IT-Messe : Cebit kämpft gegen den Schrumpfkurs

Im Zeichen der Neuerungen der Informations- Technologie startet ab Donnerstag die Cebit in Hannover - doch die Innovationen halten sich diesmal in engen Grenzen. Die Messe kämpft um Aussteller und gegen ihre abnehmende Bedeutung.

Hannover - Zu den Highlights gehören digitales Fernsehen über das Hochgeschwindigkeits-Datennetz VDSL, Internettelefonie, Festplatten mit leistungsfähigen Speicherchips ohne mechanische Teile oder Notebooks mit einem kleinen Zweitbildschirm, der auch bei abgeschaltetem Gerät beispielsweise E-Mails und andere kleinere Informationen anzeigen kann. Der von der Branche erhoffte Schub durch das neue Microsoft-Betriebssystem Windows Vista und die Bürosoftware Office 2007 wird wohl weit schwächer ausfallen, denn der Umstieg von Windows XP erfolgt viel zögerlicher als von den Anbietern zunächst erhofft.

Spannender dürften die Auftritte der Internet- und Telefongesellschaften werden. Die Deutsche Telekom wird neue Tarifmodelle vorstellen, mit denen Konzernchef René Obermann das Ruder herumreißen und wettbewerbsfähiger werden will. Die Antwort der Wettbewerber wird nicht lange auf sich warten lassen, denn alle großen Mobilfunk- und Internetprovider sind vor Ort. Erwartet werden ein neuer Preisdruck auf die Sprachtarife in Richtung Zehn-Cent-Marke für die Prepaid-Gesprächsminute sowie ein deutlicher Preisrutsch der noch hohen Preise für das Internetsurfen in den Mobilfunknetzen. In den Messehallen wird sich auch der Telematik-Boom bei Navigationsgeräten niederschlagen.

Konkurrenzmessen ziehen Aussteller ab

Die Branche rechnet in diesem und im nächsten Jahr zwar mit jeweils 2,9 Prozent Wachstum. Der Wandel des Informationstechnologie-Marktes fügt der Leitmesse Cebit indes schmerzliche Schrammen zu. Gut 20 Jahre nach ihrem Start 1986 steckt die noch immer unangefochten größte Messe der Welt in der Krise und wird vor allem von der Leitmesse der Unterhaltungsindustrie, der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin, der Mobilfunkmesse 3GSM in Barcelona sowie der Games Convention in Leipzig bedrängt. Immer mehr Elektronikhersteller wie etwa die Handyfirmen positionieren ihre Produkte zunehmend im lukrativeren Unterhaltungsbereich, streichen ihre Segel in Hannover und buchen statt dessen beispielsweise bei der Berliner IFA-Messe, die nach weniger glücklichen Jahren inzwischen aus allen Nähten platzt.

Die Hannoveraner Cebit hingegen ist auf der Suche nach sich selbst. 8100 Aussteller und 800.000 Besucher im Jahr 2001 sind längst Geschichte. Schon 2006 soll sie kein Geldbringer mehr für die Deutsche Messe AG gewesen sein. In diesem Jahr soll die Ausstellungsfläche um 15 Prozent sinken, etwa 150.000 Quadratmeter Messehallen dürften leer bleiben. Die Veranstalter rechnen in den bevorstehenden Messetagen bei immerhin 6000 Ausstellern aus 77 Ländern mit nur noch 450.000 Gästen. Das sind etwa halb so viele wie in besseren Tagen und nur wenig mehr als im Eröffnungsjahr 1986. Zum Vergleich: Bei der aus dem Boden gestampften Computerspielmesse Games Convention in Leipzig kamen im Vorjahr aus dem Stand 180.000 Besucher.

Bitkom drängt auf Neufokussierung

Für die Deutsche Messe AG Messe ist der ehemalige Goldesel Cebit zu einem Sorgenkind geworden. Der IT-Branchenverband Bitkom drängt deshalb auf Reformen, eine Fokussierung auf Fachbesucher und eine stärkere Abgrenzung von der IFA. Deshalb soll nun die Notbremse gezogen, die Cebit 2008 auf sechs Tage verkürzt und zu einer reinen Profimesse umgestaltet werden. Dieses Ziel gab es in den vergangenen Jahren schon einmal, aber die Konsumenten ließen sich beim Bummel durch die Messehallen nicht bremsen.

Partnerland der weltgrößten IT-Messe ist in diesem Jahr Russland. Große IT-Konzerne setzen nicht mehr so stark auf Indien als vielmehr zunehmend auf die Fachkräfte hinter dem einstigen Eisernen Vorhang. Zudem sind in Deutschland nach Bitkom-Angaben rund 10.000 Jobs durch den Export von IT-Produkten nach Russland enstanden. Der russische IT-Markt weist Wachstumsraten von jährlich um 20 Prozent auf. (Von Johannes Frewel, dpa)

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