Wirtschaft : Madame Tussauds wird Amerikanerin

Das Wachsfigurenkabinett wird an Merlin verkauft. Dahinter steht der Finanzinvestor Blackstone

Maren Peters

Berlin - Fußballstar David Beckham und die australische Pop-Queen Kylie Minogue sind verkauft worden. Zusammen mit vielen anderen Berühmtheiten, deren Nachbildungen originalgetreu im Londoner Wachsfigurenkabinett „Madame Tussauds“ ausgestellt sind, wechselten sie zum dritten Mal seit 1998 den Besitzer. Madame Tussauds gehört künftig dem Legoland-Besitzer Merlin Entertainments, einer Tochter des amerikanischen Finanzinvestors Blackstone, der auch an der Deutschen Telekom beteiligt ist.

Die Merlin-Gruppe, die gleichzeitig auch das berühmte Londoner Riesenrad „London Eye“ und verschiedene Vergnügungsparks kaufte, zahlte nach eigenen Angaben vom Montag 1,03 Milliarden Pfund (rund 1,5 Milliarden Euro) für die Touristenattraktionen und wird damit zum zweitgrößten Betreiber von Vergnügungsparks in Europa. Nur der Disney-Konzern ist noch größer.

Auch weltweit rückt Merlin damit zum zweitgrößten Betreiber von Vergnügungsparks nach Disney auf. Zu dem Unternehmen, dass 1999 gegründet wurde, zählen rund 50 Themenparks wie „Legoland“ oder „Sea Life“, die im vergangenen Jahr zusammen mehr als 30 Millionen Besucher zählten.

Das weltberühmte Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud hatte zuletzt vor zwei Jahren den Besitzer gewechselt. Damals hatte die staatlich kontrollierte Beteiligungsgesellschaft Dubai International Capital die Sammlung für 800 Millionen Pfund (1,15 Milliarden Euro) vom Finanzinvestor Charterhouse Capital gekauft. Mit dem Deal wollte sich das reiche Golf-Emirat als internationaler Investor profilieren. Dubai International Capital ist als Großaktionär unter anderem an Daimler-Chrysler beteiligt. Vorher gehörte die 1802 gegründete Wachsfigurensammlung dem britischen Finanzkonzern Pearson („Financial Times“), die 1998 mit dem Verkauf gut 500 Millionen Euro erzielt hatte. Der Kaufpreis für die Tussauds-Gruppe hat sich damit in weniger als zehn Jahren etwa verdreifacht.

Dubai International Capital bleibt auch nach dem Verkauf an Merlin mit 20 Prozent an der Tussauds-Gruppe beteiligt, zu der auch fünf weitere Wachsfigurenkabinette in Amsterdam, Las Vegas, New York, Schanghai und Hongkong gehören. Tussaud-Chef Peter Phillipson sagte gestern, der Verkauf werde die internationale Expansion beschleunigen.

Über Merlin selbst ist nicht viel bekannt. Seit dem Kauf von Legoland vor zwei Jahren hält Finanzinvestor Blackstone 70 Prozent an der Gruppe, weitere 30 Prozent sind im Besitz von Lego. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der südenglischen Stadt Poole. Auf seiner Homepage erzählt Merlin, zu dem auch der „Heidepark Soltau“ gehört, zwar viel über sein Engagement für Robben und bedrohte Schildkröten, aber wenig über sich selbst. Auch zum Umsatz macht die Gruppe keine Angaben.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben