Rebalancing : So können sich Anleger vor Crashs an der Börse schützen

Nach dem Mini-Crash fragen sich viele Anleger, wie sie mit den Widrigkeiten der Börse umgehen können. Eine Strategie lautet: Rebalancing. Was ist das?

Ein Trader an der New York Stock Exchange am Montagabend, als der Dow Jones einbrach.
Ein Trader an der New York Stock Exchange am Montagabend, als der Dow Jones einbrach.Foto: AFP

Das war heftig. 5,6 Prozent verlor der Dow Jones am späten Montag. In Panik trennten sich Anleger von ihren Aktien. Beim Dax kam es dann zwar nicht so heftig. Trotzdem stehen Anleger vor der Frage, wie sie mit dem heftigen Auf und Ab an der Börse umgehen können.

Das ist eine Frage Strategie bei der Aktienanlage sowie eine mentale Frage. Grundsätzlich kann sich der Anleger klarmachen, dass die langfristig höhere Rendite bei Aktien mit einem höheren kurzfristigen Risiko einhergeht, dass die Märkte immer wieder fallen, bevor sie sich wieder erholen und neue Allzeithochs erklimmen. Der Anleger wird gleichsam mit einer höheren Rendite dafür belohnt, dass er das Auf und Ab mental aushält. Tut er das nicht, verliert er, weil er beim Abschwung die Nerven verliert.

Es gibt eine Strategie, die helfen kann. "Rebalancing" heißt der Begriff, der erstmals in der 30er Jahren von dem Ökonomen Benjamin Graham veröffentlich wurde. Das geschah damals eher zufällig, als Pragmatiker kam er einfach auf die Idee, um sich selber vor Kursverlusten zu schützen und schrieb es eher beiläufig auf. Dass das, was er da gefunden hatte, ein bedeutender Ansatz werden würde, war ihm wohl gar nicht klar.

Das Prinzip des Rebalancing ist denkbar einfach. Der normale Anleger hat mehrere Konten. Auf dem einen liegen Aktien, auf einem anderen liegt Geld, auf einem weiteren möglicherweise Anleihen. Der Anleger legt vorher fest, welchen prozentualen Anteil am Ganzen die Aktien haben und welchen Anteil die anderen Anlageklassen.

Aktienanteil von 50 oder 80 Prozent?

Nehmen wir an, der Anleger hat nur Aktien und erspartes Geld. Er möchte gerne einen Aktienanteil von 50 Prozent. Nehmen wir an er hat Aktien im Wert von 50.000 Euro. Und 50.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto. Steigen die Aktien um 10.000 Euro, kann er ein Rabalancing vornehmen. Er verkauft für 5000 Euro Aktien. Dann hat er für 55.000 Euro Aktien und für den gleichen Betrag Geld. Das Verhältnis von 50 Prozent zu 50 Prozent ist wiederhergestellt. Umgekehrt: Sinken die Aktien und sie sind 10.000 Euro weniger wert, kauft er für 5000 Euro Aktien. Dann ist das alte Verhältnis ebenfalls wiederhergestellt.

Eine solche Vorgehensweise führt zwangsläufig dazu, dass der Anleger billiger kauft und teurer verkauft.

Das wiederum führt dazu, dass er das Auf und Ab mental besser aushält. Es ist erleichternd, vor dem Crash schon einmal oder öfter Gewinne realisiert zu haben. Und es erleichtert, wenn man weiß, dass man bei einem Abschwung ein- oder mehrmals billiger eingestiegen ist.

Den Aktienanteil kann der Anleger frei wählen, je nachdem, wieviel Risiko er eingehen will. Der Aktienanteil kann nur 20 Prozent betragen, oder gar 8o Prozent. Auch kann der Anleger bestimmen, wie oft er Rebalancing betreiben will. Ein Kauf oder Verkauf von Aktien lohnt sich kaum, wenn die bewegte Menge kleiner ist als 3000 Euro. Sonst sind die Kosten für Kauf und Verkauf - die Transaktionskosten - zu unverhältnismäßig hoch.

Mit ETFs lässt sich der gesamte Aktienmarkt leicht handeln

Wie immer der Anleger sich sein System gestaltet, es geht weniger darum, dass die Rendite höher ist, als wenn er auf ein Rebalancing verzichten würde. Es geht darum, dass er das Auf und Ab mental besser aushält und nicht in Panik zu niedrigen Kursen verkauft.

Das Prinzip Rebalancing kann auf verschiedene Weise ausgestaltet werden. Zum Beispiel könnte ein Anleger warten, bis seine Aktien auf einen Wert von 100.000 Euro gestiegen sind und dann für 10.000 Euro verkaufen. Dann wartet er wieder bis 100.000 und verkauft erneut. Die Aktien wären dann eine Art Melkkuh.

Eine andere Möglichkeit ist, dass der Anleger Aktien kauft, nachdem diese um einen bestimmten Satz gesunken sind und kauft, wenn Sie um einen bestimmten Prozentsatz gestiegen sind. Beispiel: Der historische Höchststand des Dax lag bei 13.596 Punkten. Wenn er gegenüber diesem Punkt um 20 Prozent gesunken ist, kauft man. Wenn er anschließend den alten Hochpunkt wieder erreicht, verkauft man einen Teil. Oder erst, wenn er das alte Hoch um zehn oder 20 Prozent übertrifft, je nach Risikoneigung.

Mit sogenannten Indexfonds, auch ETFs genannt, lässt sich der Aktienmarkt insgesamt handeln. Der Anleger kauft dann den ganzen Dax, oder den Mdax, oder den Weltindex MSCI world, den großen US-Index S&P 500 oder andere. Mit ETFs geht der Anleger nicht das Risiko ein, das einzelne Aktien aufwerfen. Er streut seine Anlage auf einen ganzen Index.

Weiterführende Berechnungen: Vanguard, der zweitgrößte ETF-Emittent der Welt, hat das Konzept in vielen Varianten seit 1926 durchgerechnet. Da Vanguard Indexfonds herausgibt, hat das Haus kein Eigeninteresse, mit seinen Veröffentlichungen einen gemanagten Fonds zu vermarkten. Die Veröffentlichungen sollen Kunden dabei helfen, ihre eigenen Konzepte zu entwickeln. Die eingehenden Berechnungen zum Thema Rebalancing finden Sie hier.

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