Neuer Ankeraktionär für Wirecard : Softbank will 900 Millionen Euro investieren

Der renommierte japanische Technologieinvestor soll bei der Expansion des deutschen Finanzdienstleisters in Asien helfen.

Die Zentrale der Wirecard AG in Aschheim bei München.
Die Zentrale der Wirecard AG in Aschheim bei München.Foto: Michael Dalder/Reuters

Der japanische Technologieinvestor Softbank will 900 Millionen Euro in den unter Druck stehenden digitalen Zahlungsabwickler Wirecard stecken. Beide Unternehmen unterzeichneten eine entsprechende verbindliche Grundsatzvereinbarung, wie Wirecard am Mittwoch mitteilte. Demnach ist eine „strategische Partnerschaft“ bei der Expansion des deutschen Finanzdienstleisters nach Japan und nach Südkorea geplant. Auch im Bereich der digitalen Kreditvergabe wolle man zusammenarbeiten. Die Nachricht führte am Mittwochmorgen zu einem Kurssprung der Wirecard-Aktie um 10 Prozent.

Softbank will die rund 900 Millionen Euro im Rahmen einer Wandelschuldverschreibung in Wirecard investieren. Nach Ablauf von fünf Jahren soll die Anleihe in gut 6,9 Millionen Aktien zu einem Preis von 130 Euro je Stück gewandelt werden. Die Zahl der Aktien entspricht rund 5,6 Prozent des Grundkapitals von Wirecard. Die Hauptversammlung soll über den Plan am 18. Juni entscheiden.

Softbank ist unter anderem an Alibaba, Uber und Auto1 beteiligt

Softbank gehört zu den 50 größten Technologieunternehmen weltweit. Die Holding ist mittlerweile an mehr als 1000 Tochtergesellschaften beteiligt, darunter der amerikanische Mobilfunker Sprint (83 Prozent Anteil), Yahoo Japan (48 Prozent) und Alibaba (29 Prozent). Über den eigenen Vision Fund – ein mit 100 Milliarden Dollar ausgestatteter Beteiligungsfonds – hält Softbank Anteile an dem Fahrdienst Uber (9 Milliarden Dollar) und Didi, dem chinesischen Uber-Klon. Klangvolle Namen wie Chipentwickler Nvidia und der IP-Dienstleister ARM befinden sich im Portfolio der Japaner. In Deutschland ist die Softbank seit 2018 an der Berliner Start-up Auto 1 beteiligt. Für eine Summe von 460 Millionen Euro erhielten die Japaner ein Fünftel des Unternehmens, das online Autos verkauft.

Wirecard war im September in den Dax aufgestiegen. Das Unternehmen wurde 1999 gegründet und konzentrierte sich schnell auf den Zahlungsverkehr im Internet. Zu den ersten Kunden gehörten vor allem Kasinos und Porno-Seiten, weil sie den Onlinehandel auch nutzten. Seitdem kamen aber viele Kunden aus anderen Branchen hinzu - Aldi und Tui etwa, außerdem die Lufthansa oder O2.

Seit Januar ging die Aktie wegen Betrugsvorwürfen auf Achterbahnfahrt

Das Unternehmen rechnet damit, dass das digitale Bezahlen weltweit kräftig wachsen wird. Wirecard bekommt eine Provision dafür, dass es Geld vom Endkunden an den Anbieter weiterleitet, und übernimmt dabei die Garantie. Seit Ende Januar befindet sich Wirecard im Zentrum von Betrugsvorwürfen. Die britische „Financial Times“ berichtete wiederholt über vorgetäuschte Umsätze und gefälschte Verträge bei Wirecard in Singapur. Wirecard weist die Anschuldigungen als verleumderisch zurück. Nach den Berichten ging die Aktie auf Achterbahnfahrt.

Mitte Februar verbot die Finanzaufsicht Bafin weitere Spekulationen auf fallende Kurse, „weil sie das Marktvertrauen in Deutschland ernsthaft bedrohen“. Das Verbot hob die Behörde am Donnerstag vor Ostern auf. (Tsp, AFP, dpa)

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