Kritik an Umbauplänen : Facebook steigert Einnahmen und Probleme

Facebook hat wieder Ärger an vielen Fronten. Bundesjustizministerin Barley warnt vor einem „Monopol“. Doch wirtschaftlich läuft es blendend.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg steigert die Umsätze - hat aber trotzdem viel Ärger.
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg steigert die Umsätze - hat aber trotzdem viel Ärger.Foto: Marcio Jose Sanchez/AP/dpa

Facebooks-Co-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg ist gerade von ihrer Büßertour in Deutschland zurückgekehrt, wo sie zahlreiche Fehler einräumte, da hat das Netz schon wieder Ärger. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass Facebook Teenagern ab 13 Jahren monatlich 20 Dollar geboten hatte, um mit einer App ihre Handy-Nutzung analysieren zu können. Denn Facebook hält ständig Ausschau nach populären neuen Apps, die dem Netzwerk Nutzer abjagen könnten – und reagiert schnell. Die Foto-Plattform Instagram und der Chat-Dienst WhatsApp wurden beispielsweise frühzeitig gekauft.

Apple sperrt Facebook Apps zum Testen

Pikant war das jüngste, nun gestoppte Programm zusätzlich, da einerseits nicht erkennbar war, dass Facebook dahinter steht. Zudem wurde es auf iPhones an Apple vorbei installiert - über eine Funktion, die es Unternehmen erlaubt, hauseigene Anwendungen auf Geräte von Mitarbeitern zu bringen. Apple blockierte daraufhin die entsprechende Funktion für Facebook. Dadurch liefen auch interne Test-Apps zum Beispiel für künftige Versionen von Instagram oder Messenger nicht mehr auf iPhones der Facebook-Mitarbeiter. Betroffen sei auch die App, über die Facebook den Transport von Mitarbeitern organisiert.

Umsatz und Nutzerzahlen steigen

Geschäftlich läuft es dagegen bei Facebook blendend. Trotz aller Skandale wachsen die Einnahmen weiter: Im Weihnachtsquartal steigerte Facebook den Umsatz im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 16,9 Milliarden Dollar (14,8 Milliarden Euro). Und auch die Zahl der Nutzer legte zu. 2,3 Milliarden Menschen meldeten sich zumindest einmal im Monat an. Den größten Zuwachs gab es in Asien, doch auch in Europa stieg die Zahl der aktiven Facebooknutzer wieder von 375 auf 381 Millionen. Davor war der Wert in zwei Quartalen in Folge zurückgegangen, Beobachter hatten das auch als Reaktion auf die Datenskandale interpretiert. „Das Schlimmste ist für diesen Giganten vorbei“, sagte Analyst Haris Anwar vom Finanzportal Investing.com. Ähnlich sehen es auch die Anleger: Die Aktie legte teilweise um 15 Prozent zu.

Neuen Ärger dürften auch weit reichende Umbaupläne bringen: Der Konzern überlegt, WhatsApp, Facebook Messenger und Instagram zu verknüpfen. Facebook bestätigte Überlegungen, die Kommunikation über die Grenzen verschiedener Netzwerke hinweg einfacher zu machen. Der Umbauplan werde von Facebook-Chef Mark Zuckerberg persönlich vorangetrieben, hieß es in US-Medienberichten. Die Gründer von WhatsApp und Instagram, die nach der Übernahme durch Facebook zunächst weitgehend eigenständig agieren konnten, hatten zum vergangenen Jahr alle das Online-Netzwerk verlassen. Laut damaligen Berichten soll es Spannungen mit Zuckerberg gegeben haben, der stärker in die Führung der Dienste eingriff.

Barley kritisiert Facebooks Pläne, seine Messenger zu verknüpfen

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) kritisiert das Vorhaben. „Wenn Facebook die Messenger verknüpft, ist das der Versuch ein Monopol zu schaffen“, sagte Barley dem Tagesspiegel. Im vergangenen Jahr hatte sie sich für die sogenannte Interoperabilität zwischen Kommunikationsdiensten stark gemacht und Schnittstellen gefordert, damit Nutzer verschiedener Messenger wie WhatsApp oder Threema auch miteinander kommunizieren können.

„Was Facebook plant, führt die Idee der Interoperabilität ad absurdum“, sagt Barley. Es gehe darum, dass Nutzer von kleineren und sicheren Messengern auch Nachrichten zum Beispiel an Whatsapp-Nutzer schicken können. „Dann sind sie nicht gezwungen, die Dienste der Datenriesen zu nutzen.“ Eine mögliche Integration sei das Gegenteil und „wirft große kartellrechtliche und datenschutzrechtliche Fragen auf“.

„Sollte die gesamte Infrastruktur einfach nur auf einer Technikplattform konsolidiert werden, dann hat das mit Interoperabilität nichts zu tun“, sagt Thomas Jarzombek (CDU). Der Netzpolitiker hatte sich ebenfalls für ein Gesetz eingesetzt, um die Anbieter zur Interoperabilität zu verpflichten. „Am Ende wird es keinen anderen Weg geben, als offene Schnittstellen per Gesetz anzuordnen.“ Er könne sich nicht vorstellen, „dass Facebook freiwillig seine Dienste auch nur einen Millimeter öffnet“.

Die irische Datenschutzbehörde fordert bei Facebook mehr Informationen zur möglichen Zusammenlegung der technischen Infrastruktur hinter Chat-Diensten wie WhatsApp und Messenger ein. Auf jeden Fall könne das Online-Netzwerk solche Pläne in Europa nur umsetzen, wenn dabei die Vorgaben der EU-Datenschutzgrundverordnung erfüllt werden, betonte die Behörde. Sie ist in der Europäischen Union federführend für Facebook zuständig. Man werde die Pläne des Online-Netzwerks genau verfolgen, kündigten die Datenschützer an.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg werden also auch in nächster Zeit viel zu erklären haben.

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