ITB : Optimismus trotz Klimadebatte

Ungeachtet der Debatte über den Klimawandel ist die weltgrößte Reisemesse ITB voller Zuversicht gestartet, denn die Deutschen sind im Reisefieber. Fragen zur Senkung des CO2-Ausstosses werden von der Branche aber verstärkt diskutiert.

Berlin - Die Deutschen lassen sich trotz der drohenden Klimaveränderungen ihre Urlaubspläne nicht vermiesen. Marktforscher und Branchenexperten gehen sogar von steigender Reiselust in diesem Jahr aus. Das ist die Kernbotschaft einer Reiseanalyse und die Erwartung der Branche zum Auftakt der weltgrößten Reisemesse ITB. "Tourismus ist und bleibt eine Wachstumsbranche", sagte der Präsident des Deutschen ReiseVerbandes (DRV), Klaus Laepple.

Mehr als zwei von drei Bundesbürgern haben für dieses Jahr schon feste Urlaubspläne. Der Anteil steigt nach einer Umfrage damit von 67 auf 70 Prozent und erreicht einen Höchststand seit dem Boomjahr 2001. Dies geht aus der Analyse 2007 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) hervor. "Für die nahe Zukunft sieht es nicht schlecht aus für die Tourismusbranche", bilanzieren die Forscher.

Glos: Klimaschutz und Tourismus vereinbar

Nach Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sind Klimaschutz und Tourismus kein Widerspruch. Er sprach sich gegen eine Begrenzung der Klimadiskussion auf den Tourismus aus. "Da gibt es so viele andere Möglichkeiten", sagte der Minister bei seinem Eröffnungsrundgang. Eine Debatte, die den hart arbeitenden Deutschen die Lust am Reisen verderbe, sei vermutlich nicht zielführend. Zuvor hatte Glos betont, der Luftverkehr habe in Deutschland zuletzt einen Anteil am Kohlendioxid-Gesamtausstoß von nur etwas mehr als 2 Prozent. Weltweit seien es 1,5 Prozent.

Auf der ITB zeigen bis zum Sonntag fast 11.000 Aussteller aus 184 Ländern touristische Trends. Die Veranstalter rechnen mit einem Rekordbesuch von rund 170.000 Gästen und Geschäftsabschlüssen in Höhe von mehr als fünf Milliarden Euro.

Bei der Klimadiskussion forderte Deutschlands viertgrößter Reiseveranstalter Alltours erneut Mindestpreise für Flüge, um so die Nachfrage zu drosseln, die Bahn zu fördern und den CO2-Ausstoß zu senken. "Die 19,99-Euro-Flüge müssen verschwinden", sagte Alltours-Chef und Eigentümer Willi Verhuven. Für die einfache Flugstrecke könne er sich 90 Euro als Minimum vorstellen.

Steigende Nachfrage erwartet

Ein Sprecher des Billigfliegers Germanwings sagte: "Wir nehmen die Klimadebatte ernst." Wenn es zu einer Kerosinsteuer komme, müsse diese aber global gelten und dürfe zu keinen Wettbewerbsverzerrungen führen. Er sprach sich zugleich für eine Harmonisierung der Flugüberwachung in Europa aus, um Umwege zu vermeiden.

Der Geschäftsführer der Tuifly, Roland Keppler, nannte die Diskussion übertrieben. Gerade die Low-Cost-Carrier leisteten durch den Einsatz von modernstem Fluggerät schon einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz. "Wir haben immerhin schon das 3-Liter-Flugzeug, da arbeitet die Kraftfahrzeugbranche noch dran", sagte er. Dabei bezog er sich auf den Verbrauch pro 100 Kilometer und Passagier.

Ungeachtet dieser Debatte geht die Branche von weiter steigender Nachfrage aus. "Die Vorzeichen stehen gut, dass die Reiselust der Deutschen 2007 weiter steigt", sagte DRV-Präsident Laepple. Er rechne in diesem Jahr mit einem Umsatzwachstum von zwei bis drei Prozent.

Bahn verliert als Verkehrsmittel

Die meist mittelständisch geprägten Reisebüros konnten nach einer Untersuchung des Branchenverbandes trotz der Vorstöße von Internet-Händlern und Discountern ihre Umsätze steigern. Im vergangenen Jahr stieg er von 20,5 auf 20,8 Milliarden Euro, sagte Laepple. Insgesamt hätten die Deutschen vergangenes Jahr mehr als 60 Milliarden Euro für Auslandsreisen ausgegeben. Damit liege Deutschland weltweit an der Spitze.

Die Zahl der Urlauber, die mit Billigfliegern reisen, stieg laut Reiseanalyse von 11,4 Prozent im Jahr 2005 auf 12,4 Prozent. Die Bahn verlor an Bedeutung als Verkehrsmittel für Urlaubsreisen, das Auto und das Flugzeug legten hingegen zu. Dabei nehme die Zustimmung der Befragten zu Pauschalreisen wieder zu. Im Jahr 1999 wollten 39 Prozent organisierte Angebote. Im Jahr 2006 waren es 47 Prozent.

Die 26 Messehallen am Funkturm sind bis zum Freitag nur für Fachbesucher geöffnet, Privatbesucher können am Wochenende zur ITB kommen. (tso/dpa)

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