Position : Ekin Deligöz: „Auch Sparkassen müssen sich wandeln“

Die grüne Haushaltspolitikerin Ekin Deligöz fordert mehr Diversität bei den Sparkassen. Es gebe zu wenig Frauen in Spitzenpositionen. Eine Position.

Ekin Deligöz
Ekin Deligöz, Haushaltspolitikerin der Grünen, fordert mehr Frauen an der Spitze der Sparkassen.
Ekin Deligöz, Haushaltspolitikerin der Grünen, fordert mehr Frauen an der Spitze der Sparkassen.Foto: privat

Noch immer beschäftigt die Finanzkrise von 2008 Politik und Ökonomie. Um für mehr Finanzstabilität zu sorgen und einer neuen Krise vorzubeugen, wurde eine komplexe Reform des EU-Bankensektors angestoßen. Denn dass die Finanzkrise in eine europäische Währungs- und Staatsschuldenkrise überging, war letztendlich die Folge von grundlegenden strukturellen Problemen. Ein aktuelles Reformelement zielt auf die Gleichbehandlung aller Banken, um zu einer stringenten Regulierung und umfassenden Risikominderung zu kommen. Dem wollen sich die deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit dem Verweis auf ihre geringe Systemrelevanz entziehen. Sie sorgen sich, von einem rigorosen Auflagenregime überfordert zu sein. Tatsächlich ist dieses für kleine Banken überaus strapazierend. Dennoch gilt auch für sie: Ein „Weiter-so“ ohne verbesserte Risikoabsicherungen darf es nicht geben. Das wiederum erfordert die Bereitschaft zur Veränderung.

Die Sparkassen sind dem Gemeinwohl und dem Regionalitätsprinzip verpflichtet. Unlängst wurde bekannt, dass die Sparkasse Rottal-Inn einer GmbH einen Kredit über 2,85 Millionen Euro für den Kauf eines Hauses in Berlin-Friedrichshain genehmigte. Der Kauf von Immobilien gilt als sichere Geldanlage. Doch zu welchem Preis? Investoren kaufen Häuser, verdrängen die aktuellen Mieter, um die Wohnungen in Eigentumswohnungen umzuwandeln und sie maximal gewinnbringend zu verkaufen. Gentrifizierung eben. Rechtlich mag diese Form der Kreditvergabe korrekt sein, ethisch aber keinesfalls. Wer jedoch einen besonderen Status beanspruchen will, muss sich ethische Fragen gefallen lassen.

"Männer fördern Männer"

Oder im Bereich der Personalpolitik. Bei den Banken gilt, wie in vielen anderen Branchen, immer noch der Grundsatz „Männer fördern Männer“. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) hatte in seiner Geschichte ausschließlich Männer an seiner Spitze. Und als jetzt die Neubesetzung der Vorstandsvorsitzenden beim DSGV sowie beim Verband der Sparda-Banken anstand, wurden die Posten wieder mit Männern aus den eigenen Reihen besetzt.

Dabei bräuchten wir dringend auch eine Gender Diversity im Topmanagement der Banken und ihrer Verbände. Denn inzwischen ist durch Studien hinreichend belegt, dass ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in Spitzenpositionen die Wettbewerbsfähigkeit stärkt. Zudem arbeiten Teams, die sich aus Männern und Frauen, unterschiedlichen Nationalitäten, Jung und Alt zusammensetzen, kreativer und effektiver als homogene Einheiten. Leider spiegelt sich das nicht in der Realität wider.

Mangelnde Offenheit und Veränderungswillen lassen sich auch beim Blick auf die Angebotspalette von Banken erkennen. Es fehlt etwa an speziell auf Frauen zugeschnittene Angebote. Dabei haben Frauen andere Lebensmodelle als Männer – durch Teilzeitarbeit, Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen. Die Banken sind nicht in der Lage, diesen Bedarfmit spezifischen Produkten zu bedienen. Schlimmer noch: sie sehen das noch nicht einmal als Aufgabe für sich.

Albert Einstein sagte einmal „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“. Es braucht Mut, Dinge zu verändern, aber wenn wir nicht den Mut haben, wird sich auch nichts ändern. Für die Banken heißt das: Wer Sonderkonditionen beansprucht, muss umso mehr Veränderungswillen unter Beweis stellen.

Ekin Deligöz (46) ist Mitglied des Bundestages und Haushaltsexpertin von Bündnis 90/ Die Grünen. Sie hat in Konstanz und Wien Verwaltungswissenschaften studiert und ist Vorstandsmitglied bei Unicef Deutschland.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

17 Kommentare

Neuester Kommentar