Kosten und Märkte : Elektroautos rechnen sich

Die Nachfrage nach E-Fahrzeugen ist weiterhin im globalen Vergleich schwach – doch der ADAC zeigt: Nicht immer sind Verbrenner günstiger.

Strom statt Sprit. Der steigende Preis für Benzin und Diesel macht batteriebetriebene Autos wettbewerbsfähiger.
Strom statt Sprit. Der steigende Preis für Benzin und Diesel macht batteriebetriebene Autos wettbewerbsfähiger.Foto: Jens Kalaene/dpa

Wenn 2019 die achte Generation des VW Golf auf den Markt kommt, wird der Bestseller starke Wettbewerber haben: Elektroautos. Die Konkurrenz kommt auch aus dem eigenen Haus. VW produziert den Golf schon heute in einer Elektroversion und will ein Jahr nach dem neuen Golf die ersten Modelle seiner elektrischen ID-Familie verkaufen. Steigt der Ölpreis weiter und sinken die Batteriepreise so schnell wie zuletzt, dann dürften sich Kunden spätestens zur Golf VIII-Premiere den Kauf eines Benzin- oder Diesel-Modells gut überlegen.

„Die Produkteinführung der kommenden Golf-Generation ist neben der ID-Familie die strategisch bedeutsamste für die Marke“, sagte VW-Beschaffungsvorstand Ralf Brandstätter am Freitag. Der Golf ist nicht nur für VW wichtig, er ist auch das am häufigsten verkaufte Auto in Deutschland insgesamt. Seit der Einführung 1974 wurde der Käfer-Nachfolger 34 Millionen Mal in 108 Ländern verkauft. VW steckt nach eigenen Angaben 1,8 Milliarden Euro in die nächste Generation.

Rechnen lohnt sich. Einige E-Autos sind kostengünstiger als vergleichbare Verbrenner.
Rechnen lohnt sich. Einige E-Autos sind kostengünstiger als vergleichbare Verbrenner.

Bei den laufenden Gesamtkosten verliert der konventionelle Golf schon heute gegen die Elektroversion. Dies zeigt ein aktueller Vergleich des ADAC. Der Autoclub hat fast alle in Deutschland erhältlichen Elektroautos mit ihren konventionellen Pendants verglichen, also mit der Benzin- und/oder Diesel-Version. Für Autokäufer, die im Jahr 10 000 Kilometer oder mehr fahren, lohnt sich demnach die Anschaffung eines E-Golf (siehe Grafik). Das liegt zum einen an der Kaufprämie, die den Listenpreis um bis zu 4000 Euro reduziert, zum anderen machen wieder steigende Spritkosten den Stromer wettbewerbsfähig. Die Kilowattstunde Strom kostet rund 30 Cent.

Tatsächliche Spritverbräuche in der Praxis höher

Auch Tesla, Nissan oder Kia haben laut ADAC Elektroautos im Angebot, die ab einer bestimmten Jahresfahrleistung konzerneigene Wettbewerber oder vergleichbar ausgestattete Modelle der Konkurrenz mit Verbrennungsmotor bei den Kosten abhängen. In seinen Berechnungen hat der ADAC die ersten fünf Betriebsjahre berücksichtigt, außerdem wurden neben Sprit- und Stromkosten der Wertverlust sowie Versicherungen und Steuern einbezogen. Der Vergleich ist allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig, darauf weist auch der ADAC hin – vor allem bei den aufladbaren Plug-in-Hybriden. Weil die Hersteller ihre Verbrauchsangaben nach dem veralteten NEFZ-Fahrzyklus berechnen, sind die Kosten der Verbrenner und Plug-in-Hybride in der Praxis deutlich höher. Das vergrößert tendenziell den Vorteil der E-Autos. „Damit jedoch die Kostenbilanz bei rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen besser ausfällt, müssen die Kaufpreise weiter sinken“, schreibt der Autoclub. Schon heute eigneten sich aber Elektrowagen und Plug-in-Hybride, die extern aufgeladen werden können, „für Pendler und Fahrten im urbanen Umfeld“.

2017 wurden in China 777.000 E-Fahrzeuge verkauft

Das Center of Automotive Management (CAM) sagt voraus, dass der „komparative Wettbewerbsvorteil“ der Stromwagen in den kommenden Jahren deutlich zunehmen wird. Nicht nur, weil die Batterien teurer und leistungsfähiger werden, sondern auch, weil sich Benziner und Diesel wegen verschärfter Umweltregularien verteuern. In den nächsten zehn bis 15 Jahren stehe ein „massiver Umbruch der Antriebstechnologien“ bevor, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten CAM-Analyse.

Will das traditionelle Autoland Deutschland hier den Anschluss nicht verpassen, muss der heimische Markt bald schneller wachsen. Denn die Musik spielt weiterhin in China: Der Abstand der Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen zwischen China und dem Rest der Welt wuchs laut der CAM-Studie im vergangenen Jahr noch einmal deutlich. 2017 wurden demnach insgesamt 777 000 E-Autos in der Volksrepublik abgesetzt, 53 Prozent mehr als im Vorjahr. In den USA stieg die Zahl der Neuzulassungen von E-Autos um 24 Prozent auf rund 194 000 Stück. Deutschland beeindruckte zwar mit einem starken Wachstum von 117 Prozent, doch dies auf niedrigem Niveau. Knapp 54 500 Elektroautos wurden hierzulande verkauft. Das entsprach einem Marktanteil von 1,6 Prozent, immerhin doppelt so viel wie im Jahr zuvor. In China machen E-Modelle allerdings schon 2,7 Prozent des gesamten Automarktes aus.

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