Wirtschaft : Investmentfirma will offenbar Chrysler

Blackstone und Daimler-Chrysler lehnen Kommentar ab / Betriebsrat kritisiert China-Engagement

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Auburn Hills/Düsseldorf - Die US-Investmentgesellschaft Blackstone hat einem Zeitungsbericht zufolge ernsthaftes Interesse am Kauf des angeschlagenen amerikanischen Autobauers Chrysler. Eine detaillierte Analyse der finanziellen und geschäftlichen Situation sei im Gange, schrieb die Zeitung „Detroit News“ am Wochenende. Zunächst kommentierten weder Blackstone noch Chrysler den Bericht. Über die Zukunft von Chrysler wird seit Wochen spekuliert. Angesichts der hohen Verluste des US-Autobauers hatte Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche Mitte Februar erklärt, keine Option sei ausgeschlossen.

Am Wochenende wurde zudem bekannt, dass sich auch Ford von Teilen seiner Autoproduktion trennen will. Der US-Autobauer führe exklusive Gespräche mit der Motorsportfirma Prodrive über einen Verkauf seiner Luxusmarke Aston Martin, berichtete „The Times“. Prodrive habe zwar einige Schwierigkeiten, das entsprechende Geld aufzubringen. Ford habe sich aber trotzdem für die Firma entschieden, da sie im Vergleich zu anderen Interessenten einen höheren Preis geboten habe, so die „Times“ weiter. Mit der Angelegenheit vertraute Personen hatten Reuters im Februar gesagt, Ford könne für Aston Martin rund 450 Millionen Pfund bekommen. Der Autokonzern hatte im vergangenen Jahr angekündigt, die Marke komplett oder zumindest teilweise verkaufen zu wollen. Zu den bekanntesten Aston-Martin-Fahrern gehörte unter anderem der Leinwand-Agent James Bond.

Unterdessen kritisierte der Daimler-Chrysler-Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm die Strategie des Konzerns bei der Sanierung der US-Sparte scharf. Die in der vergangenen Woche abgesegnete Kooperation zwischen Chrysler und dem chinesischen Autobauer Chery sei wirtschaftlich nicht sinnvoll, sagte er. Über die Allianz sei es vergangene Woche zu einer Kampfabstimmung im Aufsichtsrat gekommen. Die Entscheidung sei nur zustande gekommen, „weil der Aufsichtsratsvorsitzende von seinem Zweitstimmrecht Gebrauch machte“.

Daimler-Chrysler plant eine Kooperation von Chrysler mit dem chinesischen Hersteller Chery zur gemeinsamen Produktion von Kleinwagen. Früheren Aussagen von Chrysler-Chef Tom La Sorda zufolge könnte das neue Auto bereits 2009 auf den Markt kommen.

„Wir halten die Entscheidung für eine Kooperation im Kleinwagensegment mit Chery für einen schweren Fehler. Wir sollten nicht noch den Türöffner für die Chinesen machen, deren Druck in der Branche in den nächsten Jahren sowieso immer stärker werden wird“, sagte Klemm dem Handelsblatt. „So aber verschafft Chrysler den Chinesen den Marktzugang in Europa und den USA. Ich halte außerdem das gesamte Geschäftsmodell für falsch. Daimler-Chrysler muss auch künftig selbst Autos entwickeln, bauen und verkaufen. Wenn Chrysler ein fremdes Fahrzeug von Chery einkauft und darauf nur noch das eigene Label klebt, reduziert sich das Unternehmen letztlich zu einer Vertriebsorganisation mit angeschlossenem Marketing. Das können wir aber gegenüber den US-Beschäftigten nicht verantworten. Es kann nicht sein, dass wir in den USA massiv Stellen abbauen, aber in China de facto neue Stellen bei Konkurrenten schaffen“, sagte Klemm weiter.

Bereits jetzt habe die Ankündigung, alle Optionen für Chrysler zu prüfen, bei den Betroffenen in den USA und Kanada erhebliche Unruhe ausgelöst, so Klemm. Die Situation werde von vielen der dortigen Arbeitnehmer mit großer Sorge betrachtet. „Wie lange dies ein Unternehmen aushalten kann, darüber mag ich nicht spekulieren“, sagte Klemm. Zugleich räumte Klemm aber auch ein, dass Kooperationen in der Autoindustrie eine immer größere Rolle spielten. „Nehmen Sie zum Beispiel die Hybrid-Technologie, deren Entwicklung Milliarden kostet. Für einen solchen Technologiesprung kommen Sie ohne Partner kaum aus – unabhängig von der jeweiligen Form der Zusammenarbeit“, sagte der Gesamtbetriebsratschef dem Handelsblatt.

Beobachter werten die Äußerungen von Klemm als ernst zu nehmendes Warnsignal. Ein möglicher Verkauf von Chrysler an einen chinesischen Autohersteller werde angesichts der harten Haltung der einflussreichen Arbeitnehmer damit unwahrscheinlicher, hieß es. mwb/hz (HB)

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