Wirtschaft : Private Briefträger wehren sich

Jurex will in Berlin 100 Mitarbeiter entlassen – „Wir haben zu wenig Aufträge“, sagen die Chefs

Daniel Rhee-Piening

Berlin - Beim privaten Postdienstleister Jurex in Berlin kocht die Stimmung hoch. Für den heutigen Mittwoch sind die Mitarbeiter der Jurex-Niederlassung in der Bouchestraße (Treptow) zu einer Betriebsversammlung in der Verdi-Hauptverwaltung eingeladen.

Grund ist die beabsichtigte Kündigung von mehr als 100 Mitarbeitern spätestens zum 23. April. Jurex gibt an, diese hätten sich bisher mit der förmlichen Zustellung befasst, also die Post der Gerichte und Behörden zugestellt. Da hier Anschlussaufträge an die Deutsche Post verloren gegangen seien, fehle es nun an Beschäftigung. Den Mitarbeitern seien aber Arbeitsplätze bei anderen Niederlassungen von Jurex angeboten worden – etwa in der Motzener Straße (Marienfelde). Dort sitzt Jurex Mail, ein Unternehmen, dass normale Briefpost zustellt und offenbar genügend Aufträge hat.

Bei den Jurex-Mitarbeitern sieht man allerdings andere Gründe. Ziel von Jurex sei es, vor allem den Betriebsrat in der Bouchéstraße loszuwerden und die Mitarbeiter zu schlechteren Bedingungen künftig bei der Niederlassung in der Motzener Straße zu beschäftigen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bestätigt, dass es in der Motzener Straße keinen Betriebsrat gibt. „Das werden wir aber ändern, sagt Verdi-Bereichsleiter Benedikt Frank. Die Mitarbeiter von Jurex in Berlin erhielten gegenwärtig im Schnitt etwa 1100 Euro brutto im Monat, dazu komme ein Dienstwagen (Smart), der auch privat genutzt werden könne. Jurex gebe den Gegenwert dieser Leistung mit 300 Euro an, die meisten Mitarbeiter würden aber sofort auf den Wagen verzichten, wenn sie die 300 Euro bekämen, sagt Frank.

Thomas Wilms, Sprecher von Jurex, spricht von etwa 1380 Euro, die Jurex seinen Mitarbeitern bundesweit im Durchschnitt monatlich zahlt. Dazu kämen noch mehr als 900 Firmenwagen, für die Jurex Versicherung, Wartung, Tüv und Sprit bezahle. Wilms räumt ein, dass das Betriebsklima in der Bouchéstraße derzeit nicht gut sei. „Wir bemühen uns aber die meisten Leute unterzubringen.“ Für rund 60 sieht er auch eine Chance. Zudem hoffe man noch auf einen Großauftrag im Herbst, dann könnte es in der Bouchéstraße wieder losgehen. „Aber wir können nicht drei Monate zwischenfinanzieren“, sagt Wilms. Den Vorwurf, es gehe um den Betriebsrat, weist er zurück. „Wir haben bundesweit bei 48 Niederlassungen fünf Betriebsräte, mit denen wir gut zusammenarbeiten“, sagt Wilms. Viele Niederlassungen seien allerdings so klein – beispielsweise Spandau mit acht Mitarbeitern –, dass es dort keine Arbeitnehmervertretung gebe.

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