"Wir prüfen eine deutsche Cloud für den Mittelstand"

Seite 2 von 4
Microsoft-Deutschlandchef im Interview : "Wir geben keine Daten an US-Geheimdienste"
Bevor er zu Microsoft kam, arbeitete Illek unter anderem für Dell und die Telekom.
Bevor er zu Microsoft kam, arbeitete Illek unter anderem für Dell und die Telekom.Foto: Mike Wolff

Die Telekom und andere Anbieter haben die "E-Mail made in Germany" entwickelt, bei der die Daten immer verschlüsselt sind. Wollen Sie sich an dem Konzept beteiligen?

Wichtig ist, dass die Verschlüsselung der einzelnen Mailsysteme kompatibel ist. Wenn ich von T-Online zu Hotmail oder Outlook eine verschlüsselte Mail schicken will, muss das möglich sein. Wir sind daher in Gesprächen mit diesen Anbietern.

Und was halten Sie von der Idee einer deutschen Cloud?

Dieses Konzept greift zu kurz. Wir brauchen zuerst einmal eine europäische Datenschutzverordnung, die von 28 EU-Ländern umgesetzt wird. Derzeit sind wir permanent mit lokalen Gegebenheiten beschäftigt, die untereinander nicht kompatibel sind. Bei unseren Großkunden erfreuen sich die klassischen Microsoft-Produkte, die in unseren Rechenzentren in Irland oder den Niederlanden betrieben werden, immer größeren Zuspruchs. Aber für den deutschen Mittelstand ist das offensichtlich noch nicht gut genug. Da scheint es einen Markt für Clouddienste zu geben, die aus einem deutschen Rechenzentrum heraus angeboten werden und die dann deutschem oder europäischem, aber eben nicht amerikanischem Recht unterliegen. Da ist in Deutschland die Tonalität eine andere als in Großbritannien oder den USA.

Werden Sie dem Wunsch entsprechen und eine deutsche Cloud für den Mittelstand anbieten?

Das haben wir noch nicht abschließend geklärt, aber wir prüfen das derzeit. Der einfachste Weg wäre eine Lösung, bei der die Daten bei einem Partner gehostet werden. Die Datenverwaltung und das Management würde also bei einem deutschen Partner liegen. Ob und wann es dazu kommen wird, kann ich aber nicht sagen.

Die Daten wären dann vor dem Zugriff der US-Behörden geschützt, weil der deutsche Partner sie verwaltet?

Ganz genau.

Sprechen Sie da auch mit der Telekom?

Wir sprechen mit verschiedenen Anbietern.

Seit Februar ist Satya Nadella Chef von Microsoft, wie haben Sie ihn erlebt?

Satya Nadella ist ein sehr zurückhaltender Mensch, der extrem gut zuhört. Aber er ist dennoch sehr entscheidungsstark. Es ist das erste Mal, dass Microsoft eine so tiefgreifende Restrukturierung angekündigt hat, ohne einen externen Impuls wie etwa die Finanzkrise einer war.

Was macht Nadella anders?

Er hat eine ganze Reihe von Veränderungen eingeführt. Früher war der Kern von Microsoft das Betriebssystem. Damit haben wir unser Geld verdient. Heute geben wir das Betriebssystem bei Smartphones und Tablets kostenfrei an die Hersteller ab. Wir kannibalisieren ganz bewusst unseren Profitpool, um Marktanteile zu gewinnen und mit anderen Plattformen konkurrieren zu können. Außerdem heben wir die Verknüpfung von Diensten und dem Betriebssystem auf. Auch Apple-Kunden oder Android-Nutzer sollen unsere Produkte bequem verwenden können. Das ist ein Paradigmenwechsel.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

11 Kommentare

Neuester Kommentar