Initiative gegen Papierverschwendung : „Keine-Werbung“-Sticker für jeden Haushalt in Deutschland

Eine Initiative aus Berlin will wegen der Verschwendung von Papier gegen Werbeprospekte vorgehen. Postboten wollen angeblich mithelfen

Briefkästen werden mit Werbung gerne vollgestopft.
Briefkästen werden mit Werbung gerne vollgestopft.Foto: promo

In der Vorweihnachtszeit werden die Briefkästen besonders gerne mit Prospekten vollgestopft. Viele Postboten sind davon schon jetzt genervt und würden sich dem gern widersetzen. Das sagt zumindest Sebastian Sielmann, Initiator von „Letzte Werbung“, einer Non-Profit-Organisation, die gegen diese Verschwendung von Papier vorgeht.

Die Menschen in Deutschland würden jedes Jahr 40.000 Tonnen Coffee-to-Go-Becher wegwerfen. Die fünfundzwanzigfache Menge davon lande zeitgleich in Form von Reklame in ihren Briefkästen. Das wollen Sielmann und sein Team ändern. Am 28. November erhalten die ersten 36.904 Haushalte in Hamburg und Olpe einen kostenlosen „Keine Werbung“-Aufkleber. Weitere Städte sollen folgen. Insgesamt sollen 33,7 Millionen Aufkleber verschickt werden. Finanziert wird das Projekt durch eine letzte Werbung, die dem Aufkleber beiliegt.

Den Versand Ende November zu starten, war eine bewusste Entscheidung, die in Zusammenarbeit mit Postboten getroffen worden sei. „Noch nie war es so einfach, aktiv etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Sticker an den Briefkasten geklebt und schon hat man seinen Papierverbrauch um sieben Prozent reduziert“, meint Sielmann.

Wälder würden abgeholzt, Tiere sterben

Seine Organisation sitzt in Berlin. Mehr als 20 freiwillige Helfer arbeiten bundesweit daran, den Papierverbrauch da zu reduzieren, wo es niemandem weh tue: bei unerbetener Werbepost. Die Initiative hat errechnet: 33 Kilo nicht-adressierte Werbepost bekommt jeder Haushalt im Jahr. Das mache 1,1 Millionen Tonnen Papier pro Briefkasten.

Für deren Herstellung werden laut der Organisation 14 Milliarden Liter Wasser verbraucht und eine Million Tonnen CO2 ausgestoßen. Wälder würden abgeholzt, zum Beispiel in Rumänien, Indonesien und Kanada, oder Forstplantagen bewirtschaftet. Die Tiere könnten in den Monokulturen nicht überleben, würden aussterben. Und als wäre das nicht schon genug, seien die Prospekte oft in Plastik eingeschweißt. Vieles davon lande unbemerkt im Altpapier.

Unterstützt wird die Aufkleber-Aktion unter anderem von Ecosia, einer Suchmaschine, die behauptet, mit ihrem Gewinn den Regenwald zu retten. „Wir konnten weltweit schon über 40 Millionen Bäume pflanzen. Aber wir müssen nicht nur neue Bäume fördern, sondern auch bereits bestehende Wälder schützen“, sagt der Chef Christian Kroll. Nach und nach sollen in immer mehr Städten die Aufkleber verteilt werden. Für den Fall, dass man trotzdem weiter Werbung erhält, bietet die Initiative eine kostenlose Beschwerde-App auf ihrer Website an, über die der Nutzer den Verstoß an das werbetreibende Unternehmen weiterleiten kann.

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