des Hotels sollen nun auch bald verschwinden. Dort ist zurzeit ein Laden mit Billigkleidung untergebracht. Das im Freien stehende Inventar eines Biergartens erinnert noch daran, dass dort zu DDR-Zeiten die „Milchbar“ ein beliebter Treffpunkt war. Auch an dieser Stelle erhält der Platz ein neues Gesicht. Eine Fußgängerverbindung soll einen Sichtkontakt zwischen Alexanderstraße und dem Alex herstellen. Mit der lange aufgeschobenen Umgestaltung des Alexanderplatzes könnte es jetzt tatsächlich bald losgehen. Allein die von FdR geplanten zwei Hochhäuser am Park Inn verändern die Silhouette des Platzes erheblich. Doch dabei soll es nicht bleiben. Weitere Wolkenkratzer sind in Vorbereitung.

Hinter dem Saturn-Kaufhaus plant das amerikanische Unternehmen Hines einen 150 Meter hohen Wohnturm nach Entwürfen der Architekten Gehry und Partner. Und schräg gegenüber des Kaufhauses Alexa wollen russische Investoren ebenfalls hoch hinaus. Nach Plänen des Architektenbüros Ortner und Ortner Baukunst wird dort ebenfalls Wohnen bis auf 150 Meter Höhe anvisiert.

Mit diesen beiden Projekten wird das bisher vorgegebene Höhenmaß für die Skyline am Alex voll ausgereizt. Nach dem zuletzt gültigen Masterplan waren insgesamt neun bis zu 150 Meter hohe Gebäude für das Areal in der östlichen Stadtmitte vorgesehen. Die inzwischen fortgeschrittenen Planungen für das Umfeld am Park Inn geben nun einen Hinweis darauf, dass eine bestandsorientierte bauliche Entwicklung – wie von der Senatsverwaltung favorisiert – etwas niedriger als ursprünglich geplant ausfallen könnte.

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