Kryptowährung : Justiz sucht die beste Bitcoin-Börse

Nordrhein-Westfalen will Bitcoins für fast eine Million Euro verkaufen. Die Frage ist nur wo?

Der Wert des Bitcoin schwankt extrem - das spüren auch deutsche Behörden.
Der Wert des Bitcoin schwankt extrem - das spüren auch deutsche Behörden.Foto: Lucy Nicholson/Reuters

Vor gut einem Jahr legten Spezialisten des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen und der Staatsanwaltschaft Köln nach Razzien die Plattformen Crimenetwork.biz und crimenet.biz lahm. Jetzt wurde vom Landgericht Köln ein 23-Jähriger Student der Wirtschaftswissenschaften zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Unter dem Namen „Mr.White“ hatte er als Administrator agiert, als Treuhänder die Bezahlung verwaltet und dafür Provisionen erhalten. Etwa 65 Bitcoins konnten die Ermittler bei ihm sicherstellen. Kürzlich hatten die noch einen Wert von mehr als einer Million Euro, nach den jüngsten Kursrückgängen der Kryptowährung sind es immerhin noch 650 000 Euro. Die sollen nach der Verurteilung nun möglichst bald verkauft werden. Doch das stellt die Kölner vor einige Fragen. „Wir müssen dabei auch rechtlich und technisch prüfen, welche Plattformen am besten geeignet sind“, sagt der Leiter der Zentralstelle Cybercrime NRW, Markus Hartmann.

Verkauf über eigenes Justiz-Auktionsportal wird geprüft

Kollegen aus anderen Bundesländern haben dafür vor allem Bitcoin.de genutzt, dem einzigen regulierten Handelsplatz in Deutschland. So zum Beispiel auch, als in Hessen kürzlich beschlagnahmte Bitcoins im Wert von 1,9 Millionen Euro veräußert wurden - der bislang größte staatliche Bitcoin-Verkauf in Deutschland. Doch Hartmann will sich nicht von vornherein auf Bitcoin.de festlegen. „Die Vorschriften zwingen uns zu einer ökonomischen Verwertung, unterschiedliche Kurse und Provisionen der Anbieter können da signifikante Unterschiede ausmachen“, sagt der Oberstaatsanwalt.

Selbst die Nutzung ausländischer Anbieter wird nicht von vornherein ausgeschlossen und soll mit geprüft werden. Die Kölner überlegen sogar, ob nicht ein Verkauf über eigene Portale der deutschen Justiz wie die Seite Justiz-auktion.de möglich wäre, über die sonst beschlagnahmte Fahrzeuge und andere Gegenstände veräußert werden. Schließlich nutzt auch die US-Justiz diesen Weg bei Bitcoin-Versteigerungen. Allerdings dürfte dieser Weg technisch und rechtlich aufwendiger sein und entsprechend länger dauern. Womöglich entscheiden sich die Kölner daher doch für eine der üblichen Plattformen, bevor der Kurs zwischenzeitlich noch weiter fällt.

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