Wer von den veränderten Reisegewohnheiten profitiert

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Lieber kürzer, aber öfter : Wie sich die Reisegewohnheiten der Deutschen ändern

Zu den größten Nutznießern des Trends zur Kurzreise gehören die Bahn, Fluggesellschaften und neuerdings Fernbus-Anbieter. Sie verzeichnen eine steigende Nachfrage – so hat die Zahl der Flugbewegungen hierzulande in den vergangenen 20 Jahren um ein Drittel zugenommen, auch die Auslastung von ICEs und ICs steigt. Zwar kann kein Betreiber exakt messen, welcher Fahrgast geschäftlich reist und wer als Tourist unterwegs ist. Aber ohne das Segment der Billigflieger, von Easyjet bis Ryanair, gäbe es den Trend zum schnellen Urlaub vielerorts womöglich gar nicht. Auch Air Berlin ist hier unterwegs; bei Städtereisen ab Berlin und Düsseldorf sei man europaweit die Nummer eins, berichtet das Unternehmen. Die Bahn will nicht nachstehen: Kombi-Angebote ihrer Reisetochter Ameropa zum Musical-Besuch in großen Städten oder zum Wellnessurlaub auf dem Land seien sehr beliebt, berichtet ein Bahn-Sprecher.

Hotels sind die großen Gewinner

Der Trend zum Kurzurlaub, gerade in Städten, nützt vor allem Hotels. In Berlin etwa gehören die Herbergen mittlerweile zu den wichtigsten Arbeitgebern. Ein „sensationelles Preis-Leistungsverhältnis“ spreche für die Hotels der Hauptstadt, sagt Christopher Lück vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Vor allem im mittleren Preissegment expandieren die großen Ketten immer weiter, das Potenzial scheint unerschöpflich. Bettenanbieter fernab der Städte müssen indes aufpassen, dass sie nicht unter die Räder geraten. „Eine schlichte Fünf-Zimmer-Pension auf dem Land hat es schwer heutzutage“, berichtet Lück. Nur wer ein Alleinstellungsmerkmal findet, habe eine Zukunft – etwa Wellness-Angebote, eine besonders gute Lage oder eine herausragende Gastronomie.

Stadt, Land – alles im Fluss

Städte gewinnen, Urlaub auf dem Land interessiert niemanden mehr? Falsch. Zwar haben Berlin oder Hamburg in den vergangenen Jahren im großen Stil Gäste hinzugewonnen. Das heißt aber nicht, dass niemand mehr ins nördliche Saarland, in die Niederlausitz oder in den Hainach (Thüringen) fährt. Diese Regionen verzeichneten laut Statistischem Bundesamt 2013 die stärksten Besucher-Zuwächse. „Städte haben eine hohe Erlebnisdichte, auf dem Land passiert aber auch etwas“, sagt Claudia Gilles, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Tourismus-Verbandes. Entscheidend sei, was sich die jeweiligen Regionen einfallen ließen, um die Leute anzulocken. Im Saarland, berichtet Gilles, sei etwa ein neuer Ferienpark der Magnet. Der Bayerische Wald, das Waldecker Land oder die Lüneburger Heide sind aber anfälliger für das Wetter – bei Regen bleiben die Leute lieber zu Hause.

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