Plastik- und Metallrecycling in Finnland : Mehr Wert aus Müll

Finnland strebt ein fast hundertprozentiges Recycling an. Ein Abfallunternehmen in Riihimäki zeigt, wie das gelingen kann.

Fortum recycelt Plastik und Metalle aus Müll.
Fortum recycelt Plastik und Metalle aus Müll.Foto: Rolf Brockschmidt

Weltweit wächst die Mittelschicht – und mit dem Wohlstand die Müllberge. Die Deponien quellen über, Länder wie beispielsweise China haben inzwischen den Import von Müll aus Europa gestoppt. Gleichzeitig nimmt der Energieverbrauch zu.

„Jedes Jahr im August sind bereits alle Reserven aufgebraucht, die die Erde regenerieren kann“, sagt Kalle Saarimaa, Vizepräsident Recycling- und Abfalllösungen von Fortum, einem finnischen Recyclingunternehmen in Riihimäki, das die Kreislaufwirtschaft propagiert. Gleichzeitig bekomme die Erde theoretisch innerhalb von zwei Stunden aus Sonne, Wind und Wasserkraft die Energie für ein ganzes Jahr zurück. „Doch wie soll man sie speichern und nutzen?“, fragt der Unternehmer.

Fortum recycelt Plastik und Metalle aus Müll, denn mit Energiesparen alleine seien die Probleme nicht zu lösen, meint Saarimaa. Es gelte, mehr Wert aus den wachsenden Müllbergen zu ziehen. Die CO2-freie Gesellschaft verlasse sich auf Batterien, deren Bedeutung bis 2025 noch steigen werde. Bis dahin werde der Bedarf an Nickel und Mangan für Akkus um 800 Prozent wachsen. Allein die Gewinnung dieser Metalle lasse den Ausstoß von Treibhausgasen um 500 Prozent steigen, rechnet er vor. Angesichts limitierter Ressourcen bleibe nur konsequentes Recycling – in diesem Fall hydrometallurgisches Recycling für alles, was Kobalt, Mangan und Nickel enthält.

Verbote lösen nicht das Problem

In Finnland sind Firmen verpflichtet, Batterien zurückzunehmen, damit die Rohstoffe wieder gewonnen werden können. Sie seien zu fast 100 Prozent recycelbar, sagt Saarimaa. Allerdings müsse man chemische Stoffe hinzufügen, um zu dem gewünschten Ergebnis zu kommen. „Finnland verfügt über Nickel, Kobalt und Lithium. Mit den recycelten Metallen ist es gelungen, eine eigene Batterieproduktion aufzubauen.“

Auch beim Plastik strebe man ein fast hundertprozentiges Ergebnis an. Verbote lösten nicht das Problem, findet Saarimaa. Ein cleveres Sammelsystem und gesetzliche Regulierung seien Voraussetzungen für gutes Recycling. Wenn man die Rezeptur der Kunststoffprodukte kenne, könne man gute Ergebnisse erzielen.

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Fortum sortiert die Kunststoffe mit Hilfe von Infrarotlicht. In einem aufwändigen Verfahren wird am Ende ein Granulat gewonnen, aus dem hochwertige Bauteile entstehen können. Die Bestandteile des Mülls, die nicht verwertbar sind, werden verbrannt, um daraus Energie für die Fabrik zu gewinnen. 75 Prozent des recycelten Plastiks wird wieder genutzt.

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