Medienkonzern : Bertelsmann legt Rekordergebnis hin

Mit Hilfe von Finanzinvestoren will der Bertelsmann-Konzern nach einem Rekordergebnis neue Spielräume für künftiges Wachstum schaffen. Im kommenden Jahr soll es nach Jahren der Zurückhaltung wieder Zukäufe geben.

Berlin/Gütersloh - Das kündigte Vorstandsvorsitzender Gunter Thielen bei der Bilanz-Pressekonferenz in Berlin an. Gemeinsam mit den Partnern Morgan Stanley und Citigroup will das Unternehmen einen Fonds mit einem Volumen von einer Milliarde Euro und einer Laufzeit von sieben Jahren auflegen. Ziel ist, gemeinsam mit den Finanzinvestoren und möglichen weiteren Partnern Minderheitsbeteiligungen im Mediensektor zu erwerben und diese später schrittweise auszubauen.

Nach zwei Jahren der Investitionszurückhaltung soll von 2008 an aus dem laufenden Geschäft zusätzlich eine Summe von jährlich 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro für Zukäufe zur Verfügung stehen. Ferner stünden bereits von 2007 an rund 700 Millionen Euro pro Jahr für laufende Investitionen bereit.

Im vergangenen Jahr hatte Bertelsmann seinen Umsatz um 7,9 Prozent auf 19,3 Milliarden Euro gesteigert. Das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) erhöhte sich um 16 Prozent auf 1,87 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn hat sich wegen des Verkaufs des Musikverlages BMG Music Publishing von 1,0 auf 2,4 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Die Umsatzrendite erreichte 9,7 Prozent und damit nahezu das für Ende 2007 selbst gesteckte Ziel von 10 Prozent. "Bertelsmann war nie profitabler als heute", sagte der 64-jährige Thielen in seiner letzten Bilanz-Pressekonferenz als Vorstandsvorsitzender. Die Zahl der Mitarbeiter stieg weltweit von rund 91.500 auf rund 97.100, davon 34.300 in Deutschland.

RTL bleibt das Zugpferd

Erfolgreichste Sparte des in sechs Unternehmensbereiche untergliederten Konzerns war auch 2006 die RTL Group (Luxemburg) mit einem Beitrag von 835 Millionen Euro zum operativen Gewinn. Die Druck - und Dienstleistungssparte Arvato, geführt vom designierten Bertelsmann-Vorstandsvorsitzenden Hartmut Ostrowski, steuerte 367 Millionen Euro bei. Wie RTL und Arvato konnten auch die Buchverlagssparte Random House, Europas größter Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr ("Stern") und die Buchclubsparte Direct Group ihre Umsätze und Ergebnisse steigern.

Einzig die kränkelnde 50-Prozent-Beteiligung an der weltweit zweitgrößten Plattenfirma Sony BMG musste bei Umsatz und Ertrag Einbußen hinnehmen. Nach 127 Millionen Euro im Vorjahr konnte die vom ehemaligen Bertelsmann-Vorstand Rolf Schmidt-Holtz geleitete Sony BMG nur 90 Millionen (minus 29 Prozent) zum operativen Gewinn der Muttergesellschaft beisteuern. Der Umsatzbeitrag des stark von Piraterie und illegalen Downloads beeinträchtigten Tonträgergeschäftes sank von 1,75 auf 1,65 Milliarden Euro. "Bei Sony BMG ist es so, dass wir an dieser Beteiligung definitiv festhalten", sagte der für die Musik zuständige Bertelsmann-Vorstand Thomas Rabe. Er bekannte jedoch auch: "Wir haben ein manifestes Marktproblem und wir gehen davon aus, dass sich dieses Marktproblem fortsetzen wird."

Moderates Wachstum für 2007

Der Schuldenstand des Konzerns belief sich Ende des Jahres auf 6,8 Milliarden Euro und lag damit um rund 2 Milliarden Euro unter dem Wert, der zur Jahresmitte erreicht war. Damals hatte Bertelsmann eine Minderheitsbeteiligung des belgischen Investors Groupe Bruxelles Lambert in Höhe von 25,1 Prozent für 4,5 Milliarden Euro zurückgekauft.

Der zum Jahresende an die Spitze des Aufsichtsrates wechselnde Thielen kündigte für das laufende Jahr ein moderates Wachstum für den Gesamtkonzern an. "Wir werden 2007 größer sein als 2006", sagte Thielen. Es werde aber keine Wachstumssprünge geben. Ziel für die nächsten Jahre sei es, regional neue Märkte zu erschließen und organisches Wachstum zu generieren. Vor allem aber müssten neue Geschäftsfelder erschlossen und die Digitalisierung in der Medienbranche wie etwa mobiles Fernsehen oder soziale Netzwerke im Internet verwirklicht werden. Die Internetaktivitäten sollen jedoch vorerst in den sechs Geschäftsbereichen bleiben und nicht in einer eigenen Sparte gebündelt werden. (tso/dpa)

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