Neuer Weltbank-Chef : Trumps Wunschkandidat ist David Malpass

US-Präsident Donald Trump hat den bekennenden Weltbank-Kritiker David Malpass als Kandidaten für den Chefposten der internationalen Institution nominiert.

US-Finanzstaatssekretär David Malpass (links) ist von Präsident Donald Trump als neuer Weltbank-Chef vorgeschlagen worden.
US-Finanzstaatssekretär David Malpass (links) ist von Präsident Donald Trump als neuer Weltbank-Chef vorgeschlagen worden.Foto: REUTERS

Über die brisante Personalie war bereits spekuliert worden, am Mittwochnachmittag bestätigte US-Präsident Donald Trump dann: Sein Kandidat für die Nachfolge von Jim Yong Kim an der Spitze der Weltbank heißt David Malpass. Kim war zu Beginn des Jahres überraschend zurückgetreten, mehr als drei Jahre vor dem eigentlichen Ende seiner zweiten Amtszeit, um für eine private Investmentgesellschaft zu arbeiten.

Die Personalie ist deshalb brisant, weil von Malpass, der seit September 2017 als Finanzstaatssekretär für internationale Angelegenheiten zuständig ist, mehrere Äußerungen bekannt sind, in denen er die Weltbank scharf kritisiert hat. So erklärte er im November 2017 vor einem Kongressausschuss, die Kreditvergabepraxis von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) sei häufig "korrupt". Internationale Institutionen gäben zwar "viel Geld" aus, seien in ihrer Arbeitsweise aber "nicht sehr effizient". Anders als behauptet kämen ihre Wohltaten oft nicht Menschen in Entwicklungsländern zu gute, sondern nutzten jenen, die mit "Erste-Klasse-Tickets" angeflogen kämen, um die Regierungen vor Ort zu beraten. Mit solch eher undiplomatischen Aussagen hat er sich das Wohlgefallen des Präsidenten eingebracht, der internationalen Organisationen generell skeptisch gegenübersteht und angekündigt hat, das Engagement der USA in diesen auf den Prüfstand zu stellen.

Malpass will die Weltbank reformieren

Die Weltbank wurde kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs gegründet, um den Wiederaufbau Europas voranzubringen. Heute ist die Kernaufgabe der aus fünf Organisationen bestehenden Weltbankgruppe, die Armut in der Welt zu bekämpfen und die Lebensbedingungen in den Entwicklungsländern zu verbessern.

Malpass gilt als entschiedener Befürworter einer Reform der Weltbank. So ist er beispielsweise dafür, Länder wie China neu zu bewerten und ihnen weniger Kredite zu geben. Denn die Volksrepublik bekomme ja auf den Märkten genügend Geld. Aus seiner jetzigen Position im Finanzministerium heraus drückte er im vergangenen Jahr bereits ein Reformpaket bei der Weltbank durch, das Kredite für Länder mit höherem Einkommen wie China begrenzt und teurer macht.

Er gilt als China-Hardliner

Mit dem Thema China kennt der 62-Jährige sich aus, er gilt in dieser Frage als Hardliner. Im Januar reiste er als Mitglied der US-Delegation nach China, um Trumps Handelsstreit mit der Volksrepublik zu entschärfen und den Rahmen für die bilateralen Gespräche der vergangenen Woche zu setzen. Er werde vorerst auch weiterhin bei diesen Gesprächen eine Rolle spielen und etwa mit dem Handelsbeauftragten Robert Lighthizer in der kommenden Woche zur nächsten Gesprächsrunde nach Peking reisen, erklärte ein hochrangiger Regierungsmitarbeiter in einer Telekonferenz am Mittwoch. Dass China über einen künftigen Weltbank-Chef Malpass besonders begeistert ist, ist unwahrscheinlich. Die Trump-Regierung wirft Peking unter anderem unfaire Handelspraktiken, erzwungene Technologietransfers und den Diebstahl geistigen Eigentums vor und hat Strafzölle auf diverse Importe aus China verhängt, auf die China wiederum mit Gegenzöllen antwortete.

Malpass, der aus Michigan stammt und Wirtschaft an der Washingtoner Georgetown-Universität studierte, hatte bereits unter den früheren republikanischen Präsidenten Ronald Reagan und George H.W. Bush Posten im Finanzministerium inne. Ab 1993 arbeitete er bei der Investmentbank Bear Stearns, sechs Jahre davon als Chefökonom, bis die Bank zu Beginn der weltweiten Finanzkrise 2008 zusammenbrach. Malpass gründete danach seine eigene Wirtschaftsanalyse-Firma. Doch seine Positionen und Vorhersagen waren schon vorher umstritten. Noch 2007 und damit inmitten der Immobilienblase schrieb Malpass in einem Beitrag für das "Wall Street Journal", "der Immobilienmarkt und die Verschuldung spielen für die US-Wirtschaft keine so wichtige Rolle".

Seine Kritiker werfen ihm vor, dabei versagt zu haben, die weltweite Finanzkrise kommen zu sehen. Sie sprechen ihm auch deswegen die nötige Qualifikation für den Spitzenposten bei der Weltbank ab.

Bis 12. April soll der neue Chef feststehen

Der Verwaltungsrat der Weltbank nimmt bis Mitte März Bewerbungen aller 189 Mitgliedsländer entgegen. Bis zur gemeinsamen Frühjahrstagung mit dem IWF, die am 12. April in Washington beginnt, soll der neue Chef feststehen.

Bei der Weltbank, die ihren Sitz in Washington hat, soll es intern noch großen Widerstand gegen Malpass geben. Aber es gab auch Stimmen, die erklärten, man sei glücklich, dass die Amerikaner weiter dabei seien und keinen völlig unerfahrenen Kandidaten geschickt hätten. Und nun müsse man eben versuchen, den Neuen auf die aus Sicht der Weltbank wichtigen Themen einzuschwören.

Die USA haben bei der Besetzung der Führungsspitze der Weltbank traditionell das Vorschlagsrecht, während der Internationale Währungsfonds (IWF) üblicherweise von einem Europäer geleitet wird, derzeit von der Französin Christine Lagarde. Aufstrebende Staaten wie China, Russland, Indien oder Brasilien wollen diese ungeschriebene Regel schon seit Längerem abschaffen. Doch eine echte Revolte gegen die Nominierung von Malpass erwarten Experten nicht. Trumps Wunschkandidat wird daher aller Voraussicht nach bald die Führung der Weltbank übernehmen. (mit AFP)

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