Mittelbrandenburgische Sparkasse : Sparsamkeit der Brandenburger kostet viel Geld

Die Milliardeneinlagen ihrer Kunden machen der Mittelbrandenburgischen Sparkasse auch Probleme: Sie zahlt dafür Verwahrentgelt in Millionenhöhe.

Volle Sparschweine beziehungsweise Sparkonten haben die Kunden der Mittelbrandenburgischen Sparkasse.
Volle Sparschweine beziehungsweise Sparkonten haben die Kunden der Mittelbrandenburgischen Sparkasse.Foto: K.-U. Hler/Fotolia

Andreas Schulz hat ein Milliardenproblem. Konkret geht es um 10,5 Milliarden Euro: So viel Geld haben die Kunden seines Instituts auf ihren Konten liegen. Damit haben sie der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS) 2017 erneut mehr Geld anvertraut als im Jahr zuvor. Um 508 Millionen Euro legte der Bestand der Spareinlagen zu. Einerseits freut das den Sparkassenchef natürlich. „Jeder einzelne Euro davon ist Kundenvertrauen“, sagt er. Andererseits kostet ihn das aber auch ganz schön viel Geld. Genau gesagt: 1,4 Millionen Euro. So viel musste die MBS im letzten Jahr als „Verwahrentgelt“ an die Europäische Zentralbank (EZB) zahlen. Denn die nimmt die Spareinlagen der Banken und Sparkassen nur noch an, wenn die dafür einen Strafzins zahlen. Und bei einem Teil der Einlagen kann Schulz gar nicht anders, als sie zur EZB zu bringen.

Die Alternative wäre das Geld als Kredite an Unternehmen weiterzureichen. Aber dafür fehlt die Nachfrage. In Brandenburg haben die Sparer traditionell mehr Geld auf dem Konto, als die Unternehmen der Region an Krediten brauchen. Von einem Einlagenüberhang spricht man in einem solchen Fall in der Branche. In normalen Zeiten ist das kein Problem. Solange die EZB aber einen Strafzins verlangt, ist das ein Dilemma. Zumal es für Schulz nicht nicht in Frage kommt, die zusätzlichen Kosten als Strafzins an die Privatkunden weiterzugeben. Einen Minuszins soll es auch weiterhin nicht geben. „Das wäre die falsche Antwort“, sagt Schulz. „Das würde Verbrauchern vermitteln, Sparen lohnt sich nicht.“

Großunternehmen müssen einen Strafzins zahlen -. es gibt aber nur wenige

Anders geht der Sparkassen-Chef derweil mit Großunternehmen und institutionellen Anlegern um, die sehr hohe Summen bei ihm parken. Von ihnen kassiert er inzwischen 0,4 Prozent Strafzins, wenn sie mehr als 500000 Euro auf dem Konto haben. Die meisten Firmenkunden – darunter viele Mittelständler – träfe das aber nicht. „97 Prozent unserer Firmenkunden sind nicht betroffen.“ Entsprechend wenig hat Schulz mit seinem Strafzins für Großanleger im letzten Jahr auch eingenommen: Gerade einmal 187000 Euro hat ihm der eingebracht. Immerhin habe das aber etliche institutionelle Anleger abgeschreckt, die eine Bank nur deshalb auswählen, weil sie dort keine Strafzinsen zahlen müssen.

Immerhin: Trotz dieser nicht einfachen Rahmenbedingungen ist es Schulz im letzten Jahr - unter anderem durch höhere Provisionseinnahmen - gelungen, einen  Gewinn zu machen. Das Betriebsergebnis vor Bewertung lag bei 181,9 Millionen Euro. Allerdings geht Schulz nicht davon aus, dass es so positiv weitergeht. „Für dieses Jahr rechnen wir mit einem leicht rückläufigen Ergebnis.“ Zu hoch seien die Anforderungen durch die Regulierung, zu hoch die Kosten für die Digitalisierung. Die Kunden sollen davon aber profitieren: Noch in diesem Jahr will Schulz die Videoberatung in den rund 150 Filialen der MBS einführen. So sollen Experten aus der Zentrale künftig beim Beratungsgespräch vor Ort zugeschaltet werden können. Zweigstellen will er keine schließen.

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