Nach der gescheiterten Übernahme : Wie Kretinsky dem Metro-Management von außen Druck macht

Die feindliche Übernahme ist abgewehrt. Doch der tschechische Milliardär lässt bereits erahnen, dass es für die Metro-Führung nicht unbedingt bequemer wird.

Strippenzieher am Spielfeldrand: Daniel Kretinsky will langfristig bei Metro investiert bleiben.
Strippenzieher am Spielfeldrand: Daniel Kretinsky will langfristig bei Metro investiert bleiben.Foto: dpa

Als klar war, dass er mit seinem Übernahmeangebot scheitern würde, konnte Daniel Kretinsky seine Enttäuschung nicht verbergen. „Es ist wahrlich nicht mein Traum, von der Seitenlinie aus zuzuschauen“, sagte der tschechische Milliardär, der den deutschen Traditionskonzern Metro hatte übernehmen wollen. „Ich hatte mich darauf gefreut, als Teil des Teams die Geschäfte zu leiten.“

Doch als gewiefter Manager wusste er auch diese Situation sogleich wieder in eine gute für sich umzudeuten. „Jetzt müssen sie liefern“, richtete er eine klare Erwartungshaltung an das Metro-Management. Und plötzlich war aus dem auf die Ersatzbank verbannten Reservespieler wieder der Cheftrainer geworden, der seine Spieler vom Spielfeldrand aus genau beobachtet.

Tatsächlich stehen seit dem gescheiterten Verkauf zwei Fragen im Raum: Wie geht es weiter mit Metro? Und welche Rolle wird Kretinsky dabei spielen? Denn nach wie vor bleibt der Tscheche über seine Beteiligungsgesellschaft EP Global Commerce mit 17,5 Prozent der Anteile Großaktionär bei Metro. Mit seinem Übernahmeangebot hatte er mindestens 67,5 Prozent der Aktien übernehmen wollen und dafür 16 Euro je Stammaktie geboten.

Doch sowohl das Metro-Management als auch die Beisheim-Stiftung und die Meridian-Stiftung hatten das als zu niedrig befunden – aus dem Angebot wäre damit eine feindliche Übernahme geworden. Nachdem diese beiden Großaktionäre ihre Anteil also nicht abgeben wollten, war klar, dass Kretinsky die 67,5 Prozent nicht bekommt – und dass das Angebot damit gescheitert ist.

"Sie sind in der Verantwortung"

Kretinsky sieht deshalb nun den Ball im Feld der Metro. Alle, die seine Offerte als zu niedrig abgeschmettert hatten, müssten nun zeigen, dass sie Werte schaffen könnten und dass der Konzern wirklich mehr als 16 Euro pro Aktie wert sei. „Jetzt haben wir einen klaren Richtwert“, so Kretinsky. „Sie sind nun in der Verantwortung und müssen Metro signifikant verbessern.“

Tatsächlich dürfte man bei Metro trotz oder gerade wegen dieser Tonlage froh sein, den eingeschlagenen Weg ohne große Änderungen fortführen zu können. Seit Jahren will CEO Olaf Koch den Konzern zu einem reinen Großhändler verschlanken. Erst wurden Kaufhof, Media Markt und Saturn verkauft; als letztes Standbein im Einzelhandel soll bis Ende September dieses Jahres auch der Supermarkt Real abgestoßen werden. Der Plan sieht vor, dass der Immobilieninvestor Redos Real als Ganzes übernimmt und anschließend der Großteil der 280 Standorte von anderen Händlern weitergeführt wird. Einige Märkte sollen unter der Marke Real weiterlaufen, andere müssen wohl jedoch schließen.

Das wiederum ruft die Gewerkschaft Verdi auf den Plan. „Wir fordern, dass nach dem Verkauf von Real alle Beschäftigten ihren Arbeitsplatz behalten, das gleiche tarifvertragliche Einkommen analog zum Einzelhandelstarifvertrag von Verdi beziehen und dass alle Betriebsräte weiterhin tätig sein können“, sagte Orhan Akman, Handelsexperte von Verdi. „Es darf auf keinen Fall sein, dass Standorte an private Kaufleute bei Edeka oder anderen privatisierten Händlern gehen, die ohne Tarifbindung und Arbeitnehmervertretung sind.“

Um die rund 34.000 Angestellten zu schützen, fordert er sogar staatliches Einschreiten. „Die Politik und das Kartellamt müssen bei diesem Verkauf dringend einschreiten und intensiv draufschauen“, so Akman.

Metro hofft auf eine Milliarde Euro Cash

Doch die Verhandlungen zwischen Metro und Redos laufen dem Vernehmen nach ohnehin zäh. Wie die „Lebensmittel Zeitung“ berichtete, sind sowohl Edeka als auch Rewe nur an so wenigen Märkten interessiert, dass der Real-Konkurrent Kaufland als einziger weiterer Betreiber übrig bleibt. Weil man sich dort aber bislang exklusiv an einen anderen Immobilieninvestor als Redos gebunden hat, stocken die Gespräche.

Kann seinen Kurs fortführen: Metro-Chef Olaf Koch.
Kann seinen Kurs fortführen: Metro-Chef Olaf Koch.Foto: dpa

Darüber hinaus will Metro sein Portfolio im Ausland weiter ausdünnen. In den vergangenen Jahren hatte sich der Konzern bereits aus Großbritannien, Vietnam und Ägypten zurückgezogen, in den kommenden Monaten will man nun auch für das China-Geschäft einen neuen Partner finden und sich auf diesem Weg vermehrt aus der Volksrepublik zurückziehen. Zusammen mit dem Real-Verkauf soll dieser Schritt rund eine Milliarde Euro in die Kassen von Metro spülen.

Doch an dem China-Deal wird bereits deutlich, dass Kretinsky kein Stiller Beobachter bleiben wird. „Der faire Wert hat mit dem von Koch verkündeten Betrag nichts zu tun“, macht er Druck. „Wenn Metro sein China-Geschäft für diese Summe verkaufen würde, wäre das fatal.“ Was ein angemessener Betrag wäre, sagte er allerdings nicht. Er machte aber klar, dass er sich trotz der gescheiterten Übernahme als langfristiger Investor sieht. Auch einen Sitz im Aufsichtsrat für EP Global Commerce will er haben, im Februar auf der Hauptversammlung gibt es dafür die nächste Gelegenheit. Er selbst werde diesen allerdings nicht bekleiden können, fügte er an.

Grundsätzlich schloss er sogar ein neues, höheres Angebot nicht aus. Allerdings nicht in naher Zukunft. Nach derzeitiger Lage hätte eine höhere Bewertung von Metro den Ergebnisdruck so sehr gehöht, dass Kretinsky das nicht hätte verantworten wollen, so seine Erklärung. Wie es bei einer positiven Geschäftsentwicklung oberhalb seiner Erwartungen aussähe, lies er allerdings offen. Und so heißt es für Koch: Je erfolgreicher das Geschäft, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der ungeliebte Investor mit einem neuen Angebot anklopft.

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