Wirtschaft : Kabale im Luxus-Modehaus

Bei Escada drängt der russische Großaktionär auf raschen Konzernumbau – und löst damit keine Freude aus

Nicole Huss

München - Der Luxusmodehersteller Escada hat im vergangenen Jahr viel Aufwand betrieben, um seine oft altbacken wirkenden Läden zu sanieren. Doch hinter der neuen Fassade rumort es kräftig: Zwischen dem Vorstand des im S-Dax notierten Konzerns und seinem russischen Großaktionär Rustam Aksenenko ist ein offener Streit entbrannt. Bei der Vorlage der Quartalszahlen setzte sich Escada- Chef Frank Rheinboldt am Dienstag gegen Vorwürfe des Russen zur Wehr, Escada treibe den Konzernumbau nicht schnell genug voran. „Es nützt nichts, wenn das Management mehr verspricht, als es halten kann“, verteidigte er sich.

Aksenenko, Sohn des ehemaligen russischen Transportministers, ist seit einem Jahr mit 25,5 Prozent direkt an Escada beteiligt und sitzt zusammen mit zwei Gefolgsleuten im Aufsichtsrat. Seitdem mischt der 31-Jährige den einst betulichen Hersteller luxuriöser Damenmode kräftig auf. Aksenenko bemängelte, Escada habe kein einheitliches Ladenkonzept, einen zu niedrigen Umsatzanteil bei Accessoires und könne mit den Gewinnmargen von Konkurrenten nicht mithalten. Zudem kritisierte er das Festhalten an der Primera-Gruppe, die Damenmode im mittleren Preissegment anbietet. Aksenenko hatte seine Vorwürfe mit einer eigenmächtig in seinem Auftrag erstellten Studie der Beratungsfirma Bain untermauert.

Rheinboldt sagte mit einem Seitenhieb auf Aksenenko, einige hätten „noch nicht ganz verstanden, welchen Wert Primera für Escada mittlerweile darstellt“. Im Gegensatz zu Escada verdient Primera inzwischen seine Kapitalkosten. Rheinboldt wollte eine Trennung von Primera aber nicht grundsätzlich ausschließen. Zu den übrigen Vorwürfen des Großinvestors sagte Rheinboldt, das Management habe die Defizite im Konzern identifiziert und gegengesteuert. Er warnte davor, Escada mit Modefirmen zu vergleichen, die einen höheren Umsatzanteil mit Accessoires erzielen und daher höhere Gewinnmargen haben. Solche Vergleiche, wie sie offenbar auch Aksenenko angestellt hatte, führten nur zu Verunsicherung.

Rheinboldt hat die Leitung von Escada vor gut einem Jahr von Firmengründer Wolfgang Ley übernommen und seitdem eine tief greifende Sanierung eingeleitet. Der Modekonzern senkte Kosten, veränderte das Markendesign und versuchte den Escada-Läden weltweit ein einheitliches Image zu geben. „Escada ist beim Umbau gut aus den Startlöchern gekommen“, sagte Rheinboldt. Im ersten Quartal 2006/07 sank der Umsatz dennoch um mehr als drei Prozent auf 161,2 Millionen Euro. Der Gewinn jedoch stieg vor allem wegen Kosteneinsparungen um mehr als elf Prozent auf 6,9 Millionen Euro.

Derweil geht der Streit mit Aksenenko weiter. Der Aufsichtsrat konnte sich nicht rechtzeitig über die Neubesetzung des Gremiums einigen, so dass die für Anfang April geplante Hauptversammlung verschoben werden musste. Ein neuer Termin steht noch nicht fest. Die Aktionäre haben ohnehin wenig Grund zur Vorfreude: Der Konzern hat – auch auf Druck von Aksenenko – beschlossen, zum fünften Mal in Folge keine Dividende zu zahlen.

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