Wirtschaft : Minus 94 Prozent

EADS schreibt fast keinen Gewinn mehr. Schuld ist die Flugzeugtochter. Auch 2007 wird schwierig

Juliane Schäuble

Berlin - Der Flugzeugbauer Airbus kommt auch 2007 nicht aus den roten Zahlen. In diesem Jahr werde trotz stabilen Umsatzes und 440 bis 450 geplanten Flugzeugauslieferungen wiederum ein „substanzieller Verlust“ verbucht. Das teilte Airbus-Chef Louis Gallois am Freitag in München mit. Grund seien die Kosten für die Sanierung, für die Entwicklung der neuen Version des Langstreckenflugzeugs A 350 und des Superjumbos A 380 sowie die anhaltende Dollarschwäche. „Airbus hat das schlimmste Jahr seiner Geschichte erlebt“, sagte Gallois, der mit Thomas Enders auch den Mutterkonzern EADS führt. Deshalb sei an dem Sanierungsplan „Power 8“ mit dem Abbau von 10 000 Stellen nicht zu rütteln. Über Details will das Management nächste Woche mit den Gewerkschaften sprechen.

Zwar lieferte Airbus im vergangenen Jahr die Rekordzahl von 434 Flugzeugen aus, und der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 25,2 Milliarden Euro. Dennoch schloss das europäische Unternehmen mit einem Verlust von 572 Millionen Euro ab – nachdem es im Vorjahr noch 2,3 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet hatte. Die technischen Verzögerungen beim A 380 inklusive der Strafzahlungen an Kunden kosteten 2,5 Milliarden Euro. Zwei Jahre verspätet soll nun der erste Riesenjumbo im Oktober an Singapore Airlines ausgeliefert werden.

Die Krise bei Airbus verdarb wie erwartet auch EADS die Bilanz: Der Nettogewinn des Luft- und Raumfahrtunternehmens schrumpfte von 1,769 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 99 Millionen Euro im vorigen Jahr. Das ist ein Rückgang um 94 Prozent. Das kräftig verbesserte Rüstungs-, Hubschrauber- und Raketengeschäft bewahrte den Konzern jedoch vor dem Abrutschen in die Verlustzone (siehe Kasten). Der Umsatz stieg so um 15 Prozent auf die Rekordhöhe von 39,4 Milliarden Euro.

Überraschenderweise vertagte das Unternehmen eine Entscheidung zur Dividende bis Anfang Mai. Es ist nicht auszuschließen, dass die Eigentümer – darunter die Konzerne Daimler-Chrysler, Lagardère sowie der französische und deutsche Staat – angesichts des drastischen Gewinneinbruchs leer ausgehen. An der Pariser Börse fielen EADS-Aktien um 4,6 Prozent auf 22,60 Euro.

„Unsere Prioritäten für 2007 sind klar: Wir müssen uns operativ weiter verbessern, das Vertrauen in die EADS wieder herstellen und ein schlankeres, dynamischeres Unternehmen formen“, sagten die beiden Konzernchefs Enders und Gallois. Beim größten Auftraggeber für den A 380, der arabischen Fluggesellschaft Emirates, scheint die Botschaft angekommen: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass Airbus die richtigen Schritte eingeleitet hat. Airbus hat verstanden, dass sie etwas verändern müssen“, sagte Airline-Chef Tim Clark. Emirates, eine der am stärksten wachsenden Fluglinien der Welt, hat bereits 45 Superjumbos bestellt. Die ersten sollen im August 2008 geliefert werden.

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