Passen diese beiden Banken zusammen? : Es reicht ein Blick auf die Gehälter

Noch immer ist unklar, ob Deutsche Bank und Commerzbank fusionieren werden. Nicht nur Betriebsräte, Gewerkschaften und Beschäftigte sind skeptisch.

Zentralen von Deutscher Bank und Commerzbank in Frankfurt
Zentralen von Deutscher Bank und Commerzbank in FrankfurtFoto: REUTERS/Ralph Orlowski

Bis Ostern sollte mehr Klarheit herrschen. Davon ist nichts zu sehen. Fest steht nur: Die große Mehrheit der Beschäftigten von Deutscher und Commerzbank lehnt den Zusammenschluss ab. Bei der Commerzbank war das schnell erkennbar. Dort fordert der Betriebsrat den Vorstandschef Martin Zielke auf, das Vorhaben abzublasen.

Fast 83 Prozent der Beschäftigten in der Zentrale der Bank lehnen, so der Betriebsrat, das Zusammengehen mit der Deutschen Bank ab. Dass es dort ähnlich aussehen würde, ist eine kleine Überraschung. Bei einer Umfrage des Betriebsrats unter 28.000 Beschäftigten Anfang April sprachen sich knapp 69 Prozent der gut 7800 Mitarbeiter, die ein Votum abgaben, gegen eine Übernahme der Commerzbank aus.

Hintergrund der deutlichen Absage ist vor allem der drohende Abbau von 30.000 oder noch mehr der insgesamt rund 140.000 Stellen in beiden Häusern, im Falle einer Fusion. Bei der Deutschen Bank sehen viele zudem die Integration der Postbank immer noch nicht bewältigt.

Während Commerzbank-Chef Zielke auf den Zusammenschluss („Die Alternative, nichts zu tun, gibt es nicht“) drängt, weil sein Haus angeblich nur mit höheren Marktanteilen vorankommen kann, bremst sein Gegenüber Christian Sewing nach dem Motto: Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Schließlich ist die Angelegenheit höchst komplex. Auf den Tagesordnungen für die Hauptversammlungen am 22. Mai bei der Commerzbank und am 23. Mai bei der Deutschen Bank finden sich die Themen Fusion und Übernahme mit keinem Wort. Das sei kein Indiz, sagt ein Commerzbanker. Man könne die Tagesordnung ja noch ergänzen.

Kritische Stimmen zuhauf

Neben Zielke gibt es nur drei weitere Befürworter eines Zusammenschlusses, der – wenn überhaupt – eine Übernahme der Commerzbank durch die Deutsche werden dürfte: Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner, Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Finanzstaatssekretär Jörg Kukies, auch wenn letztere darauf verweisen, es sei allein Sache der Banken und ihrer Aktionäre. Dazu gehört freilich auch der Bund: Er ist nach wie vor mit knapp 16 Prozent größter Aktionär der Commerzbank.

Kritische Stimmen freilich sind zuhauf zu hören. Selbst unter Großaktionären der Deutschen Bank, wie dem weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock oder Vertretern des Scheichtums Katar. „Welches Problem soll hier gelöst werden?“, fragt Blackrock-Top-Manager Philipp Hildebrand. Nach dem Motto: Aus zwei lahmen, im Umbruch steckenden und international abgeschlagenen Banken wird nicht automatisch ein Spitzeninstitut. Die US-Investmentbank JP Morgan Chase hat im ersten Quartal satte neun Milliarden Dollar verdient. Die Deutsche Bank kam im gesamten Jahr 2018 auf gerade mal 341 Millionen, die Commerzbank auf 865 Millionen Euro.

Betriebsräte, Gewerkschaften und Beschäftigte bezweifeln, dass die Kulturen der Häuser zusammenpassen. Es reicht ein Blick auf die Gehälter. Der neunköpfige Vorstand der Deutschen Bank bekam 2018 fast 56 Millionen Euro (trotz des mageren Gewinns ein Plus von 90 Prozent), die sieben Top-Manager der Commerzbank erhielten nur 8,8 Millionen, ein Viertel weniger als 2017. Im Schnitt brachte ein Beschäftigter der Deutschen Bank 2018 rund 130000 Euro nach Hause, ein Commerzbanker nur knapp 70.000.

Frankfurter Finanzprofessoren sind ebenfalls skeptisch. Skaleneffekte einer Fusion seien nicht ausgemacht. Die Deutsche Bank erziele bei sehr hohen Kosten nur niedrige Erträge. Das Problem werde durch die Übernahme der Commerzbank nicht gelöst. In einer Simulationsrechnung für 2018 für eine Übernahme der Commerz- durch die Deutsche Bank rechnet Banken-Professor Volker Brühl mit dem Wegfall von rund 25000 Arbeitsplätzen und Integrationskosten von 2,5 Milliarden Euro. Die Einspareffekte taxiert er auf rund 2,2 Milliarden Euro, das Vorsteuer-Ergebnis auf 2,2 Milliarden Euro.

Freilich: Auch eine Deutsche Commerz hätte immer noch mit hohen Kosten zu ringen. Um einen Euro umzusetzen müsste sie, so Brühl, 93 Cent ausgeben. Auch, weil kein Deutschbanker auf die gute Bezahlung verzichten dürfte und Commerzbanker auf eine identische Entlohnung pochen werden.

Sewing wird als Chef gehandelt

Im Übrigen müsste die Deutsche Bank, ist bei Analysten zu hören, bis zu zehn Milliarden Euro frisches Kapital einsammeln, um die Commerzbank schlucken zu können. Dabei hat sie seit der Finanzkrise 2008 rund 32 Milliarden Euro frisch eingesammelt. Das Geld ging komplett für Straf- und Vergleichszahlungen und die satten Gehälter der Investmentbanker drauf.

Angeblich stehen die italienische Unicredit und die niederländische ING für die Übernahme der Commerzbank bereit, sollte das Vorhaben scheitern. Beobachter glauben, solche Gerüchte würden gezielt gestreut, um Deutsche und Commerzbank zur Fusion zu bewegen. Schließlich soll, so Finanzminister Scholz, ein „deutscher Champion“ entstehen.

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing, der angeblich schon vor Zielke als erster Mann einer Deutschen Commerz feststehen soll – so sie kommt – wird spätestens am Freitag nach Ostern Einblick in die Gespräche gewähren müssen. Dann legt das Geldhaus Zahlen für das erste Quartal vor. Besonders gut werden sie nicht ausfallen. Im Schnitt erwarten Analysten einen Nettogewinn von nur 29 Millionen Euro. Für das gesamte Jahr 2019 rechnen sie mit 839 Millionen, bei der Commerzbank mit 916 Millionen Euro.

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