Naturkatastrophen : Dürre im Nordosten, Starkregen im Süden Deutschlands

Das Wetter teilt Deutschland. Weltweit sind die Naturkatastrophen im ersten Halbjahr aber deutlich zurückgegangen, sagt die Munich Re.

Zu viel Sonne: Die Bauern befürchten Totalausfälle für das Getreide.
Zu viel Sonne: Die Bauern befürchten Totalausfälle für das Getreide.Foto: Patrick Pleul/dpa

Sturzfluten im Süden und Westen Deutschlands, Hitze und Trockenheit im Nordosten des Landes. Für die Bauern ist das ein Riesenproblem, aber auch für die Versicherer. Weil die Getreideernte im Norden und Osten Deutschlands, aber auch in Dänemark sowie Teilen Polens, des Baltikums, der Balkanländer und Skandinaviens sehr schlecht ausfallen wird, werden Einbußen bis hin zu Totalausfällen befürchtet. Bauern, die sich gegen die Ernteausfälle versichert haben, wenden sich dann an ihre Versicherung.

Starkregen verursacht Schäden von 1,6 Milliarden Euro

Während die Munich Re, der weltgrößte Rückversicherer, noch nicht abschätzen kann, wie hoch die Schäden durch die Missernten ausfallen werden, lässt sich das Ausmaß von Extremniederschlägen besser berechnen. Gewitter und Sturzfluten, die im Mai und Juni Teile von Deutschland und Frankreich heimgesucht haben, haben Schäden von 1,6 Milliarden Euro nach sich gezogen, teilte der Versicherungskonzern am Mittwoch mit. Auf die Versicherer entfielen davon gut 900 Millionen Euro.

Schäden durch Naturkatastrophen gehen zurück

Ansonsten fällt die Halbjahresbilanz der Munich Re eher erfreulich aus. Naturkatastrophen haben im ersten Halbjahr 2018 weltweit deutlich weniger Schäden verursacht als üblich. Die Gesamtschäden betrugen nach vorläufigen Zahlen rund 33 Milliarden US-Dollar, das ist der niedrigste Stand seit 2005. Davon waren 17 Milliarden US-Dollar versichert, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mussten die Versicherer 8,5 Milliarden Euro weniger zahlen. 3000 Menschen kamen bei Naturkatastrophen in den ersten sechs Monaten des Jahres ums Leben, im Vorjahr waren es noch 5540 gewesen. Mehr als 100 Menschen verloren in Guatemala ihr Leben, als im Juni der Vulkan Fuego ausbrach. Der Oman wurde Ende Mai vom Zyklon Mekunu getroffen, dem stärksten jemals auf der arabischen Halbinsel registrierten tropischen Wirbelsturm, 30 Menschen starben. Dennoch gibt es eine gute Nachricht: Die Zahl der Todesopfer durch Naturkatastrophen sinkt kontinuierlich. Der langfristige Durchnitt liegt bei 28.000 Menschen. Dass die Zahl abnimmt, dürfte an besseren Vorhersage- und Schutzsystemen liegen.

Wintersturm Friederike legte im Januar den Bahnverkehr lahm.
Wintersturm Friederike legte im Januar den Bahnverkehr lahm.Foto: Guido Kirchner/dpa

Friederike legt Bahnverkehr lahm

Woran sich kaum noch jemand erinnert: Während Deutschland seit Wochen von einer Hitzewelle gepackt wird, hatte der Winter Europa und Nordamerika noch bis weit in den März hinein fest im Griff. Den größten Schaden richtete der Wintersturm Friederike an, der Mitte Januar mit Windgeschwindigkeiten von 150 km/h über das Flachland und 200 km/h in den Bergen fegte. Tausende Gebäude und Autos wurden in Großbritannien, Nordfrankreich, den Beneluxländern und Deutschland beschädigt. In Deutschland wurde der Zugverkehr eingestellt. Der Gesamtschaden belief sich auf 2,7 Milliarden US-Dollar (2,2 Milliarden Euro), davon waren 1,7 Milliarden Euro versichert. Etwa zwei Drittel der Schäden entfielen auf Deutschland.

Ist das der Klimawandel?

Kalte Winter, heiße Sommer, ist das jetzt normal? Ernst Rauch, Klimaexperte der Munich Re, will diese Extreme nicht auf den Klimawandel zurückführen. "Aber: Klimamodell-Studien zeigen, dass ein künftiger Effekt der Temperaturzunahme häufigere Hitze- und Trockenperioden sowie intensivere konvektive Starkniederschläge sind. Die Wetterabläufe passen also grob in das Muster, das der Klimawandel für die Zukunft noch häufiger erwarten lässt.“

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