Klimapolitik : Der Bund heizt noch sehr oft mit Öl

Die Regierung sieht Ölheizungen als Auslaufmodell. Doch 40 Prozent der Bundesliegenschaften werden mit Öl beheizt. Die FDP sieht Nachholbedarf.

Ölheizungen sollen mit den Jahren verschwinden.
Ölheizungen sollen mit den Jahren verschwinden.Foto: picture alliance / dpa

Die Bundesregierung will im Rahmen ihrer Klimapolitik die Deutschen dazu bringen, anders zu heizen. Insbesondere Ölheizungen, so das erklärte Ziel im Rahmen des Klimapakets, sollen in den kommenden Jahren möglichst verschwinden. Aber wie heizt eigentlich die Regierung selbst? Das hat sich die FDP-Fraktion im Bundestag gefragt und eine Antwort von der Regierung verlangt. Die liegt nun vor – inklusive einer Liste aller 2264 beheizten Gebäude, welche der Bund in Berlin und in ganz Deutschland besitzt. Das Fazit der FDP-Abgeordneten Ulla Ihnen nach der Lektüre lautet: „Die Liegenschaften des Bundes haben noch ganz erheblichen Nachholbedarf, wenn es um ökologische Wärmeerzeugung geht.“
Denn ein großer Teil der Anlagen, vor allem solche von nachgeordneten Behörden im ganzen Bundesgebiet und bei der Bundeswehr, wird mit Heizöl und Erdgas beheizt. Mit Gas sind es 934 Anlagen oder 41 Prozent, Heizöl hält 873 Gebäude warm, das sind 38,5 Prozent. Ökologisch wirklich unanfechtbar sind nur wenige Liegenschaften: 101 werden über Fernwärme beheizt, 51 mit Anlagen für Hackschnitzel oder Pellets, über Wärmepumpen sind es 41. In 127 Fällen kommen elektrische Speicherheizungen zum Einsatz. Zwei Geothermieanlagen kommen hinzu.

"Alles andere als ein Vorbild"

FDP-Politikerin Ihnen zeigt sich überrascht: „Wie kann es sein, dass die Bundesregierung alle Bürgerinnen und Bürgern dazu bringen will, sich künftig von ihren alten Ölkesseln zu verabschieden, wenn sie selbst alles andere als ein Vorbild in ökologischer Wärmeerzeugung ist?“ Die Antwort der Bundesregierung zeige, wie sehr Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklafften. Insbesondere den Anteil der Heizölanlagen sieht Ihnen kritisch.
Allerdings unterscheidet die Auflistung des Bundesfinanzministeriums nicht nach der Größe der Liegenschaften. Kleine Nebenstellen von Behördensind genauso als eine Verbrauichanlage erfasst wie die großen Ministerien in Berlin. Der Blick in die Hauptstadt zeigt: Fast alle Ministeriumsgebäude werden mit Fernwärme geheizt.
Ausgerechnet beim Umweltministerium in der Stresemannstraße kommen noch Gas und Heizöl dazu. Im Bundesministerium für Bildung und Forschung kommt dagegen eine gasbetriebene Brennstoffzelle und ein Blockheizkraftwerk zur Erzeugung von Wärme, Kälte und Strom zum Einsatz, auf dem Dach du an den Außenwänden ist zudem Photovoltaiktechnik installiert. Auch am zweiten Dienstsitz, der früheren Regierungszentrale Bonn, wird bevorzugt mit Fernwärme geheizt.

Zieljahr 2050

Wie Bettina Hagedorn, die Parlamentarische Staatssekretärin im Finanzministerium, schreibt, „identifizieren“ die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (die Gebäudeverwalterin des Bundes) und die Bundeswehr ineffiziente und klimaschädliche Heizsysteme und tauschen diese „zunehmend“ gegen klimaschonende Systeme „spätestens zum Ende der jeweiligen Nutzungsdauer der Heizölanlage“. Doch könnten diese Altanlagen danach weiterhin eingesetzt werden in Liegenschaften, bei denen die Versorgung technisch nicht anders sichergestellt werden könne.
Daher, so Hagedorns Antwort auf die FDP-Frage, sei es nicht möglich, aufs Jahr genau anzugeben, wann Heizöl in keinem Dienstgebäude mehr zum Einsatz komme. Doch bleibe es das Ziel der Bundesregierung, bis 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand zu haben. „Aus diesem Grund wird bei der Umrüstung der Wärmeerzeugung der höchstmögliche Einsatz Erneuerbarer Energien angestrebt."

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!