Das Ölzeitalter neigt sich dem Ende

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Ölzeitalter geht zu Ende : Entsteht am Energiemarkt eine Kohlenstoffblase?
Die Fossil-Spekulationsblase könnte eine neue Finanzkrise auslösen, da viele Energiekonzerne drastisch überbewertet wären.
Die Fossil-Spekulationsblase könnte eine neue Finanzkrise auslösen, da viele Energiekonzerne drastisch überbewertet wären.Foto: epa Ali Haider/dpa

Investor Wermuth: "Schlimmere Folgen als die Finanzkrise 2008"

Manch ein Unternehmen könnte das in die Pleite treiben. Aktionäre und Banken, die ihnen Geld geliehen haben, könnten ebenfalls ins Straucheln geraten. „Die Warnzeichen sind eindeutig“, schrieb der frühere US-Finanzminister Henry Paulson bereits vor einem Jahr. „Wir können es uns nicht erlauben, diese Krise zu ignorieren.“ Nach Schätzungen stehen Finanzanlagen in Höhe von 21 Billionen Dollar auf dem Spiel. „Wenn die Carbon Bubble platzt, kann das schlimmere Folgen haben als die Finanzkrise 2008“, glaubt Investor Jochen Wermuth.

Ökonomen haben eine Liste mit 200 Energiekonzernen veröffentlicht, deren Aktien Anleger besser meiden sollten. Gazprom, Exxon Mobil, BP, Shell oder Coal India stehen darauf – ebenso wie RWE und Eon. Noch versuchen die Konzerne zu beschwichtigen. „Das CO2-Risiko ist bei der Bewertung der RWE-Aktien bereits eingepreist“, sagt eine Konzernsprecherin. Doch schon jetzt beschäftigen sich Bankanalysten seitenlang mit der Frage, wie Anleger sich vor dem Platzen der Carbon Bubble schützen können. Der Internationale Finanzstabilitätsrat hat sich des Themas angenommen ebenso wie die Europäische Zentralbank (EZB). Die Bundesregierung prüft „die Möglichkeit, ein Forschungsgutachten hierzu in Auftrag zu geben“.

Die Bundesbank sieht keine Blasen-Gefahr

Bärbel Höhn, Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag, fordert, „die Risiken auf die hiesige Kreditwirtschaft“ zu untersuchen. „Gerade die öffentlichrechtlichen Banken wie zum Beispiel Sparkassen sind dem Gemeinwohl verpflichtet und dürften daher konsequenterweise keine fossilen Investments mehr eingehen“, sagt Höhn. Derweil sieht die Bundesbank noch keine Gefahr einer Blase.

Anders als die Großbanken, die am Kohle-, Öl- und Gasgeschäft festhalten, steigen immer mehr Familienverbünde, Universitäten und Städte aus dem Geschäft mit fossilen Energieträgern aus. Neben den Städten wie San Francisco, Seattle, Brisbane oder Oxford hat sich auch die nordrhein-westfälische Kleinstadt Münster zum Divestment bekannt und schichtet ihre Finanzanlagen um.

Einer der Investoren, die diesen Schritt bereits gegangen sind, ist Jochen Wermuth. Zwar gehörte er schon früh zu den Unterstützern von Greenpeace – gleichzeitig hat er sein Geld früher aber unter anderem durch Investitionen am russischen Aktienmarkt und so auch mit Ölfirmen verdient. Heute sagt er: „Geld verdienen und etwas Gutes fürs Klima zu tun, muss kein Widerspruch sein.“ Mittlerweile investiert Wermuth nicht mehr in fossile Energieträger, sondern in junge Firmen, die ressourceneffizient arbeiten – und hohe Gewinne abwerfen.

Das Ölzeitalter geht zu Ende

Aus seinem Büro in Berlin-Mitte blickt Wermuth auf eine Baulücke neben dem Tacheles, die als Parkplatz genutzt wird. „Die meiste Zeit stehen die Autos nutzlos herum“, sagt Wermuth. „Aber das muss nicht sein.“ Er hat unter anderem in die Münchner Firma „The Mobility House“ investiert, die aus Elektroautos Stromspeicher macht: Während sie parken, ziehen sie über Ladeseäulen nicht nur Strom aus dem Netz – sondern geben ihn auch wieder ab, wenn gerade ein Stromengpass in der Stadt herrscht. Auf diese Weise, sagt Wermuth, könnte mit der Batterie so viel Geld verdient werden, dass Elektroautos deutlich günstiger würden. Er glaubt, Deutschland könnte so langfristig Benzin- und Dieseleinfuhren von 70 Milliarden Euro einsparen.

Kommt es tatsächlich so, würde das den Ölpreis weiter unter Druck setzen, die Carbon Bubble erst recht platzen. Wermuth ist deshalb überzeugt: „Das Ölzeitalter geht zu Ende.“

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