Kampf der Drogeriemarktketten : Warum dm weiter bei Rossmann einkauft

Die größte deutsche Drogeriemarktkette setzt auf Digitalisierung, Youtube und ärgert den größten Konkurrenten.

Marktführer: dm hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz, die Zahl der Filialen und Mitarbeiter steigern können.
Marktführer: dm hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz, die Zahl der Filialen und Mitarbeiter steigern können.Foto: Uli Deck/dpa

Markus Trojansky, 50 Jahre alt, hat sein gesamtes Berufsleben bei dm verbracht. Seit 30 Jahren arbeitet er bei Deutschlands größter Drogeriemarktkette. Er hat als Lehrling angefangen, heute ist er einer der Geschäftsführer. Trojansky hat einiges erlebt – die Schlecker-Pleite, die Kooperation zwischen dem Hamburger Konkurrenten Budnikowsky und Edeka. Doch nun stehen der dm-Manager und die gesamte Branche mit der Digitalisierung vor einer Herausforderung, deren Dimension niemand so recht abschätzen kann. „Der Handel ist sehr aufgeregt“, sagte Trojansky am Donnerstag in Berlin, „es gibt eine unglaubliche Suchbewegung“.

Rossmann kooperiert mit Amazon

Rossmann, die Nummer zwei auf dem Markt, kooperiert mit Amazon. Trojansky will nicht ausschließen, dass auch dm eines Tages mitmacht, falls das Projekt ein Erfolg wird. Einen früheren Test mit dem US-Konzern hatte man allerdings beendet, weil sich das Geschäft nicht gelohnt hatte. Neben Rossmann mischt auch Zalando die Branche auf. Der Berliner Klamottenhändler will jetzt auch Beauty-Produkte vertreiben – online und vor Ort in einem Laden in Berlin. Damit greift Zalando dm dort an, wo die Gewinnmarge am größten ist. Während sich mit Toilettenpapier und Babybrei nicht viel verdienen lässt, ist das bei Make-up, Lippenstiften und Nagellack anders. Dennoch lässt sich Trojansky nicht aus der Ruhe bringen. Auch beim Lebensmitteldiscounter Penny habe es schon mal Versuche gegeben, Kosmetik zu verkaufen – ohne Erfolg.

Ohne Youtube geht nichts mehr

„Dieser Bereich ist sehr beratungsintensiv“, sagt der Manager. Um die eigenen Marken an die Kundschaft zu bringen, nutzt dm moderne Kanäle. Mehr als 80.000 Menschen haben Schminktipps und andere dm-Erklärvideos auf Youtube abonniert, mehr als 2,6 Millionen folgen der Kette auf Instagram, fast drei Millionen auf Facebook. Um die junge Community an sich zu binden, spricht dm Influencer an und lässt Bloggerinnen und Influencerinnen in den Filialen öffentlichkeitswirksam Schnitzeljagden nach dm-Produkten veranstalten. Zudem sponsert dm die Beauty-Messe Glow, die Anfang November in Berlin stattfindet.

25.000 Smartphones für die Mitarbeiter: Die Geräte sollen den Wissens- und Informationstransfer erleichtern.
25.000 Smartphones für die Mitarbeiter: Die Geräte sollen den Wissens- und Informationstransfer erleichtern.Foto: Uli Deck/ dpa

25.000 Smartphones für die dm-Mitarbeiter

Die Digitalisierung erreicht aber auch die Läden vor Ort. Um den Kunden dort schnell Rede und Antwort stehen zu können, verteilt dm über 25.000 Smartphones an die Mitarbeiter, auf denen diese alle Produktinformationen abrufen können. Auch das Bezahlen ist digitalisiert worden. Payback pay ist möglich, man kann aber auch mit Kreditkarten und der EC-Karte kontaktlos zahlen. In einigen Pilotmärkten in Nordrhein-Westfalen testet dm Kassen, an denen die Kunden ihre Einkäufe selbst scannen.

Online-Einkäufe legen zu

Online-Einkäufe haben zwar im vergangenen Geschäftsjahr, das sich bei dm vom 1. Oktober 2016 bis zum 30. September 2017 erstreckt, um 80 Prozent angezogen. Am Gesamtumsatz von 10,3 Milliarden Euro (plus 5,7 Prozent) machen Bestellungen via Internet aber bislang dennoch nur einen „homöopathischen“ Anteil aus, sagt Trojansky. Kunden können wählen, ob sie sich die Ware nach Hause oder kostenfrei in eine der europaweit 3464 Filialen liefern lassen.

Neue Märkte in Berlin

Der Konzern ist in zwölf europäischen Ländern aktiv, der Schwerpunkt liegt aber eindeutig auf dem Heimatmarkt. 7,8 Milliarden Umsatz (plus 4,8 Prozent) entfallen auf Deutschland, zum Gewinn macht das Unternehmen traditionsgemäß keine Angaben. In den 1892 deutschen Filialen arbeiten 39.906 Beschäftigte. In Berlin hat dm derzeit 83 Läden, die knapp 400 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. Im laufenden Geschäftsjahr sollen fünf neue Filialen hinzukommen, 13 werden umgebaut, ein Laden in Steglitz zieht um. Um die Region noch schneller beliefern zu können, baut dm derzeit neben den bereits bestehenden Verteilzentren in der Nähe von Köln und Karlsruhe für 120 Millionen Euro einen weiteren Standort in Wustermark bei Berlin. 2020 soll er fertig sein.

dm will weiter bei Rossmann einkaufen

Nach der Schlecker-Pleite liefern sich in Berlin nur noch zwei Drogeriemarktketten, dm und Rossmann, ein hartes Rennen, der Dritte im Bund – Müller – spielt mit drei Filialen keine große Rolle. Während Rossmann mit Sonderangeboten punkten will, verzichtet dm auf kurzfristige Aktionen und wirbt mit dauerhaft niedrigen Preisen. Dennoch ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten gekommen, weil dm-Mitarbeiter bei Rabattaktionen von Rossmann zugeschlagen und die Billigware anschließend in dm-Filialen weiterverkauft haben. Solche Aktionen könnten sich auch in Zukunft wiederholen. „Die Filialleiter können das machen“, sagt Trojansky. Allerdings sei es nicht das Geschäftsmodell von dm, bei Rossmann die Regale leerzukaufen. Solche Aktionen dienten vielmehr dazu, die Hersteller zu Preissenkungen zu bewegen. Dennoch kann sich Trojansky an diesem Donnerstag eine Spitze nicht verkneifen. „Manche Filialleiter bei Rossmann haben sich sicherlich gefreut, wenn sie mal Umsatz gemacht haben“, lästert er. Auch wenn es Geschäfte mit der Konkurrenz waren.

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