Neue Strafzölle und Arbeitsplatzabbau : Die großen Baustellen von Airbus

Vergangene Woche überraschte Airbus mit schlechten Geschäftszahlen, jetzt droht Trump neue Strafzölle an. Der Konzern steht vor großen Herausforderungen.

Baustelle Airbus: Die Finanzen stimmen nicht beim europäischen Luffahrtkonzern.
Baustelle Airbus: Die Finanzen stimmen nicht beim europäischen Luffahrtkonzern.Foto: dpa

Als Boeing Ende Woche miserable Geschäftszahlen vorlegte, dachte man, der Krisenprimus der Branche sei identifiziert. Dem Flugverbot der defekten 737 Max sei Dank. Doch auch der europäische Konkurrent hat derzeit mit zahlreichen Problemen zu kämpfen.

Das erste ist ein politisches - das allerdings zu einem wirtschaftlichen werden könnte. Die USA haben eine Erhöhung der Strafzölle auf Airbus-Flugzeuge von derzeit zehn auf 15 Prozent angekündigt. Dies trete am 18. März in Kraft, teilte das Büro des US-Handelsbeauftragten am Freitag (Ortszeit) mit. Das Unternehmen bedaure die Entscheidung, erklärte der europäische Flugzeugbauer am Samstag und betonte, diese erhöhe die Spannungen in Handelsfragen zwischen den USA und der EU. Die EU-Kommission sprach sich für eine Verhandlungslösung aus.

Deutschland und Frankreich warten ab

Angesichts eines bereits bestehenden Flugzeugmangels durch Flugverbote von Maschinen des US-Konzerns Boeing verwies Airbus darauf, dass die Erhöhung der Strafzölle auch "weitere Instabilität für US-Fluggesellschaften" erzeugen könne. "Airbus wird seine Gespräche mit seinen US-Kunden fortsetzen und mit ihnen zusammenarbeiten, um die Auswirkungen der Zölle so weit wie möglich abzuschwächen", hieß es in der Erklärung des europäischen Konzerns.

"Wir sollten uns darüber nicht allzu viele Sorgen machen. Die Flugzeuge, die wir in den USA verkaufen, werden praktisch alle auf amerikanischem Boden hergestellt", sagte ein Vertreter der französischen Gewerkschaft Force Ouvrière (FO) der Nachrichtenagentur AFP. Der Konzern umgehe somit die "verheerende Wirkung", welche die Strafzoll-Erhöhung hätte haben können.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin teilte am Samstag mit, das Ministerium nehme die Ankündigung aus den USA "zur Kenntnis" und werde sich mit der EU-Kommission und europäischen Partnern "eng austauschen". "Unsere generelle Haltung ist klar: Wir lehnen einseitige Zollerhöhungen ab. Zölle schaden am Ende allen, auch den USA. Wir brauchen weniger Zölle, nicht mehr Zölle", hieß es in der Erklärung des Ministeriums. Im jahrelangen Streit zwischen den USA und der EU um Staatsbeihilfen für Airbus und Boeing hatte Washington im Oktober Strafzölle auf EU-Produkte im Umfang von 7,5 Milliarden Dollar in Kraft gesetzt.

Arbeitsplatzabbau in Rüstungssparte

Das zweite Problem liegt in der Rüstungssparte von Airbus. Hier sollen kommende Woche Verhandlungen über einen Stellenabbau beginnen. "Wir gehen in Kürze in das erste Gespräch mit dem europäischen Betriebsrat", kündigte der Chef von Airbus Defence and Space, Dirk Hoke, in einem am Samstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters an.

Danach würden die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen in den einzelnen Ländern starten. Der Manager wollte sich nicht dazu äußern, wie viele Stellen der Konzern streichen will. "Die Betriebsräte wissen, dass ich um jeden Arbeitsplatz kämpfen werde. Wir werden nicht mit unverhältnismäßigen Zahlen kommen", erklärte Hoke. Es würden aber keine Standorte bevorzugt.

"Wir werden das natürlich an der Auslastungslage plus an der zukünftigen Pipeline an Projekten festmachen", sagte Hoke. "Hier muss man auch immer wieder ganz klar in Richtung der jeweiligen Landespolitiker sagen, dass die Standortsicherung, die viele immer verlangen, natürlich auch von Projekten abhängt. Insofern kann man natürlich sehr stark mitsteuern, wenn man Projekte nicht verzögert, sondern zügig freigibt." In der Rüstungssparte hatten sich Aufträge immer wieder verschoben.

Doppelt so viel Minus wie Boeing

Der Streit um das Militär-Transportflugzeug A400M und der Rüstungsexportstopp nach Saudi-Arabien belasten die Sparte ebenfalls. Das zyklische Raumfahrt-Geschäft läuft schleppend. Von den konzernweit 134.000 Mitarbeitern arbeiten 34.000 bei Airbus Defence and Space, knapp 13.000 von ihnen in Deutschland.

Überdies war die Bilanz 2019 auch bei Airbus überraschend schlecht. Das Minus fiel sogar doppelt so hoch aus wie bei Boeing, wie am Freitag bekannt wurde. Hauptgrund für das Negativergebnis von 1,4 Milliarden Euro ist aber nicht das operative Geschäft, sondern Strafzahlungen in Frankreich, Großbritannien und den USA wegen Bestechung und Korruption in Höhe von 3,6 Milliarden Euro. Die Rückstellung des A400M und der Rüstungsstopp nach Saudi-Arabien wurden ebenfalls als Gründe genannt. (AFP/rtr/mum)

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