Konflikt mit Ufo : Chaos bei der Lufthansa

Im Konflikt mit der Gewerkschaft Ufo hat sich das Management verlaufen. Neuer Schlichtungsversuch mit Platzeck und Weise.

Das ging schief. Am 14. November traf sich Personalvorstand Bettina Volkens überraschend mit Nicoley Baublies (links).
Das ging schief. Am 14. November traf sich Personalvorstand Bettina Volkens überraschend mit Nicoley Baublies (links).Foto: picture alliance/dpa

Am Ende auch noch ein freundlicher Handschlag – das war zu viel. Lufthansa-Chef Carsten Spohr traute seinen Augen nicht, als er seine Vorstandskollegin Bettina Volkens Hand in Hand mit dem Ufo-Gewerkschafter Nicoley Baublies sah. Ausgerechnet Baublies, den die Lufthansa vor Gericht gebracht und gefeuert hatte. Mitte November war das mit dem Handschlag passiert, Anfang Dezember teilte der Konzern die „einvernehmliche“ Trennung von Volkens mit. Nach sechseinhalb Jahren als Personalchefin der größten Fluggesellschaft Europas stürzte die Managerin über Baublies, weil sie den umstrittenen Gewerkschafter zurück ins Spiel geholt hatte.

Finanzmann wird Personalchef

An diesem Donnerstag bemühen sich wieder einmal die Schlichter Matthias Platzeck und Frank-Jürgen Weise um eine Annäherung zwischen der Flugbegleitergewerkschaft Ufo und dem Konzern. Parallel dazu gibt es ein Mediationsverfahren, in dem es vor allem um Baublies geht. Eigentlich sollte der Fall Baublies vor Gericht geklärt werden – doch das Management gab nach, um überhaupt den Weg für die Schlichtung freizumachen. Viel schlimmer konnte es nicht kommen für die Lufthansa. Volkens Nachfolger Michael Niggemann, zuletzt Finanzchef bei der Lufthansa-Tochter Swiss, wurde von Spohr als Feuerwehrmann ins Personalressort geholt. Er muss nun mit den Folgen der erratischen Strategie seiner Vorgängerin umgehen.

Zweifel am Gewerkschaftsstatus

Die Lufthansa war schon fertig mit der Ufo. Im Mai 2019 bescheinigten die zuständigen Manager der Flugbegleiterorganisation „Handlungsunfähigkeit“. Nach Zerwürfnissen an der Ufo-Spitze gebe es keine vertretungsberechtigten Vorstand, und die Frage; Tarifverträge hätten nicht gekündigt werden dürfen, und ob Ufo überhaupt noch als Gewerkschaft zu behandeln sein, wollte das Unternehmen vor Gericht klären lassen.

Angeblich zwei Gehälter kassiert

Unter dem Ufo-Vorsitzenden Nicoley Baublies war eine Menge passiert: Zehn von zwölf Ufo-Beiräten traten im Mai letzten Jahres zurück – wegen Baublies. Von einer „Kultur der Selbstversorgung und des Machtausbau“ war in einer Schreiben der ehemaligen Räte an die Ufo-Mitglieder die Rede. Baublies wurde „ein sektenähnlich anmutender Personenkult“ vorgeworfen und ein „Verfall von Sitte und Anstand“. Der Konzern stellte fest, Baublies und sein Nachfolger Daniel Flohr hätten über mehrere Jahre doppeltes Gehalt kassiert: Die beiden Ufos bekamen demnach sowohl Geld von der Lufthansa, bei der sie als Flugbegleiter angestellt waren, also auch von der Gewerkschaft. Rund 400 000 Euro forderte die Lufthansa zurück – und ließ sich am Ende auf einen Vergleich ein, der nur ein Bruchteil dieser Summe ausmachte.

Kündigung von Baublies

Baublies zog sich wegen der internen Querelen zurück aus der Ufo-Spitze, blieb jedoch als Berater seines Zöglings Flohr im Geschäft. Das nutzte wiederum die Lufthansa, um Baublies im vergangenen September wegen nicht genehmigter Nebentätigkeiten zu kündigen. Dann spitzte sich der Konflikt zu.

Streiks im Herbst

Anfang November rief Ufo ihre Mitglieder zum Streik auf, mehr als 1000 Flüge fielen aus. Der Schaden für die Lufthansa war groß. Und Personalchefin Volkens verlor die Nerven. Ohne Rücksprache mit den eigenen Tarifverhandlern akzeptierte sie den Gewerkschaftsstatus der Ufo und setzte sich mit Baublies an einen Tisch. Die eigentliche Tarifforderung für die Flugbegleiter wurde dabei nur nachrangig behandelt. Baublies ging es erstmal um die Rücknahme der Kündigung sowie die Nachzahlung von Gehalt.

Baublies-Fans bei Germanwings

Baublies besitzt in Teilen der Kabinenbesatzung Kultstatus, seitdem er nach einem Arbeitskampf 2015/16 sage und schreibe 29 Tarifverträge durchgesetzt hatte für die 22 000 Flugbegleiter im Lufthansa-Konzern. „Die laufen Baublies blind hinterher“, heißt es im Unternehmen über das Kabinenpersonal der Lufthansa-Tochter Germanwings, das von der Ufo beziehungsweise von Baublies Ende vergangenen Jahres zu einem zweitägigen Streik gerufen worden waren.

Konzern bleibt bei der Kündigung

Der Fall Baublies inklusive möglicher Vorteilsnahme ist noch lange nicht aufgeklärt und hat deshalb auch bislang die Arbeiter der Schlichter blockiert. Frank-Jürgen Weise, der ehemalige Chef der Bundesagentur für Arbeit, und Matthias Platzeck, einst Ministerpräsident in Brandenburg, haben sich weniger mit den Arbeitsbedingungen der Flugbegleiter als mit Nicoley Baublies befassen müssen. Weil die Lufthansa bei der letzten Schlichterrunde kurz vor Weihnachten die Kündigung von Baublies nicht zurückzog, kam es zu den Streiks bei Germanwings kurz nach Weihnachten.

Mediation für den Fall Baublies

An diesem Donnerstag können sich Weise und Platzeck nun erstmals mit den normalen Tarifthemen, Geld und Arbeitszeit und Schichtsystemen befassen, weil es für die Causa Baublies ein anderes Verfahren gibt. „Wir gehen jetzt einen großen Schritt auf die Ufo zu und erklären uns zu einer Mediation nicht tariflicher Themen bereit“, lässt der neue Personalvorstand Niggemann mitteilen. Doch ganz wohl ist ihm nicht dabei, zu unberechenbar sind die Ufos unter Baublies: „Allerdings“, so fährt Niggemann fort, „muss eine solche Mediation dann verbindlich den Beginn einer großen Schlichtung ermöglichen, damit endlich über die Belange unserer 22 000 Kabinenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter gesprochen werden kann“.

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