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Konzern in Geldnot : Gewinn der Deutschen Bahn sinkt um 30 Prozent

So viele Menschen wie noch nie fahren mit der Deutschen Bahn. Die Umsätze steigen, die Schulden auch. Daher benötigt der Konzern dringend mehr Geld vom Staat.

Hauptprobleme der DB sind fehlende Gleise und eine veraltete Infrastruktur.
Hauptprobleme der DB sind fehlende Gleise und eine veraltete Infrastruktur.Foto: Kai Pfaffenbach/Reuters

Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr weniger Gewinn gemacht - zugleich aber steigende Umsätze und Fahrgastzahlen verbucht. Im Vergleich zum Vorjahr ging der Gewinn um 29,2 Prozent auf 542 Millionen Euro zurück, wie der Konzern am Donnerstag auf seiner Bilanzpressekonferenz mitteilte. Der Umsatz stieg hingegen um 3,1 Prozent auf 44,02 Milliarden Euro.

Die Zahl der Reisenden im Fernverkehr stieg 2018 zum vierten Mal in Folge deutlich. Sie betrug rund 148 Millionen Fahrgäste - 5,7 Millionen oder vier Prozent mehr als 2017. Die Bahn rechnet damit, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt: "2019 werden wir im Fernverkehr erstmals über 150 Millionen Reisende begrüßen dürfen", erklärte Konzernchef Richard Lutz. Europaweit nutzten 2018 rund 2,6 Milliarden Passagiere die Züge der Deutschen Bahn, ein Plus von 17 Millionen im Vergleich zum Vorjahr.

Die Passagierrekorde im Fernverkehr werden allerdings mit zahlreichen Sonderangeboten erkauft. Die Nettofinanzschulden des bundeseigenen Konzerns erhöhten sich zu Ende Dezember im Vergleich zum Vorjahresende um 926 Millionen Euro auf rund 19,5 Milliarden Euro.

Neben den Schulden der Bahn sorgten zuletzt auch Verspätungen für Schlagzeilen. Lutz wies daraufhin, dass trotz aller Probleme mit der Qualität der Verkehr auf der Schiene zulege. Dies verursache aber "Wachstumsschmerzen", etwa auf dem Schienennetz. Man arbeite daran, pünktlicher zu werden, nachdem 2018 mehr als jeder vierte Fernzug verspätet war. "Den einen Hebel, den man umlegt, und schon wird die Bahn besser, den gibt es aber leider nicht."

Gut lief auch die internationale Spedition Schenker sowie das Geschäft mit dem Schienennetz, das auch von der Nachfrage von Konkurrenzbahnen profitierte. Dagegen blieb die Güterbahn in der Krise und verdoppelte den Verlust auf fast 200 Millionen Euro, obwohl die Nachfrage der Wirtschaft auch hier hoch war. Bahnchef Lutz verwies unter anderem auf das Schienennetz, das immer stärker belastet werde. "Die Kapazität wird das zentrale Thema in den nächsten Jahren bleiben", sagte Lutz. In den kommenden Jahren will der Bund jeweils eine Milliarde mehr als bisher in die Sanierung des Netzes investieren.

Nettogewinn reicht nicht, um Dividende zu zahlen

Die eigenen Investitionen in Fahrzeuge oder in Personal - die Bahn will jährlich über 20.000 Mitarbeiter einstellen - kann sie nicht aus eigener Kraft stemmen. Der Nettogewinn von 542 Millionen Euro reicht nicht einmal, um die Dividende von 650 Millionen Euro an den Bund zu zahlen. Da dem Unternehmen allein in diesem Jahr 2,2 Milliarden Euro unter anderem für die Investitionen in höhere Pünktlichkeit fehlen, bereitet die Bahn den Verkauf oder einen Börsengang der internationalen Nahverkehrstochter Arriva vor.

Lutz hatte zuletzt mehr Geld für den Konzern vom Staat angemahnt. Die Verhandlungen zwischen dem Konzern und dem Bund über Mittel für Reparaturen und Ausbauarbeiten laufen derzeit. (AFP, Reuters)

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