Harry Brot tut viel, damit keine Schädlinge in die Fabrik gelangen

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Lebensmittelkontrolle : Unser täglich Brot
Maximilian Vogelmann

„Wir machen alles so unattraktiv wie möglich für Schädlinge“, sagt Marketing-Leiterin Karina Alikhan. Man vermeide Krümel außerhalb der Fabrik, Gitter in der Kanalisation sollen Ratten abhalten, auf den Dächern sind kleine Kupferdrahtzäune montiert, damit sich keine Tauben niederlassen.

„Hygiene ist bei uns Chefsache“, betont Produktionsleiter Herbert Schulz. Der 59-Jährige trägt wie die meisten Mitarbeiter eine weiße Hose, einen weißen Kittel, ein weißes Haarnetz und darüber einen weißen Helm. „Bei uns verdienen die Reinigungskräfte genauso viel wie die Bäcker. Ein Drittel der Arbeitszeit verwenden wir für Wartung, Pflege und Reinigung“, berichtet Schulz.

Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Pro Jahr gibt es zwei große Prüfungen. Eine interne, bei der alle Mitarbeiter befragt werden. Und die externe Lebensmittelprüfung vom Amt. Die Kontrolleure kommen unangekündigt. Schulz lässt das kalt. Er habe nichts zu befürchten, sagt der Produktionsleiter.

Harry Brot hat sich für den Kampf gegen das Ungeziefer gerüstet – mit Fliegengittern an den Fenstern, Mottenfallen an der Wand und fugenlosen Fliesen auf dem Boden, unter denen sich nichts und niemand verstecken kann. Für die Schädlingsbekämpfung hat man außerdem eine externe Firma engagiert. Sie kümmert sich um Fallen für Motten, Fliegen, Mäuse und Schaben. Die Fallen dienen als Frühwarnsystem: Tiere, die in die Fabrik hineinkommen, bleiben dort kleben oder fressen den Köder an. In einem solchen Fall wird die Firma tätig, stellt weitere Fallen auf oder vergiftet die Tiere. Dennoch könne man nicht ausschließen, dass sich schon mal eine Schabe im Unternehmen aufhalte, räumt Schulz ein. „Aber falls sich mal eine hier hineinverirrt, läuft sie sofort in eine Falle“, sagt er. Die Köder seien speziell angepasst und viel verlockender als Teig oder Krümel.

Als Bäcker Wenzel sein Büro verlässt, liegen vier Stapel mit weißen T-Shirts und Sweatshirts vor der Tür. Ein Bote hat sie gebracht. Früher haben die Wenzels selbst gewaschen. „Das geht nicht mehr“, berichtet der 43-Jährige. Laut Hygieneverordnung muss Arbeitskleidung bei mindestens 90 Grad gewaschen werden. Und weil es „nahezu unmöglich“ ist, das nachzuweisen, wenn seine Frau wäscht, sind Wenzels dazu übergegangen, die Reinigung „outzusourcen“. „Ist schon alles sehr kompliziert geworden“, klagt der Bäcker. Kein Wunder, dass sich das kaum noch jemand antun wolle. Wenzels 16-jähriger Sohn jedenfalls will Astrophysiker werden.

Die Feinbäckerei Wenzel hat einen Lieferservice.

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