Nutzfahrzeugbranche : VW erhöht Anteil an Scania

Im Poker um einen neuen europäischen Nutzfahrzeug-Konzern hat Volkswagen seinen Einfluss weiter ausgebaut. Ein Pflichtangebot zur Übernahme von Scania ist trotzdem nicht erforderlich.

Wolfsburg/Stockholm - VW habe den Stimmrechtsanteil an Scania von 34 auf 35,31 Prozent aufgestockt, teilte das Unternehmen mit. Der Anteil am Kapital habe sich dadurch von 18,7 auf 20,03 Prozent erhöht. VW ist jeweils größter Aktionär von MAN und von Scania und pocht bei der angestrebten Nutzfahrzeug-Allianz auf eine möglichst einflussreiche Rolle. An MAN hält VW 29,9 Prozent.

Ein Pflichtangebot zur Übernahme von Scania müsse VW trotz der Aufstockung nicht vorlegen. Die schwedische Börsenaufsicht habe dem Konzern am 24. Februar eine Ausnahmegenehmigung erteilt, hieß es in einer Pflichtmitteilung der Wolfsburger an die Stockholmer Börse. Dabei sei VW eine Erhöhung seines Anteils auf bis zu 49,99 Prozent genehmigt worden. Weitere Zukäufe seien aber nicht geplant. VW hatte sein bisheriges 34-Prozent-Paket an Scania erworben, bevor Schweden die Schwelle für die Vorlage eines Pflichtangebotes auf 30 Prozent gesenkt hatte und ist daher von dieser Pflicht befreit.

Investor: Möglichkeit, aber keine Notwendigkeit

Volkswagen unterstreiche mit dem Zukauf die Bedeutung seiner Beteiligung an Scania und wolle sein strategisches Interesse am Nutzfahrzeuggeschäft sichern, hieß es in einer Mitteilung aus Wolfsburg. Die Beteiligung sei nun ausreichend, um eine freundliche und einvernehmliche Lösung bei der angestrebten Zusammenführung Scanias mit MAN zu erreichen.

"VW und MAN halten jetzt zusammen über 50 Prozent der Stimmrechte an Scania - das zeigt, in welche Richtung es geht, und belegt das starke Interesse von VW am geplanten Zusammenschluss der drei Unternehmen", sagte Analyst Marc-Rene Tonn von M.M. Warburg.

Der schwedische Scania-Großaktionär Investor sieht durch die Erhöhung des VW-Anteils dagegen keine Änderung der Machtverhältnisse. "Wir sehen nicht, dass sich dadurch irgendetwas ändert bei Scania", sagte ein Investor-Sprecher in Stockholm. Investor arbeite bei dem Lkw-Bauer seit Jahren mit VW als Großaktionär zusammen und werde dies auch weiter tun. Das von VW angestrebte Zusammengehen Scanias mit MAN sehe Investor weiter nur als "Möglichkeit, aber nicht als Notwendigkeit". Die zur Familie Wallenberg gehörende Finanzholding Investor ist mit 20 Prozent der Stimmrechte zweitgrößter Scania-Einzelaktionär nach VW.

Schaller von VW für MAN-Aufsichtsrat nominiert

MAN war im Januar mit einem milliardenschweren Übernahmeversuch für Scania am harten Widerstand der Schweden und ihrer Großaktionäre VW und Investor gescheitert. Nun streben die Beteiligten eine einvernehmliche Lösung an. VW will in eine Allianz sein Geschäft mit Schwerlastern in Brasilien einbringen, möglicherweise aber auch die komplette Nutzfahrzeugsparte.

Bei MAN baut der Wolfsburger Autobauer seinen Einfluss ebenfalls deutlich aus. Neben VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech ist auch der Chef von VW Nutzfahrzeuge, Stephan Schaller, als Kandidat für die Neuwahl des MAN-Aufsichtsrates bei der Hauptversammlung am 10. Mai nominiert worden. Zudem soll der neue Chef der VW-Tochter Audi, Rupert Stadler, mit sofortiger Wirkung in den MAN-Aufsichtsrat nachrücken.

Auch im Scania-Kontrollgremium will VW sein Gewicht verstärken. An der Scania-Aufsichtsratsspitze soll der neue VW-Konzernchef Martin Winterkorn seinen Vorgänger Bernd Pischetsrieder bei der am 3. Mai anstehenden Hauptversammlung ablösen. Zusammen mit Winterkorn hat VW zudem Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch und Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz neu für den Scania-Aufsichtsrat nominiert. (tso/dpa)

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