Nach Tiktok, Huawei und Tencent : Welche chinesischen Firmen jetzt in Trumps Fokus rücken könnten

Bei Tiktok zeigt der Druck aus den USA Wirkung: Der Chef geht. Andere Firmen bereiten sich bereits darauf vor, von den USA sanktioniert zu werden.

Ning Wang
Viele Anwendungsgebiete. Auch in der Landwirtschaft werden die Drohnen von DJI eingesetzt.
Viele Anwendungsgebiete. Auch in der Landwirtschaft werden die Drohnen von DJI eingesetzt.Foto: REUTERS

Bisher waren es vor allem die großen Fische. Huawei, weil der chinesische Telekomausrüster führend beim Mobilfunkstandard 5G ist. Tiktok, das zu großen Einfluss bei den Jugendlichen gewonnen hat und bei dem nicht geklärt ist, ob Peking jederzeit Zugriff auf die Daten der Bytedance Tochter in den USA bekommen würde.

Dann Tencent mit der Super-App Wechat, da die Investitionen des chinesischen Technologieriesen zu verwoben sind mit der US Sport- und Videospieleindustrie. Aber auch, weil Tencent durch Investitionen in Tesla an der Entwicklung von Batteriezellen beteiligt ist.

Diese Firmen standen bislang im Fokus des Zorns von Donald Trump – und damit im Rampenlicht. Dass die Drohungen des US-Präsidenten durchaus nicht wirkungslos bleiben, zeigt die aktuelle Entwicklung bei Tiktok. In der Nacht zu Donnerstag hatte der erst im Juni angetretene Chef Kevin Mayer seinen Rücktritt erklärt.

Das politische Umfeld habe sich jüngst „drastisch verändert“, begründete er seinen Schritt. Daher habe er sich „schweren Herzens entschlossen, das Unternehmen zu verlassen“. Auch Tiktok verwies auf die „politische Dynamik“. Die Videoplattform hatte am Montag Klage bei einem Bundesgericht in Kalifornien gegen das Anfang August von Trump unterzeichnete Dekret eingereicht, das auf ein Verbot von Tiktok ab Mitte September hinausläuft.

Nicht mehr nur Strafzölle

Die Entkoppelung der USA von China findet nun schon seit geraumer Zeit statt. Es geht nicht mehr nur um Strafzölle. Vor allem die chinesische Digitalwirtschaft trifft es nun besonders hart. Und neben Huawei, Tiktok und Tencent trifft das auch ander Konzerne, die nicht so bekannt, auf ihrem Gebiet aber häufig führend sind.

Die Video-App Tiktok wehrt sich mit Klage gegen Trump-Erlass.
Die Video-App Tiktok wehrt sich mit Klage gegen Trump-Erlass.Foto: dpa

So wie DJI. Da Jiang Innovations Science and Technology, kurz DJI hatte es in kürzester Zeit zum führenden Drohnenbauer weltweit geschafft. Wegen der US-Sanktionen gegen chinesische Technologiefirmen soll DJI laut Reuters in den vergangenen Monaten seine Belegschaft im internationalen Vertrieb und Marketing gekürzt haben.

Statt einst 180 Angestellte, sind es nur noch 60 Mitarbeiter. Insgesamt hatte das 2006 gegründete Unternehmen aus Hangzhou weltweit zuletzt 14.000 Angestellte.

DJIs Drohnen sind weltweit im Einsatz

DJI kontrolliert laut dem Martkforschungsunternehmen Frost & Sullivan mehr als 70 Prozent des Marktes für Verbraucher- und Industriedrohnen, der in diesem Jahr einen Wert von 8,4 Milliarden US-Dollar erreichen wird. Die ersten Modelle von DJI, wie die Phantom 3-Drohne, hatte schon vor fünf Jahren den Markt für Luftaufnahmen, mit seiner schwenkbaren Kamera aufgemischt.

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Auch Hollywood profitierte von DJI-Drohnen, weil sie die kostspieligen Hubschraubereinsätze ersetzen können. In der Landwirtschaft werden sie zur Unkrautbekämpfung eingesetzt und Arbeitsabläufe optimiert. Bei Waldbränden oder der Überprüfung von undichten Rohren in Raffinerien, und bei der Erstellung von 3D-Karten für Bauprojekte kommen die Produkte aus China ebenfalls zum Einsatz.

So hatte das US-Innenministerium bis Januar noch bis zu 800 Drohnen von DJI bei Waldbränden oder Überschwemmungen eingesetzt. Aufgrund der Amerika- First-Politik von Trump bleiben die Drohnen allerdings vorerst am Boden. Stattdessen soll die heimische Produktion von Drohnen unterstützt werden. Auch das US-Militär musste seine DJI-Drohnen wegen Sicherheitsbedenken aus dem Verkehr nehmen.

Firmen meiden Europa wegen Huawei

Auf der Liste von Unternehmen, deren Einfluss in den USA unterbunden werden soll, steht als nächstes kein geringerer als der E-Commerce-Konzern Alibaba. Aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz hatte die US-Regierung schon im Oktober vergangenen Jahres eine Reihe von chinesischen Unternehmen auf eine Schwarze Liste gesetzt.

Eines davon, SenseTime, wird beschuldigt, die Verfolgungskampagne der Kommunistischen Partei Chinas gegen uigurische Muslime ermöglicht zu haben. Die Firma soll zuletzt über eine Europa-Expansion nachgedacht. Doch nachdem Huawei vor gut einem Monat in Großbritannien endgültig vom Ausbau des 5G-Netzes ausgeschlossen worden war, wurden diese Pläne auf Eis gelegt.

Sensetime ist mit einem Wert von fast 6,64 Milliarden Euro das weltweit wertvollste Start-up für künstliche Intelligenz. Seine Technologie wird bisher bei Gesichtserkennungtechnologien und in fahrerlosen Autos eingesetzt.

Auswirkungen auch in Taiwan

Wegen des Handelsstreits befürchten auch Unternehmen aus Taiwan, zwischen die Fronten des US-Chinesischen Technologiekrieges zu geraten und versuchen Schadensbegrenzung zu betreiben. So hat Catcher Technology aus Taiwan, ein Anbieter von Metallgehäusen für iPhones vergangene Woche verkündet, seine beiden Produktionsstandorte in China an das chinesische Unternehmen Lens Technology zu verkaufen. Catcher Technology suchte zuletzt nach Alternativen zu seinen Produktionsstandorten in China und Apple arbeitet aufgrund des Handelsstreits an einer rein chinesischen Lieferkette.

Die Deutsche Bank geht davon us, dass Umsatzverluste in China, die Kosten für den Wegzug von Produktionsstätten aus China und die Einhaltung zunehmend unterschiedlicher Standards die globalen Technologieunternehmen in den nächsten fünf Jahren insgesamt 3,5 Billionen US-Dollar kosten könnten. Ein großer Teil dieser Belastung würde auf amerikanische Firmen entfallen, so die Experten.

Jüngst weitete sich der derzeitige Technologiekrieg auch noch auf den Finanzbereich aus. Der US-Finanzminister Steven Mnuchin drohte, chinesische Unternehmen an den US-Börsen zu delisten, sollten sie nicht bis Ende nächsten Jahres die US-amerikanischen Rechnungslegungsstandards einhalten können. Davon wären nicht nur Alibaba oder Baidu betroffen, sondern vor allem chinesische Staatsunternehmen wie Petrochina oder China Telecom.

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