Nach Tod des Journalisten Khashoggi : Wie halten es deutsche Unternehmen mit Riad?

Im Schatten des Khashoggi-Skandals findet in Saudi-Arabien eine Wirtschaftskonferenz statt. Nach zahlreichen Absagen ist unklar, wer überhaupt noch teilnimmt.

Saudische Mitarbeiter drucken Badges von Teilnehmern der "Future Investment Initiative" Konferenz.
Saudische Mitarbeiter drucken Badges von Teilnehmern der "Future Investment Initiative" Konferenz.Foto: dpa

Als gäbe es um die Konferenz „Future Investment Initiative“ in Saudi Arabien nicht schon genug Ärger, war am Montag ein weiteres Problem hinzugekommen. Einen Tag vor dem Start war die Internetseite der Konferenz offenbar gehackt worden. Auf der Homepage wurden Botschaften angezeigt, in denen die Rolle Riads im Jemen-Konflikt kritisiert und das Königreich der Terrorfinanzierung beschuldigt wurde. Die Seite ging später offline. Seit Dienstag ist dort nur noch ein Livestream der Konferenz zu sehen, von allen zuvor verfügbaren Angaben, etwa vom Programm oder der Rednerliste, fehlt jede Spur.

Möglicherweise ist das den Organisatoren aber ja sogar ganz recht. Denn die Rednerliste hatte zuletzt stark an Prominenz eingebüßt. In Reaktion auf den Tod des im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul getöteten Journalisten Jamal Khashoggi hatten zahlreiche internationale Gäste ihre Teilnahme abgesagt, so etwa die Vorsitzende des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, US-Finanzminister Steven Mnuchin und am Montag auch Siemens-Chef Joe Kaeser.

Das alles führte dazu, dass am Dienstag kaum noch nachzuvollziehen war, wer überhaupt an der Konferenz noch teilnimmt. Deutsche Unternehmen sind auf der Rednerliste wohl nicht mehr vertreten. Am 3. September, als die Internetseite noch funktionierte, waren fünf Speaker aus Deutschland aufgeführt. Sowohl der Roland-Berger-Chef Charles-Edouard Bouée als auch Christian Sewing, CEO der Deutschen Bank, haben ihre Teilnahme aber abgesagt, ebenso wie Kaeser und auch der Chef von Siemens-Healthcare, Bernd Montag.

Eigentlich wollte Saudi-Arabien sich weltoffen zeigen

Ralf Reichert, Chef des Esports-Unternehmens ESL, sollte ursprünglich ebenfalls in Riad sprechen. Er habe seine Teilnahme wegen Terminproblemen aber schon abgesagt, „bevor sich die Situation um Khashoggi entwickelte“, wie ESL auf Nachfrage des Tagesspiegels mitteilte.

Ursprünglich hatte Saudi-Arabien mit einer internationalen Teilnehmerliste ein Signal für die Weltoffenheit der eigenen Wirtschaft setzen wollen. Auf der Rednerliste hatten mit Stand vom 15. Oktober 58 Gäste aus den USA, 16 aus Großbritannien und neun aus Frankreich gestanden. Berichten zufolge kommt der Großteil der Gäste nun aber aus dem Mittleren Osten.

Unbeeindruckt davon hat Saudi-Arabien am Dienstag Geschäfte mit Investoren in Höhe von mehr als 50 Milliarden Dollar abgeschlossen. Erste Verträge wurden in den Bereichen Öl, Gas und Verkehr geschlossen, wie das staatliche Fernsehen berichtete. Mit von der Partie unter anderem: Südkoreas Autobauer Hyundai, der amerikanische Ölfeldausrüster Schlumberger sowie der französische Ölkonzern Total. Allein der saudische Energie-Riese Aramco soll 15 Abkommen im Wert von mehr als 30 Milliarden Dollar abschließen.

Viele Firmen sind geschäftlich mit Saudi-Arabien verbunden

Bereits im April hatte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman in Paris einen Teil der nun in Riad abgeschlossenen Geschäfte eingefädelt. Er traf Vorabsprachen mit Total und anderen französischen Firmen über geplante Abkommen im Volumen von zwölf Milliarden Dollar.

Für viele Unternehmen stellt der Fall Khashoggi eine schwierige Situation dar, da sie bereits in engen Geschäftsbeziehungen mit Saudi-Arabien stecken. Die Konferenz wird hauptsächlich vom saudischen Staatsfonds PIF getragen, der mit einer größeren Transparenz des Königreichs und Investitionsmöglichkeiten wirbt. Über seine Beteiligung an dem von dem japanischen Technologie-Konzern Softbank aufgelegten Technologiefonds Vision Fund hat Saudi-Arabien bei einer Vielzahl von zukunftsträchtigen Firmen einen Fuß in der Tür: Riad steuerte fast die Hälfte des Geldes zum Aufbau des mehr als 93 Milliarden Dollar schweren Fonds zu, der Beteiligungen an Technologiekonzernen wie dem Amazon-Konkurrenten Alibaba, dem Fahrdienst-Vermittler Uber und dem US-Mobilfunker Sprint umfasst.

Saudi-Arabien will eine Vielzahl der an dem Fonds beteiligten Firmen in das Königreich locken und winkt dabei auch mit Milliardenprojekten in der Solarbranche. Softbank-Chef Masayoshi Son hat seine Rede auf der Konferenz allerdings ebenfalls abgesagt, wie eine mit der Sache vertraute Person sagte.

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