Womöglich 1,48 Milliarden Datensätze

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Postfirma : Pin Mail hortet Millionen Briefdaten
Kevin P. Hoffmann

Pin Mail entzieht die erfassten Daten zwar nach dem angegebenen Zeitraum dem direkten Zugriff der Mitarbeiter, archiviert sie aber auf einem Magnetband, das in einem Bankschließfach lagert. Bis Anfang 2012 der Speicherplatz knapp wurde, seien dort auch zusätzlich sämtliche Informationen als Bilddaten hinterlegt worden – „als Ursprungsbeleg für Belange des Steuerrechts und der Wirtschaftprüfung“, lautet die Begründung. Aus Daten zum Sendevolumen lässt sich schließen, dass Pin heute bis zu 1,48 Milliarden Kombinationen aus Absender- und Empfängeradressen im Schließfach deponiert haben könnte.

Wofür wäre so ein Datenschatz gut? Die Nutzung für so genannte Scoring-Dienste läge nahe. Wer Straßenzüge kennt, in den etwa viele Mahnbescheide zugestellt werden, könnte daraus ein Kreditausfallrisiko abschätzen. Versandhändler zahlen Auskunfteien für diesen Service viel Geld. „Es erfolgt keine Nutzung zu Scoring-Zwecken“, erklärt Pin. Man nutze die Daten grundsätzlich zur nachträglichen Rechnungslegung. Aber: Man entwickele im Haus derzeit ein Software, „um mit Hilfe der Zustelldaten eine gerechtere Lastenverteilung innerhalb der Zustelltouren zu unterstützen“.

Paragraph 41 des Postgesetzes erlaubt es, Daten zu erheben, zu verarbeiten und zu nutzen, „soweit dies zur betrieblichen Abwicklung von geschäftsmäßigen Postdiensten erforderlich ist“, setzt dem aber enge Grenzen. Das Datenschutzgesetz mahnt zudem zur Datensparsamkeit.

Sowohl die Berliner Senatsverwaltung für Inneres, deren Landesverwaltungsamt Pin erstmals Ende 2001 beauftragt hatte, testweise Behördenpost zu befördern, wie auch das Büro des Bundesdatenschutzbeauftragten teilen mit, sie hätten bisher keine Hinweise gehabt, dass Pin gegen Datenbestimmungen verstößt. Man müsse den Fall selbst prüfen.

Er nehme diese Informationen aber „sehr ernst“, sagt der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar. „Sollten sie sich bewahrheiten, könnte gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen verstoßen worden sein.“ Die Innenverwaltung will nun erstmals überhaupt jemanden zur Vor-Ort-Kontrolle in Pins Briefzentrum in Mahlsdorf am östlichen Berliner Stadtrand schicken. Und Innensenator Frank Henkel strebt offenbar personelle Konsequenzen an.

Die Pin Mail AG erklärt: „Die Einhaltung der Bestimmungen des Datenschutzes gehören für einen Briefdienstleister, also auch für die Pin Mail AG, zum Markenkern des Unternehmens. Weil dies so ist, richtet das Unternehmen darauf ein besonderes Augenmerk.“

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