Droht der Welt ein Währungskrieg?

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OECD-Generalsekträr Gurria : „Die Deutschen waren mutig“

Braucht Frankreich eine Art Agenda 2010?

Die Deutschen haben mutige Entscheidungen getroffen. Als die Krise kam, waren sie vorbereitet. Nicht jeder Staat kann oder will es so machen. Aber es gibt einige Dinge, die Frankreich von seinem Nachbar lernen kann. Reformen sind nötig, weil sich die Welt um uns herum verändert hat. Wer sich dem nicht anpasst, fährt vor die Wand.

Japan wächst wieder überraschend stark, vor allem wegen seines schwachen Yen. Droht der Welt ein Währungskrieg?

Der Wechselkurs heute ist wieder auf dem gleichen Stand wie vor einem Jahr, das darf man nicht vergessen. Der Yen galt lange als sicherer Hafen, er zog in der Euro-Krise Kapital an und wertete auf. Jetzt ist er auf den alten Stand gesunken. In vielen Ländern gibt es die Kombination von lockerer Geldpolitik und harter Fiskalpolitik. Japan macht es anders und kombiniert eine lockere Geldpolitik mit einer lockeren Fiskalpolitik. Das ist einen Versuch wert.

Ein riskanter Kurs.

Japan hat spezielle Probleme: Die Verschuldung liegt bei 220 Prozent der Wirtschaftsleistung, zugleich altert die Bevölkerung rasch, die Zahl der Rentner steigt. Japan muss also unbedingt Wachstum schaffen, um auf diese Weise sein Defizit zu drücken und die Schulden abzubauen. Es ist ein spannender Versuch. Allerdings ist der Einsatz sehr hoch. Es steht viel auf dem Spiel. Japan ist schon zu lange in der Werkstatt.

Auch andere Länder überschwemmen die Welt mit Geld.

Die USA, Großbritannien oder eben Japan nutzen alle verfügbaren Instrumente, um wieder auf einen Wachstumspfad zu kommen. Davon wird jeder etwas haben. Wenn diese Länder die Wende schaffen, werden sie Waren in aller Welt bestellen, dann geht es wieder bergauf. Spanien, Italien, Frankreich oder die Niederlande dagegen können ihre Währung nicht einfach abwerten. Sie müssen ein gutes Stück härter arbeiten an den Reallöhnen, an der Produktivität, an der Wettbewerbsfähigkeit, am Strukturwandel.

Sie empfehlen auch der Europäischen Zentralbank, ihre Geldpolitik zu lockern?

Die Zinsen sind bereits sehr niedrig. Zugleich bedeutet das wirtschaftliche Gefälle in Europa, dass die Anforderungen an die Geldpolitik derzeit sehr unterschiedlich sind. Sollte sich die Lage aber wider Erwarten nicht bessern, muss auch die EZB bereit sein, eine noch aktivere Rolle zu spielen.

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