Luftfahrt : Boeing-Chef: China wird Verkehrsflugzeugbauer

Zur Erschließung des chinesischen Marktes setzen Boeing und Airbus auf unterschiedliche Strategien. Boeing-Chef James McNerney glaubt, dass China zum dritten Anbieter von Verkehrsflugzeugen in der Welt wird.

Hamburg - "Das wird ... passieren, ob wir ihnen helfen oder nicht", prophezeit der Manager in einem Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin "Der Spiegel". "Ich weiß nur nicht genau, wann."

Der Anbieter Airbus plant derweil in China eine Endmontagelinie für das Kurz- und Mittelstreckenflugzeug A320. Boeing setzt nach Angaben von McNerney eher auf technische Kooperation zum Beispiel bei der Wartung oder Kunststofffertigung. Beide Hersteller erwarten in ihren aktuellen Marktprognose für die nächsten 20 Jahre Milliardenumsätze im asiatisch-pazifischen Raum.

McNerney nimmt den krisengeplagten europäischen Konkurrenten Airbus ausdrücklich in Schutz. "Wir haben teilweise ähnliche Probleme gehabt", räumt der Boeing-Chef ein. Gleichzeitig lobt er den neuen Airbus-Großraumjet A380: "Das ist ein technologisch hochspannendes, wunderbares Flugzeug."

Umweltschutz als Herausforderung

Der amerikanische Hersteller machte zum Beispiel mit seinem Flaggschiff 747 die Erfahrung, wie sich Flugzeugprogramme erst über einen langen Zeitraum rentieren. Die ersten Versionen der 747 hatten Anfang der 70er Jahre einen schweren Stand: Kritiker waren skeptisch angesichts der Größe des Flugzeuges, dazu kam die Ölkrise. Davon ist seit langem keine Rede mehr. Die 747 gehört mit ihren regelmäßig erneuerten Versionen zu den erfolgreichsten Boeing-Programmen. Rund 1500 Jumbo-Jets sind bisher verkauft, im Herbst 2006 konnte Boeing einen Großauftrag der Lufthansa für die neueste Version 747-8 verbuchen.

Der Boeing-Chef sieht den Umweltschutz als eine der wichtigsten Herausforderungen für die Luftfahrtindustrie in den kommenden Jahren. "Unsere neue 787 zum Beispiel hat einen um 20 Prozent niedrigeren Treibstoffverbrauch und deutlich geringere Emissionswerte als die Vorläufermodelle. Wir nehmen dieses Thema sehr ernst", sagte McNerney. "Am Markt werden sich die Flugzeuge durchsetzen, die am wenigsten Treibstoff verbrauchen."

"Ich rege mich nicht über Dinge auf, die ich nicht kontrollieren kann"

Die Versuche der deutschen und französischen Regierung, ihren Einfluss auf die Airbus-Muttergesellschaft EADS auszuweiten, sieht McNerney eher gelassen. "Ich rege mich nicht über Dinge auf, die ich nicht kontrollieren kann", sagte er, "und die Eigentümerstruktur von Airbus gehört dazu." Gerüchten, wonach Boeing schon bald eine Neuauflage seines Erfolgsmodells 737 aus Kohlefaserverbundstoff auf den Markt bringen will, erteilt der Boeing-Chef eine Absage. "Wir brauchen erst noch neue, wesentlich weiterentwickelte Triebwerke und wir müssen prüfen, wie wir Verbundstoff bei kleineren Maschinen einsetzen können", sagte er.

Für ihre aktuellen Versionen der Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge Boeing 737 beziehungsweise Airbus A320 haben beide Hersteller außerdem noch prall gefüllte Auftragsbücher. Boeing hat noch 1500 Bestellungen für die 737 offen, Airbus etwa 2000 für die A320-Familie.

Die Fertigung von Rumpfteilen aus Verbundstoff anstelle von klassischen Konstruktionsverfahren aus Aluminium gilt als Generationswechsel im Flugzeugbau. Verbundwerkstoffe sind wesentlich leichter als Metallkonstruktionen. Bei der Entwicklung müssen aber viele Faktoren berücksichtigt werden. Dazu zählen neben der Fertigung des neuen Flugzeuges unter anderem die Wartungsfreundlichkeit im späteren Betrieb. (tso/dpa)

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